Autographs & Misc.


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Abbado, Claudio, Dirigent (1933-2014)

Privates Porträtfoto mit eigh. Signatur auf der Bildseite (Kugelschreiber), ohne Ort und Datum (um 1980), 15 x 11 cm.

Der aus Mailand stammende Abbado studierte unter anderem bei Hans Swarowsky in Wien. Er war ständiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker sowie Chefdirigent der Mailänder Scala, des Londoner Sinfonieorchesters, der Wiener Staatsoper und der Berliner Philharmoniker. Continue reading

Order no. 2003-1
€ 75,-


Albich, Siegmund (um 1359-1427), Arzt und Erzbischof von Prag

Bronzemedaille 1969 von M. Knobloch zum 12. Internationalen Rheumatologischen Kongress in Prag. Durchmesser 60 mm. Vorzüglich.

Siegmund Albich studierte an der Karls-Universität, wurde 1387 zum Doktor der Medizin promoviert und war danach Leibarzt König Wenzels IV., auf dessen Betreiben er 1412 Erzbischof von Prag wurde. Im Zuge der durch das päpstliche Schisma und die Verurteilung von Jan Hus bedingten Unruhen legte er sein Amt allerdings schon nach wenigen Monaten nieder und widmete sich wieder der Medizin, in der er unter anderem als Verfasser mehrerer wichtiger Schriften Bedeutendes leistete. Continue reading

Order no. 1806-4
€ 40,-


Aldrin, Buzz, astronaut (born 1930)

Inscribed signed photo, NASA official color portrait (reproduction print), no place and date indicated (around 1980), 25 x 20 cm (9.8 x 7.9 in). Text printed on the reverse side. - Slight mark of a paper clip at upper edge.

Buzz Aldrin (born Edwin E. Aldrin, Jr.) was the second man to set foot on the moon on July 21, 1969, shortly after Neil Armstrong on the Apollo 11 mission. In 1988 he officially gave up his original first name. Continue reading

Order no. 1909-1
€ 750,-


Andersen, Robin Christian, Maler (1890-1969)

Zwei ausführliche Briefe seines Schwagers Karl Bruha an den Künstler, einer davon auf Briefpapier der "Ausstellung des Sonderbundes deutsch-österreichischer Künstler" in der Kunsthalle Bern (vom 20. Februar bis Ostermontag 1921), zusammen 12 Seiten, quer-8 und kl-4, Oberönz, 18. 1. 1921 und 4. 4. 1921. - Der in der Schweiz lebende Briefschreiber betreute damals die hier ausgestellten Bilder Andersens sowie des mit ihm verschwägerten Malers Anton Faistauer (1887-1930); einzelne Passagen betreffen Familiäres. "Mein lieber Robin! ... Genf ... Bis jetzt habe ich vier Kritiken (Journal de Genève, Neue Zürcher Zeitung, Solothurner Zeitung, Berner Volkszeitung) aufgefischt, einige sind noch ausstehend ... Ob F[aistauers] Bild verkauft ist, weiß ich nicht. ... Von neuen Verkäufen ist noch nichts bekannt. Es ist schlechte Zeit in der Schweiz. Die Kataloge werden mit Hand verbessert vom Sekretariat aus. Druckfehler sind bei allen Gruppen, sogar bei den Schweizern - das diene dir zum Trost. ... Bern ... Damit wird wahrscheinlich nichts. Auf den euch eingeräumten Termin ist am Sonntag eine neue Ausstellung eröffnet worden. Amiet hat sich nicht mehr gemeldet - auch Kieser nicht. In Genf ist am Sonntag Schluß. Ich bin froh. Hoffentlich wird gut abgeräumt und verschlingen die Kosten nicht den Gewinn, den erhofften. Wenn nur nichts verlorengeht bei der ganzen Geschichte! ... F[aistauer] werde ich je ein Exemplar der Kritiken und einen Katalog senden. Diese Zuvorkommenheit begehe ich wegen dem Bild, daß(!) ich ihm nie bezahlen werde. / Was ich machen konnte, habe ich gemacht. Du weißt, daß ich Euch nur im Nebenamt vertrat; und so ist es eine respektable Leistung für vier Wochen. Wenn Bern doch noch zustande kommt, will ich es über mich ergehen lassen, wie ein Walzbruder einen Wolkenbruch ..." (Brief vom 18. 1. 1921). / "Mein lieber Bruder Robin! ... Nun ist die Ausstellung zu Ende. Materiell ist das Resultat ganz negativ. Hingegen war der moralische Erfolg größer wie in Winterthur und Genf. Das(!) nichts verkauft wurde ist nicht meine Schuld. Es wurde viel intrigiert und dagegen war nicht anzukämpfen. ... Es tut mir leid, daß ich den Check auf 1 Million Kronen, den zu senden ich nach der Ausstellung imstande zu sein glaubte, nicht senden kann. Und jetzt zum Schluß wird noch die ganze Sache mit Bern, die sich ganz glatt abgewickelt hatte, verdorben. Faistauer sendet komischerweise das Geld nicht, für welches ich Bürgschaft geleistet ... Ich schreibe heute noch an Faistauer, daß er umgehend an Dr. Kieser das Geld senden soll. Es ist doch lächerlich, es wurde ja zu diesem Zwecke gesandt. Seit Faistauer das Geld hat, schreibt er mir nicht mehr ... Ich bin durch sein Verhalten sehr beleidigt, vor allem weil ich annehmen muß, daß er durch die Kritiken, in denen er nicht als Herrgott gerühmt wurde ... verstimmt ist; er ... sitzt auf den 900 Franken, als ob es seine Bruteier wären. Unterdessen gehört nicht ein Centimes davon ihm. So eine dreckige Geldgier ist mir unbegreiflich ..." (Brief vom 4. 4. 1921). - Ausführlichere Transkription beiliegend; die Identifizierung des undeutlich signierenden Briefschreibers ist Herrn Dr. Franz Smola (Österreichische Galerie Belvedere) zu verdanken.

Andersen hatte 1909 zusammen mit Anton Faistauer, Anton Kolig, Franz Wiegele und Egon Schiele aus Protest gegen den konservativen Kunstbetrieb die "Neukunstgruppe" gegründet. 1913 heiratete Faistauer seine Schwester Ida. 1918 wurde Andersen Sekretär des "Sonderbundes", in dem sich die Maler der "Kunstschau" zusammengefunden hatten. Continue reading

Order no. 1803-6
€ 450,-


Anouilh, Jean, Dramatiker (1910-1987)

Blatt mit eigh. Widmung für den österr. Schauspieler Erik Frey (1908-1988) und Unterschrift, 1 Seite, kl-4, [Wien], 26. 3. 1964. "Pour Erik Frey qui ferait - comme moi - le plus beau metier du monde - si c'en était un. Le jour de la bataille sympathiqement Jean Anouilh." - Faltspuren.

"Bataille" bezieht sich auf die Premiere von Anouilhs schwarzer Komödie "Ardèle oder Das Gänseblümchen" (Ardèle ou la Marguerite) im Theater in der Josefstadt am Tag der Widmung. Continue reading

Order no. 1606-3
€ 220,-


Antiphonary

Fragment of a Latin manuscript dating from around 1500 on parchment, 4 pages on double sheet (fol. 95 and 96), 57 x 42 cm (22.4 x 16.5 in); text in black and red rotunda with numerous finely drawn initials in red and blue, on the last page additionally square-shaped neumes on three- and four-lined staves. - Minimally fingerstained, the parchment with the usual natural flaws and a few tiny holes, some corrections in the text; overall very well preserved and fresh in color.

An antiphonary is used by the liturgical choir for the Liturgy of the Hours and contains prayers and short chants (antiphons). This fragment was possibly created in a Trappist monastery in Southern France and includes the complete ending (verses 33 to 43) of the so-called Canticum Mosis (Song of Moses, Deuteronomy chapter 32) as well as - with notes - the antiphon "Date magnitudinem Deo nostro" and the beginning of the hymn "Aurora iam spargit polum". Continue reading

Order no. 2001-3
€ 650,-


Anzengruber, Ludwig, Schriftsteller (1839-1889)

Eigenhändiges Gelegenheitsgedicht mit Empfehlungsformel und Unterschrift, 1 Seite, in-12, Penzing, 11. 11. 1887 ("2 Uhr nachts.") - "Daß heute ich eine Trabucca nahm / Und schuldig geblieben, ich merkt's voll Scham, / So schließe ich denn hier ein Sechserl bei, / Aufdaß diese Schuld auch beglichen sei / Und bitte, dahero, zu zürnen net! Ergebenst L. Anzengruber Poet." - Auf kariertem Papier; Faltspuren.

Trabucca: eine Zigarrenmarke; Sechserl: eine Silbermünze zu 6 Kreuzer. Penzing, damals noch ein Wiener Vorort, wurde 1892 eingemeindet und bildet heute den 14. Wiener Bezirk. Continue reading

Order no. 2202-4
€ 260,-


Arago, François, Physiker (1786-1853)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, gr-8, ohne Ort (Paris), 11. 6. 1840, mit eigenhändigem Adressblatt. - Ersucht Monsieur Pentland vom Foreign Office in London um Pässe für die Bergbaustudenten Piot und Messonnier. "Mon cher ami. M. M. Piot et Messonnier, élèves ingénieurs des mines, vont en Angleterre pour visiter vos grands établissements. Confiez leurs, je vous prie, votre passe-partout. Je vous en aurai une éternelle reconnaissance. Votre ami tout dévoué F. Arago."

Arago war als Astronom, Physiker und Politiker tätig und mit Alexander von Humboldt befreundet. Er entdeckte unter anderem die Magnetisierung von Eisen durch elektrischen Strom und untersuchte zusammen mit Fresnel die Interferenz von polarisiertem Licht. 1830 wurde er Direktor der Pariser Sternwarte; 1839 stellte er die Erfindung der Fotographie durch Daguerre und Niépce offiziell der französischen Akademie und der Öffentlichkeit vor. - Dekorativer Brief. Continue reading

Order no. 2202-5
€ 350,-


Armstrong, Neil A., astronaut (1930-2012)

Inscribed signed photo, NASA official color portrait (reproduction print), no place and date indicated (May 1978), 25 x 20 cm (9.8 x 7.9 in). - Inscription with felt-tip pen; two slight marks of paper clips at upper edge. - Enclosed an unsigned first-day envelope from 1969 and a typewritten letter from Armstrong's secretary Elaine Moore referring to both pieces.

Short printed text in English on the reverse side. Neil Armstrong, commander of the Apollo 11 mission, was the first man to set foot on the moon on July 21, 1969. Continue reading

Order no. 1909-7
€ 1450,-


Arthaber, Rudolf von, Industrieller und Kunstmäzen (1795-1867)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, kl-4, Wien, 9. 3. 1842, mit eigh. Adresse und Siegel. - An Carl H. Kob in Leipzig. "Verehrter Freund! Sehr erfreut hat mich Ihr w[ert]h[es] v. 22[.] v[origen] M[onaths], denn es brachte mir die Nachricht Ihres und der w[ert]h[en] Ihrigen Wohlbefindens, u. ich werde mich sehr gern Ihrem Auftrage unterziehen. Nur muss ich Sie ersuchen mir einige Zeit zu gönnen, da man bey den Herren, die ich größtentheils persönlich kenne, wenn man nicht selbst sie besucht, nicht leicht etwas mehr als eine bloße Unterschrift erhält. Verlassen Sie sich darauf, ich werde mir die Sache angelegen seyn lassen, aber Zeit gönnen Sie mir. Indem ich Sie ersuche Ihrer lieben Frau und Familie mich bestens zu empfehlen, habe ich das Vergnügen, Sie herzlich zu grüßen und mit aller Achtung zu seyn Ihr Ergebener Arthaber". - Adressblatt mit Poststempeln und Empfängervermerken.

Der erfolgreiche österreichische Textilfabrikant unterhielt Zweigniederlassungen in Budapest, Mailand und Rom sowie ein Handelshaus in Leipzig und beschäftigte zeitweise etwa 8000 Menschen. 1839 war er Mitbegründer und später Präsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins. In seiner Villa in Wien-Döbling trug er die damals bedeutendste Wiener Kollektion zeitgenössischer Kunst zusammen, auch regte er die Gründung des Wiener Kunstvereins an. Politisch liberal eingestellt, befürwortete er 1848 die Anliegen der Märzrevolution und leitete diese mit ein. - Selten. Continue reading

Order no. 2003-4
€ 175,-


Bartók, Béla, Komponist (1881-1945)

Kleines Albumblatt mit eigh. Namenszug, zusammen mit reproduziertem Fotoporträt (11 x 9 cm) unter Passepartout montiert.

Bartók war auch als Pianist und Musikethnologe tätig und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne. Continue reading

Order no. 1710-7
€ 550,-


Bastianini, Ettore, Bariton (1922-1967)

Fotoporträt (18 x 13 cm) mit eigenhändiger Widmungszeile und Unterschrift auf der Bildseite, ohne Ort und Datum (um 1960). - "Vivamente Ettore Bastianini". Rückseitig kleine Montagespuren.

Schönes Porträt des jung verstorbenen italienischen Sängers, der unter Herbert von Karajan Verdi-Rollen in Wien und Salzburg sang. - Selten. Continue reading

Order no. 2109-6
€ 220,-


Bauer, Wolfgang, österr. Schriftsteller (1941-2005)

Farbiges Fotoporträt (19 x 13 cm, wohl um 1995) mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite. - Foto mit unbedeutender Schadstelle.

Wolfgang Bauer gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Dramatiker der Nachkriegszeit. Continue reading

Order no. 2205-3
€ 160,-


Bauernfeld, Eduard von, Schriftsteller (1802-1890)

Eigh. Albumblatt mit zweizeiligem Spruch und Unterschrift, 1 Seite, quer-kl-8, ohne Ort und Datum. "Sagst du zum schönen Augenblick: "Verweile" - / Du mahnst vergebens! Er hat Eile." - Rückseitig leichte Montagespuren.

Der aus dem liberalen Wiener Bürgertum stammende Bauernfeld war unter anderem mit Schubert und Grillparzer befreundet. Zunächst als Beamter tätig, hielt er mit seiner Kritik am Metternichschen System nicht zurück und geriet mehrfach in Konflikte mit der Zensur. Nach der Revolution von 1848 avancierte er mit seinen Konversationsstücken mit Wiener Lokalkolorit zu einem der erfolgreichsten österreichischen Lustspieldichter. Continue reading

Order no. 1802-7
€ 120,-


Bechstein, Ludwig, Schriftsteller (1801-1860)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 1/2 Seiten, in-8, Leipzig, 24. 3. 1830. - "Theuerster Freund! Kurz vor meiner Abreise in die Heimath beeile ich mich, Ihnen mit tausendfachem Dank den gütigst geliehenen Todtentanz zu remittiren. Sie haben mir eine sehr große Gefälligkeit erzeigt; der Lohn soll ein Ex. meines Gedichts seyn, wenn es erschienen. Es ist vollendet, vollendet in 4 Wochen! Noch ist nicht darüber entschieden, wem ich es in Verlag gebe. / Ich weiß nicht, ob Sie das Morgenblatt lesen, im Literaturblatt hat Wolfgang Menzel meine Libussa beifällig angezeigt. / Vor kurzem war Prof. Wolff, früher in Weimar, jetzt in Jena, hier; da ich Abends mit bei Hartmanns war, hörte ich ihn auch improvisiren; es ist dieß eine wunderbare Gabe, räthselhaft und geheimnisvoll; ich wäre es nicht im Stande. Neues weiß ich nichts, Sie erfahren das auch besser aus dem ... [?]. Vielleicht sprechen wir uns zur Buchhändlermesse, es wäre mir doch sehr lieb, bis dahin sind auch meine Haimonskinder fertig. Wagner hat auch eine recht hübsche Vignette dazu gestochen. Ich lege sie Ihnen bei. / Leben Sie wohl, mein guter theurer Freund, und haben Sie nochmals freundlichen Dank. Den Baseler Todtentanz habe ich dem Buchhändler zur Besorgung gegeben. Hoffentlich ist er abgesendet. Von der ... [?] hör und sehe ich nichts. Käuflich ist wohl von seltenen Holzschnitten um billige Preise nichts in Prag? - Behalten Sie lieb Ihren treuen Freund L. Bechstein." - Empfängernotizen und Sammlervermerk. Gebräunt.

Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Apotheker studierte Bechstein ab 1829 Philosophie, Geschichte und Literatur in Leipzig und München, danach wurde er Bibliothekar und Archivar in Meiningen. Als Schriftsteller ist er heute noch vor allem noch durch seine Märchensammlungen bekannt, mit deren Herausgabe er bereits in jungen Jahren begann. Sein historisches Gemälde "Die Weissagung der Libussa" wurde 1829 in Stuttgart publiziert, "Die Haimons-Kinder. Ein Gedicht aus dem Sagenkreise Karls des Grossen in vier Sängen" folgte 1830 bei Hartmann in Leipzig (vgl. "bei Hartmanns" im vorliegenden Brief). Der Literaturkritiker, Literaturhistoriker und Schriftsteller Wolfgang Menzel (1798-1873) war Redakteur des Literatur-Blattes zu Cottas "Morgenblatt für gebildete Stände" in Stuttgart; Bernhard Wolff (1799-1851) war hauptberuflich als Pädagoge und daneben als reisender Improvisator tätig. Continue reading

Order no. 2209-6
€ 480,-


Bergman, Ingmar, Drehbuchautor und Regisseur (1918-2007)

Maschinbrief in englischer Sprache an die deutsch-französische Filmhistorikerin und Filmkritikerin Lotte Eisner in Neuilly-sur-Seine, 1/2 Seite, kl-4, Färö, 12. 8. 1976. Hofft Eisner irgendwann in Paris zu treffen. "... my wife and I have now moved to Munich where I intend to work with film and theater. Paris is not too far away so perhaps we could meet someday ...". - Beiliegend zugehöriges Briefkuvert sowie ein Telegramm Bergmans an Eisner.

Bergman wurde im Januar 1976 in Schweden wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Obwohl die Anklage bald wieder fallengelassen wurde, verlegte Bergman aus Protest seinen Wohnsitz vorübergehend nach München. Er arbeitete bis 1985 am Münchner Residenztheater und drehte in Deutschland mehrere Filme, darunter die "Herbstsonate". Die aus Berlin stammende Lotte Eisner (1896-1983) emigrierte ihrer jüdischen Abstammung wegen 1933 nach Paris; nach der deutschen Besetzung Frankreichs war sie in einem Konzentrationslager interniert. Continue reading

Order no. 1802-10
€ 450,-


Billinger, Richard, Schriftsteller (1890-1965)

Eigenhändiges Gedicht "Der Athlet (Für Gerhart Hauptmann)" mit Unterschrift "Richard Billinger" und Kreuzchen, 3/4 Seite auf Transparentpapier, kl-4, ohne Ort, (1932). - Zwei Strophen mit insgesamt 9 Zeilen. "Ich bau am Leib mit milder Hand, / ich bin ein Kind und lerne. / Schon längst verfault ist mein Gewand. / Ich wuchs aus frommer Bürger Land / tiefein in alle Sterne. // Ich schreite sacht. Die Sohle glänzt. / Ich heb mich still von hinnen. / Und Ruhm, so eitel Stirnen kränzt, / will ich nicht nicht mehr gewinnen." - Leichte Faltspuren und geringfügig knittrig.

Beiliegend eine undatierte hektographierte Autographenliste des Wiener Antiquars Heinrich Hinterberger (1892-1970), in der das Gedicht zusammen mit drei weiteren, ebenfalls Gerhart Hauptmann gewidmeten Gedichten Billingers angeboten wird; Hinterberger datiert alle Stücke in das Jahr 1932. Tatsächlich schrieb Hauptmann am 6. 4. 1932 an den oberösterreichischen Schriftsteller: "Sie haben mir ein schönes Gedicht geschenkt - ich sage: ein schönes Gedicht, und das ist wohl viel! Es ist eine edle Gabe, für die ich Ihnen herzlich danke. Mit vielen Wünschen für Ihren dichterischen Aufstieg ...". Thematisch ist das vorliegende Gedicht insofern bemerkenswert, als der zwei Meter große und überaus kräftige Billinger ursprünglich Zirkusathlet und Boxer werden wollte. Er war vor allem als Dramatiker überaus erfolgreich, ehe er nach dem 2. Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit geriet. Continue reading

Order no. 2105-14
€ 220,-


Billinger, Richard, Schriftsteller (1890-1965)

"Schloß Mirakel. Lustspiel in drei Akten." Eigh. Manuskript mit Initialen "RB" am Kopf der 1. Seite, insgesamt 57 einseitig beschriebene Blätter (Titel+20+25+10 pp), kl-4, ohne Ort und Datum (um 1960). - Das Stück spielt in der Gegenwart in Wien und auf Schloss Watzenstein. An Personen treten auf: "Alois Steinhögl, Bürgermeister von Watzenstein / Ferdinand (Ferry) Wullroß, deren junger Freund / Lina, Vertraute der Hofratswitwe / Karl Rader, Ingenieur / Anna Duftschmid, eine Gutsbesitzerin, entfernte Verwandte Raders / Pimpi, deren achtjähriger Sohn, ein Lausbub / Frau Elfride Nutsch, Private aus Linz / Lilly Agraser, Professorsgattin / Rudolf (Rudi) Bangl, Forstadjunkt" sowie der Dorfkaufmann Felix Kronberger (im Personenverzeichnis ausgelassen). Die Szenenbeschreibung für den 1. Akt lautet: "Der Salon der Hofratswitwe. Wegen der drückenden Sommerschwüle sind die Jalusien geschlossen. Ererbter Kram prunkt. Als besondrer Zimmerschmuck hängt vor einer roten Sammetunterlag[e] eine Zither an der Wand. Das Klavier als Salonmöbel ist mit einem farbenprächtigen Teppich bedeckt. Das mächtige Photoporträt des verstorbenen Hofrates prangt im Goldrahmen an der Wand. Etliche, abgesessene Lederstühle umreihen ein rundes Perlenmuttertischchen." - Einige wenige Seiten etwas fleckig, einzelne kleine Wischspuren.

Vollständiges Bühnenwerk, ungedruckt. Der einstmals gefeierte, nach dem Krieg jedoch in Vergessenheit geratene homosexuelle Lyriker, Dramatiker und Erzähler verbrachte seinen Lebensabend alkoholkrank in Linz, wo er in Kaffee- und Gasthäusern ein meist verständnisloses Publikum mit seinen Texten konfrontierte. Continue reading

Order no. 1906-4
€ 1650,-


Björling, Jussi, Tenor (1911-1960)

Porträtpostkarte (Originalfotographie mit Atelier-Blindstempel) mit eigh. Namenszug im weißen Unterrand, (Wien), 20. 3. 1937. - Foto mit Papierbruch im oberen Teil und kleineren Oberflächenmängeln, leichte Wischspur beim Datum, rückseitig etwas angeschmutzt.

Aufnahme Graben-Atelier, Wien I. - Der schwedische Sänger wurde zu Lebzeiten vor allem in seiner Heimat sowie in den USA hoch geschätzt und gilt heute als einer der bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts; seine klangschöne, technisch vollendete Stimme ist durch zahlreiche Tonaufnahmen dokumentiert. Björlings internationale Laufbahn begann 1936 in Wien und Prag, 1937 folgten weitere Auftritte an der Wiener Staatsoper, in Deutschland sowie erstmals an der New Yorker Met. Das Foto wurde anlässlich von Björlings Wiener Rollendebut als Herzog von Mantua in Verdis "Rigoletto" signiert. Autographen des persönlich eher scheuen und zurückhaltenden Sängers sind generell selten; der vorliegende frühe Wiener Beleg ist als große Rarität anzusehen. Continue reading

Order no. 2003-7
€ 1200,-


Blacher, Boris, Komponist (1903-1975)

Eigh. unsigniertes Musikmanuskript mit zwei Klavierskizzen zu einem Bühnenwerk, 2 Seiten auf Notenpapier, in-4. - Kleiner Randeinriss unterlegt.

Ca. 60 Takte in 12 Systemen. Der vielseitige Komponist deutsch-baltischer Herkunft schrieb unter anderem 14 Opern und 9 Ballettmusiken und gehörte im Nachkriegsdeutschland zu den einflussreichsten und am meisten aufgeführten zeitgenössischen Komponisten. Continue reading

Order no. 1802-13
€ 440,-


Böhm, Karl, Dirigent (1894-1981)

Unsigniertes Fotoporträt um 1955, 24 x 18 cm.

Aufnahme Foto Fayer, Wien. Continue reading

Order no. 1601-10
€ 55,-


Boehringer, Robert, Lyriker, Publizist und Unternehmer (1884-1974)

Eigh. Brief mit vertraulicher Unterschrift "Dein Bogett", 1 1/4 Seiten, in-4, Genf, 6. 4. 1970. - Familiär gehaltener Privatbrief zur Übersendung von Hofmannsthals "Theater in Versen" anlässlich eines Geburtstags.

Beiliegt: G. P. Landmann (Hrsg.), Wie jeder ihn erlebte. Zum Gedenken an Robert Boehringer, Privatdruck Basel 1977, 144 pp, Ln. Continue reading

Order no. 1710-10
€ 65,-


Borris, Siegfried, Komponist (1906-1987)

Porträtfoto 23 x 18 cm (Aufn. Fritz Eschen, Berlin) mit eigh. Widmung und Unterschrift auf der Rückseite, Berlin, 30. 8. 1968.

Borris war Schüler von Hindemith und wirkte als Komponist, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge; 1933-1945 durfte er seiner jüdischen Abstammung wegen nur privat unterrichten. Nach dem Krieg gestaltete er "mit ungewöhnlichem Ideenreichtum und bewundernswerter Tatkraft die Wiedergeburt eines freien Musiklebens in Deutschland" mit (Richard von Weizsäcker). Continue reading

Order no. 1802-14
€ 55,-


Boulez, Pierre, Komponist und Dirigent (1925-2016)

Farbiges Porträtfoto mit eigh. Unterschrift auf der Bildseite, 18 x 13 cm.

Nach Angabe des Vorbesitzers stammen Foto und Signatur aus den frühen Neunzigerjahren. Ab den Salzburger Festspielen 1992 arbeitete Boulez intensiv und kontinuierlich mit den Wiener Philharmonikern zusammen. Continue reading

Order no. 1708-11
€ 125,-


Brauer, Arik, Maler (1929-2021)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, in Blockschrift mit rotem Kugelschreiber auf dünnem Seidenpapier, 1 Seite, quer-gr-8, Paris, 16. 10. 1962. - "Lieber Laszlo! Habe einige Monate in Israel verbracht. Bitte sei so gut und bringe mir wenn Du nach Paris kommst meine Bilder mit. 'Rakete' 'Arbeit am Fluss' 'Miriam'. Das Bild 'Salomom(!) mit Blume' gebe ich Dir im Sinne unserer Abmachung, ich denke du hast es gerne. Viele Grüsse - alles Gute Dein Brauer".

Der vielseitige österreichische Künstler Arik (eigentlich Erich) Brauer, der sich unter anderem auch als Sänger und Tänzer betätigte, zählt zu den Hauptvertretern der Wiener Schule des phantastischen Realismus. Der vorliegende Brief stammt aus seinen Pariser Bohème-Jahren, in denen er erstmals mit seinen Bildern Erfolg hatte, und ist vermutlich an den ungarisch-schweizerischen Kunsthändler, Sammler, Psychoanalytiker, Autor und Holocaust-Überlebenden Carl Laszlo (1923-2013) gerichtet. Continue reading

Order no. 2209-10
€ 240,-


Britten, Benjamin, Komponist (1913-1976)

Eigh. Brief mit Unterschrift "Ben", 4 Seiten, quer-8, Aldeburgh (Briefkopf), 25. 7. 1960. - (An James Lawrie.) "My dear Jimmie, Awfully sorry that I can't get up to the meeting of the Opera School tomorrow. I am under severe doctors' order for 2 or 3 months, & severely rationed as to my London visits. I am sorry there is this crisis - but I feel rather unable to comment since I know so little of the facts (of course I realise there is a financial problem, but I fear I don't know whether this is worse than usual, & if there is less hope than usual of over-coming it). I have written to Sanderson asking to see a copy of the Bridges report, wanting of course to see the references to the School; but so far, no reaction, so I can't comment on their comments. But how seriously do people, does the Arts Council, take this report? The only person I know who has had connection [with] the report has been George Christie, & he hasn't much to off[er], & of course must be somewhat biased. Otherwise I know of no one ever who has given evidence - certainly none of us has (which is abit odd considering we do play some part of the operatic biz!). All this is just to question the actual or future importance of the Report; need we take much notice of it, unless, of course it prevents the School getting the money it needs -? Excuse scribble, but I wanted to send personal apologies for non-attendance, & all good wishes [for] the future of the School, if you decide to continue, & of course congratulations to Joan & Anne for their wonderful work. Yours ever Ben." - Kleine Heftspuren, seitliche Lochung unterlegt (geringer Buchstabenverlust).

James Haldane Lawrie (1907-1997) war ein opernbegeisterter englischer Unternehmer, Filmproduzent und Theatermanager und leitete einige Zeit die Künstlervereinigung "English Opera Group" (E. O. G.), die Kammeropern von Britten und anderen Komponisten zur Aufführung verhelfen sollte. Britten lebte seit 1947 in Aldeburgh, wo er im folgenden Jahr das jährliche Festival mitbegründete. George Christie übernahm 1962 als Manager die Glyndebourne Opera. Continue reading

Order no. 2205-6
€ 800,-


Buber, Martin, Religionsphilosoph (1878-1965)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten, gr-8, Heppenheim, 30. 8. 1918. - An den Rechtsanwalt, Übersetzer und Redakteur Max Strauss. "Lieber Herr Dr. Strauss - Meine Information entnahm ich dem mir vor einigen Tagen (mit einem von Glaser unterzeichneten Rundschreiben) zugegangenen Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 21. VIII., in dem Ihr Referat genannt wird. Soeben erhalte ich von Glaser die Mitteilung, dies sei auf ein 'Versehen' zurückzuführen - das ich mir allerdings psychologisch nicht zu rekonstruieren vermag. Was die öffentliche Versammlung betrifft, so hatte ich auf die Aufforderung hin zunächst Bedenken geäussert, da mir die Veranstaltung einen rein propagandistischen Charakter zu haben schien und bei vier Reden (ausser mir sollten Blumenfeld, Arlosoroff und Moses sprechen) in einer Versammlung m. E. auch kaum anders möglich ist. Ich erklärte aber in meinem Brief vom 13. Juli, dass ich, wenn ich auf diesen propagandistischen Zweck keine Rücksicht zu nehmen brauche, bereit wäre, eine Ansprache über den Zusammenhang der jüdischen mit der allgemeinen Jugendbewegung - dem 'jungen Europa' - zu halten. In der Antwort auf diesen Brief (Löwenstein vom 21. Juli, Glaser vom 23. August) wurde die Versammlung nicht mehr erwähnt, sondern nur noch auf das Referat über das Religionsthema Bezug genommen. Ich sah danach diesen Teil der Angelegenheit für erledigt an. Da Löwenstein mir am 21. VII. geschrieben hatte, sämtliche von mir angeschnittenen Fragen müssten in einer Sitzung des engeren Ausschusses besprochen werden, deutete ich mir das Schweigen über die Versammlungsfrage dahin, daß der Ausschuss an dem ausschliesslich propagandistischen Charakter der Versammlung festhalte, vielleicht auch gegen die vermutete (mit Recht vermutete!) Tendenz meiner Ausführungen aussenpolitisch und am Ende auch gar innenpolitisch Bedenken habe. Im übrigen möchte ich Ihnen nicht verschweigen, dass die Art der Beantwortung meiner Briefe durch die Vertreter des Ausschusses (insbesondere Glaser) auf mich den Eindruck einer gewissen Inkonsistenz gemacht hat. Mit den besten Grüssen Ihr Buber". Mit einzelnen Streichungen und Korrekturen. - Faltspuren, kleine Risse und Randmängel, Rückseite gering fleckig.

Buber hatte 1916 zusammen mit Salman Schocken die Monatsschrift "Der Jude" gegründet, die bis 1928 erschien, und war mit seiner Familie von Berlin nach Heppenheim übersiedelt. Hier veröffentlichte er sein philosophisches Hauptwerk "Ich und Du" und begann gemeinsam mit Franz Rosenzweig eine Neuübertragung der Hebräischen Bibel ins Deutsche. Max Strauss (1887-1956) übersetzte jiddische und hebräische Literatur und wurde später Cheflektor im Schocken Verlag in New York. Der vorliegende ausführliche Brief betrifft vermutlich eine Veranstaltung der 1894 gegründeten Zionistischen Vereinigung für Deutschland (ZVfD) und erwähnt mehrere mit ihr verbundene Persönlichkeiten: Kurt Blumenfeld (1884-1963) war damals ihr Sekretär und wurde später ihr Vorsitzender; nach seiner Flucht nach Palästina folgte ihm 1933 der Jurist Friedrich Moses (1887-1974) in dieser Funktion nach. Der in der Ukraine geborene, damals noch ganz junge Chaim Arlosoroff (1899-1933) studierte in Berlin, war ein engagierter Zionist und entwickelte ein Programm zur Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern. Kurt Löwenstein (1902-1973), damals erst 17 Jahre alt, spielte eine führende Rolle im Jung-Jüdischen Wanderbund (JJWB) und arbeitete später als Regionalsekretär für die ZVfD; Karl Glaser (1890-?) kam aus der zionistischen Berliner Studentenverbindung Hasmonea, gehörte vor dem Weltkrieg der Bundesleitung des Blau-Weiss-Bundes an, spielte auch im zionistischen Studentenverband K.J.V. eine gewichtige Rolle und wurde in den 1920er-Jahren Jugendsekretär der ZVfD. Bubers Formulierungen weisen deutlich auf die ideologischen Spannungen innerhalb der zionistischen Bewegung hin. Continue reading

Order no. 2205-8
€ 360,-


Cardenal, Ernesto, Dichter und Politiker (1925-2020)

Reproduziertes Fotoporträt in Postkartengröße mit eigh. bildseitiger Widmung und Unterschrift, ohne Ort und Datum (um 1990). - "Para Wolfgang. Ernesto Cardenal".

Der zum Kreis der lateinamerikanischen Befreiungstheologen zählende nicaraguanische Priester und bedeutende Lyriker verstand sich gleichermaßen als Christ wie als Marxist, engagierte sich für die sandinistische Revolution und war von 1979 bis 1987 Kulturminister Nicaraguas. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Continue reading

Order no. 2003-9
€ 100,-


Chelius, Oscar von, Offizier und Komponist (1859-1923)

Eigenhändiges Musikmanuskript mit Unterschrift, quer-4 (Notenpapier), Corfu/Achilleion, April 1914. - Beginn des Liedes "Aveläuten" (nach Text von Ernst Zahn) mit Klavierbegleitung. - Leichte Faltspur.

Dekorativ und selten. - Chelius erhielt eine gediegene musikalische Ausbildung, wurde jedoch Berufsoffizier in der Preußischen Armee und komponierte daneben lebenslang weiter (Opern, Sinfonien, Kammermusik und Choräle). Er lernte während eines Manövers den späteren Kaiser Wilhelm II. kennen, wurde einer seiner engsten persönlichen Freunde und gestaltete für ihn Musikabende im Berliner Stadtschloss und im Gebäude der Potsdamer Militärakademie, wobei er auf dem Klavier ganze Partituren aus dem Gedächtnis spielen konnte. 1914 wurde er im Rang eines Generalleutnants als Militärbeauftragter an die deutsche Botschaft in Sankt Petersburg versetzt, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August desselben Jahres die deutschen militärischen Interessen am Zarenhof vertrat. - Das Achilleion ist ein 1890-1892 im Auftrag von Kaiserin Elisabeth von Österreich erbauter Palast, den Wilhelm II. 1907 von den Erben der Kaiserin erwarb und zu einem diplomatischen Zentrum umgestalten ließ. Continue reading

Order no. 2009-7
€ 370,-


Conrad von Hötzendorf, Franz Graf, Feldmarschall (1852-1925)

Eigh. Briefkarte mit Unterschrift, 2 Seiten, quer-12, mit Trauerrand, ohne Ort, 3. 2. 1915. - (An seinen Freund Paul Schulz, damals Vizepräsident des Rechnungshofs, später Abgeordneter im Herrenhaus.) "Hochverehrter Freund! Herzlichst Dank für Deine freundlichen Zeilen; - selbstverständlich steht der Reise der Gräfin nichts entgegen und habe ich Auftrag gegeben, daß alles Erforderliche vorgesehen wird. - Die betreffenden Documente (: Fahrlegitimation, Reiseroute et[c.] et[c.]) werden von hier an Dich gesendet werden; - erwünscht wäre telegrafische Bekanntgabe des Abreisetages, damit ein Coupé sicher gestellt werden kann. - Sorge, Ärger, Mangel an Zeit hinde[r]n mich Dir länger zu schreiben, - hoffentlich komme ich aber doch bald zu einem freieren Moment für einen längeren Brief. - Mit herzlichem Gruß Dein aufrichtig ergebener Conrad F[eld]m[arschall]".

"Reise der Gräfin": Im Jänner 1915 hatte Kriegsminister Alexander von Krobatin (möglicherweise nach persönlicher Intervention von Kaiser Wilhelm II.) bewilligt, dass Conrads Geliebte Gina von Reininghaus für vier Tage zu ihm ins Hauptquartier des Alliierten Oberkommandos in Teschen reisen durfte, was für einiges Aufsehen sorgte. Bald nach ihrer Rückkehr willigte Ginas Ehemann Hans von Reininghaus (vermutlich unter Mitwirkung des Briefempfängers Paul Schulz) in die Scheidung ein, und nach Überwindung weiterer Hindernisse wurde Gina von Reininghaus im Oktober 1915 Conrads zweite Ehefrau. Continue reading

Order no. 1903-10
€ 300,-


Cuvier, Georges, Naturforscher (1769-1832)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-4, Paris (gedruckter Briefkopf der "Université Imperiale"), 17. 5. 1809, mit Adressblatt von fremder Hand. - An Pierre-Paul Royer-Collard, "inspecteur general". "Monsieur et cher confrère, Je suis bien coupable envers vous, et c'est pour avoir voulu reparer mes torts que je les ai aggravés; je désirais aller vous remercier moi même du présent beaucoup trop magnifique que vous m'avez fait; je désirais encore vous porter quelques tributs bien peu dignes de vous être offerts; la vie surchargé de travail que je mène depuis quelque temps ne m[']a pas laissé un instant pour m'acquitter de ce double devoir; permettez moi du moins de vous exprimer mes regrets ... en attendant l'hommage de ma reconnaissance et de la haute consideration si bien due à vos talents et à vos travaux. G. Cuvier". - Leichte Altersspuren, kleiner Ausriss durch Siegelöffnung.

Cuvier (ab 1829 Baron de), Mitbegründer der Paläontologie und als Zoologe Vater der vergleichenden Anatomie, war seit 1795 Mitglied und seit 1803 Sekretär des Institut de France in der Akademie der Wissenschaften und reorganisierte im Auftrag Napoleons die akademischen Institute in Italien, den Niederlanden und in Süddeutschland. Der Philosoph und Politiker Pierre-Paul Royer-Collard (1763-1845) war während der Revolution zunächst Vertreter eines Pariser Stadtteils, sympathisierte dann mit den Girondisten, musste sich zeitweise aus dem politischen Leben zurückziehen und wurde nach der Restauration Leiter der Kommission für öffentliche Bildung. Continue reading

Order no. 2003-13
€ 480,-


Czerny, Carl, Komponist (1791-1857)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, Wien, 13. 6. 1842. - An den Herausgeber der Wiener Musikzeitung, August Schmidt. "Euer Wohlg[e]b[orn] / Ich habe die Ehre, hier zufolge dero Aufforderung einen auf 4 Stichseiten berechneten Beitrag zum Hamburger Album zu übersenden u. bitte, mir zu seiner Zeit gefälligst ein Correctur=Exemplar durch Hrn. Mechetti oder Haslinger od. Diabelli zukommen zu lassen. Euer Wohlgeborn ergebenster Carl Czerny." - Auf der letzten Seite Vermerk von fremder Hand und Montagespuren.

Der vor allem als Klavierpädagoge bekannte Beethoven-Schüler Carl Czerny veröffentlichte seine Werke bei verschiedenen Verlegern in Österreich und in Deutschland. Hier als Kontaktpersonen erwähnt sind die Wiener Verleger Pietro Mechetti (1777-1850), Tobias Haslinger (1787-1842) und Anton Diabelli (1781-1858), die teilweise auch als Komponisten und Solisten tätig waren. (Haslinger verstarb übrigens wenige Tage nach dem Datum des vorliegenden Briefs.) Das "Hamburger Album" war eine von der "Allgemeinen Wiener Musik-Zeitung" initiierte musikalische Edition, mit der die Opfer der großen Brandkatastrophe in Hamburg im Mai 1842 unterstützt werden sollten. In Wien geborene oder hier tätige Komponisten wurden um Beiträge, das Publikum um Subskription des Werks gebeten. Obwohl sich eine ganze Reihe von teils prominenten "Tonsetzern" an dem Projekt beteiligten, fand es beim Publikum nicht genügend Resonanz, weshalb die Wiener Musikzeitung am 20. 10. 1842 das Nichterscheinen des geplanten Albums bekanntgeben musste. Welchen Beitrag Czerny beigesteuert hätte, wissen wir nicht. Die "Allgemeine Wiener Musik-Zeitung" erschien von 1841 bis 1848. Continue reading

Order no. 2109-13
€ 1200,-


Dallapiccola, Luigi, Komponist (1904-1975)

Maschinschriftlicher Brief in französischer Sprache mit eigenhändigen Korrekturen, Empfehlungsformel und Unterschrift, 1 1/2 Seiten, kl-4 (dünnes Papier), Florenz, 10. 2. 1951. - An den deutsch-israelischen Musikwissenschaftler Peter Gradenwitz (1910-2001) in Tel Aviv. Berichtet über geplante Tätigkeiten in den USA - u. a. einen Kompositionskurs in Tanglewood -, die amerikanische Erstaufführung seiner einaktigen Oper "Il prigioniero" und erwähnt einen persönlichen Kontakt mit Aaron Copland. Den Hauptinhalt des Briefs bildet die Beschreibung seines Stücks "Job", das Dallapiccola gerne in Israel in hebräischer Übersetzung aufgeführt sehen würde. - Knitterspuren und kleine teils geklebte Randrisse, zwei Flecken am linken Rand.

Die Opern des in Istrien geborenen italienischen Komponisten gelten heute als Klassiker der Moderne. "Job" mit dem Untertitel "sacra rappresentazione" (im vorliegenden Brief "religious play") ist ein geistliches Stück für Solisten, Sprecher, Chor und Orchester; den Text verfasste der Komponist nach dem alttestamentarischen Buch Hiob (Ijob). Es wurde im Oktober 1950 in Rom uraufgeführt. Continue reading

Order no. 2109-14
€ 300,-


Dayan, Yael, Schriftstellerin u. Politikerin (geb. 1939), Tochter von General Moshe Dayan.

Albumblatt in Postkartengröße mit eigh. 3 Zeilen und Unterschrift, um 1975. - Sammlervermerke.

"All people who suffered a lot have a sense of humour?" Continue reading

Order no. 1603-16
€ 30,-


Díaz, Porfirio, General und Politiker (1830-1915)

Diktatbrief in spanischer Sprache mit Initialen in Golddruck und eigh. Unterschrift, 1 1/2 Seiten auf Doppelblatt, kl-4, México, 9. 11. 1899. - An Barbara Frances Stuart, Gattin des Chefingenieurs der in Konkurs gegangenen Mexican Southeastern Railroad Company. Sagt ihr die Weiterleitung von Informationen zu, die ihren von Gläubigern und der Justiz verfolgten Mann entlasten sollen. "... que es lo unico que puedo hacer ...". - Mit montiertem Kuvert; die zweite Seite etwas fleckig, die dritte (leere) Seite mit Montagespuren, auf der vierten Seite eine zeitgenössische handschriftliche englische Übersetzung aufgeklebt; angeheftet das vierseitige englische Briefkonzept von Barbara Frances Stuart mit ausführlicher Darstellung der Angelegenheit.

Díaz kämpfte zunächst gegen konservative Generäle sowie gegen die Franzosen, dann gegen Kaiser Maximilian. Als Staatspräsident (1876-1880 und 1884-1911) regierte er autoritär, förderte aber die wirtschaftliche Entwicklung von Mexiko und holte ausländische Investoren ins Land, unter anderem für den Ausbau des Eisenbahnwesens. Continue reading

Order no. 2003-14
€ 320,-


Dor, Milo, Schriftsteller (1923-2005)

Porträtpostkarte mit eigh. Widmung und Unterschrift, Wien, 10. 12. 1977.

Pressefoto Horowitz, Wien. Continue reading

Order no. 1510-17
€ 48,-


Dostal, Nico, Komponist (1895-1981)

Porträtfotografie auf geprägtem Karton (Brustbild mit Zigarre, 15 x 10,5 cm) mit eigh. Notenzeile, Widmung und Unterschrift auf dem Untersatzkarton (Gesamtgröße 31,5 x 21 cm), Salzburg, Oktober 1971. - 6 Takte "Heimatland!" aus der Operette "Monika" (Uraufführung 1937, verfilmt 1939 unter dem Titel "Heimatland"). - Beiliegend eigh. Kuvert.

Melodie auf die Verse "Heimatland, Heimatland, Dein gedenk' ich immerdar ..." von Hermann Hermecke. Der vor allem für seine Operetten und Filmmusik bekannte österreichische Komponist schrieb auch Kirchenmusik. Seit 1954 lebte er in Salzburg. Continue reading

Order no. 1708-18
€ 200,-


Duncan, Isadora, Tänzerin und Choreographin (1877-1927)

Unsignierte Porträtpostkarte des Weltpostvereins (ungelaufen), um 1900. - Dreiviertelfigur sitzend in antikisierender Tunika.

Die Wegbereiterin des modernen Ausdruckstanzes orientierte sich in ihrem Körper- und Bewegungsempfinden am griechischen Schönheitsideal und versuchte als Gegnerin des klassischen Ballets den Tanz der Antike wiederzubeleben. - Selten. Continue reading

Order no. 1703-23
€ 60,-


Einem, Gottfried von, Komponist (1918-1996)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, quer-kl-4, New York, ohne Datum (wohl 1953). - An den Dirigenten Efrem Kurtz. "Dear Mr. Kurtz, you will remember to have told me on 57th street to be interested in performing my 'Capriccio', which you undoubtedly liked in the interpretation given by Maestro Mitropoulos. Now I am sure that also you will give it a just as masterful if different interpretation. It would be a special treat for me to be notified during my European travels of a performance of yours and the ensuing good writeups. As you know I am always most grateful and pleased if renown[ed] conductors are not only interested but also active in and for my works. With best and sincerest wishes for your Season most sincerely yours Gottfried Einem." - Falt- und leichte Knitterspuren.

Schöner Brief des damals noch relativ jungen österreichischen Komponisten. Einem, der seit 1953 in Wien lebte, unternahm in diesem Jahr eine überaus erfolgreiche Amerikareise, auf der er wichtige Kontakte knüpfte und von der er mehrere Kompositionsaufträge mitbrachte. Sein Orchesterwerk "Capriccio" (op. 2) war vom Dirigenten Leo Borchard in Auftrag gegeben worden und im März 1943 unter dessen Leitung von den Berliner Philharmonikern mit großem Erfolg uraufgeführt worden. Der griechische Dirigent, Komponist und Pianist Dimitri Mitropoulos (1896-1960) regte Einem zu seinem 1953 entstandenen Klavierkonzert op. 20 an; der aus Russland stammende Dirigent Efrem Kurtz (1900-1995) leitete von 1948 bis 1954 das Houston Symphony Orchestra. Continue reading

Order no. 2009-11
€ 220,-


Einem, Gottfried von, Komponist (1918-1996)

Musikalisches Albumblatt mit eigenhändiger Notenzeile, Widmung und Unterschrift, quer-8, Wien, 6. 8. 1983. - Leichte Faltspur.

Vier Takte aus der 1964 uraufgeführten Oper "Der Zerrissene" (Text von Boris Blacher nach Johann Nestroy). Continue reading

Order no. 2202-24
€ 200,-


Ennemoser, Joseph, Arzt und Magnetiseur (1787-1854)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 4 Seiten (eng beschrieben), gr-8, Bonn, 26. 10. 1819. - Berichtet einem Freund ausführlich über seine Fahrt nach Bonn, wohin er als außerordentlicher Professor berufen wurde (die Ernennung zum Ordinarius folgte 1827). Die teils per Kutsche, teils zu Schiff zurückgelegte Reise führte (vermutlich von Berlin aus) über Wittenberg, Leipzig, Zeitz, Gera, Schleiz, Lobenstein, Nordhalben, Bamberg, Forchheim, Erlangen, Nürnberg, Würzburg, Aschaffenburg, Offenbach, Frankfurt, Mainz und Boppard. Ennemoser schreibt in teils blumiger, teils launiger Sprache über originelle Begegnungen, Schwierigkeiten bei der Quartierbeschaffung, die Bonner Studenten etc. An Persönlichkeiten namentlich genannt werden unter anderem der Arzt und Schriftsteller David Ferdinand Koreff (1783-1851), der Arzt und Botaniker Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck (1776-1858) sowie der Arzt und Philosoph Karl Joseph Hieronymus Windischmann (1775-1839), die alle so wie Ennemoser Anhänger der damals populären Naturphilosophie waren. Ennemoser selbst stammte aus Südtirol, schloss sich im Tiroler Volksaufstand Andreas Hofer als Geheimschreiber an, kämpfte in den Freiheitskriegen im Lützowschen Freicorps gegen Napoleon und promovierte 1816 in Berlin zum Doktor der Medizin. Er lehrte Anthropologie, physische Heilkunde und Pathologie und wurde "einer der extremsten Vertreter jener aus der Naturphilosophie erwachsenen mystischen Richtung in den Naturwissenschaften, deren Blüthe sich in der praktischen Heilkunde als 'thierischer Magnetismus' und 'Mesmerismus' entfaltet hat, und die nach dieser Richtung hin gerade in Berlin und Bonn, den Aufenthaltsorten Ennemoser's, einen sehr fruchtbaren Boden gefunden hatte" (ADB 6, 150). Später war er in Innsbruck und zuletzt in München als praktischer Arzt tätig. Ennemoser verfasste zahlreiche Schriften über den Mesmerismus, gilt aber auch als Vorkämpfer des entwicklungsgeschichtlichen Denkens in der Medizin und setzte sich für eine humanen Behandlung der psychisch Kranken ein. - Vollständige Transkription des Briefes siehe unten; Autographen Ennemosers sind selten.

Gegrüßt seyt Ihr allesamt! Wem sollte ich wol eher meine erste Muße weihen, als dir, treuester der Freunde, und deinem mir so nah verwandtem Hauße! Darum seze ich auch heute zuerst für euch die Feder an, euch meine Ankunft allhier, und die auf der Reiße gehabten Abentheuer zu melden. Ich will nichts Wesentliches auslassen, wenn schon durch Unruhe u. Geschäften gedrängt, das ganze nur kurze Skize seyn kann, damit Ihr es wisset, geliebte! Die Trennungsgloke schlug am 9ten schon, da die Nacht ihre Herrschaft noch nicht aufgegeben hatte, denn mächtig hielt noch Morpheus alle, bis auf der lieben Carolina, die mir aber auch noch in Hemde und Rok halb erwacht erschroken den letzten Kuß u. Lebe Wohl darbrachte, weil ich, wenn gleich nach langer, langer Zeit doch immer noch zu früh abreißte, so gewöhnt sich der Mensch an den Menschen - wenn gleiches Blut in gleichen Adern rinnt! Doch auf, was hilft es, Muth, und hinaus in den Sturm, so sah ich es voraus, und der ganze Tag verkündete bedeutungsvoll meinen künftigen Lauf. Die Trennung von so warm blutenden Herzen hat mich viel gekostet, darum habe ich auch wahrscheinlich Handschuhe u. jene schwarze Zankmüze(?) zugleich vergessen, was ich auch bald gewahr wurde, allein ich wollte nicht mehr umkehren, da ich mich versicherte, Ihr würdet mir solches alles durch Koreff hieher senden - der Gutscher wartete lediglich auf mich, und da ich allein in den Wagen stieg, bedauerte ich nur noch mehr, daß Augusta nicht mitgekommen; ich fuhr allein aus, und holte nur im deutschen Hauße noch einen Musik:Instrumentenmacher ab, der mit mir bis Leipzig fuhr, und einen wakren Gesellschafter machte; unterwegs sezte sich nur zuweilen einer auf kurze Zeit in den Wagen und wir kamen so in 2 Tagen recht gut nach Leipzig; zwar unter Regen u. Sturm, der schon den ersten Tag gegen 3 Uhr anfieng und uns in die Festung Wittenberg warf, wo wir um 8 Uhr angekommen in dem goldenen Adler recht wol bewirthet wurden, der ganze andere Tag war sehr kalt und stürmisch, und wir kamen deswegen auch erst abends spät unter schreklichen Regengüßen nach Leipzig, wo wir im Goldenen Adler auf der Hainstraße abstiegen, welches Wirthshauß ich in Hinsicht der Billigkeit Jedermann bestens empfehle. Da gerade Messe war, und ich einiges zu besorgen hatte, so hielt ich mich hier 2 Tage auf, schon deßwegen auch, weil ich einen Reisegesellschafter zu bekommen wünschte. Allein alles Fragen und Warten half nichts, ich mußte endlich Sonnabend ganz allein mit einem eigens gemietheten Lohngutscher abreißen, womit ich um halb eilf Uhr in Zeitz eingetroffen bin. Hier besah ich erst den obern Theil der Stadt, ließ dann meinen schreklichen Bart abschaben in einer Balbierstube, die ich lieber für einen Taubenschlag oder Gänsestall gehalten hätte, wo keine Fensterscheibe ganz, kein Holzboden, kein Tisch, und kaum ein halber Stuhl zu finden war; allein diese Armseligkeit ersezte, die Redseligkeit des etwa 30 Jahr alten Balbierers reichlich, der sich genau um meine Reise erkundete, und als ich ihm Bonn als meinen Endzwek anzeigte, versicherte er mich, lange dort und in Coblenz gewesen zu sein, wohin er sich auch gar sicher versezt zu werden wünschte, da es in Zeitz für einen ledigen Menschen doch nichts wäre, und das Heyrathen seye jezt Niemand zu rathen etc. Nun ging ich stracks zu Hahn, mich der Aufträge zu entledigen, und die mir bekannte Mutter, und Umgebung, zu begrüßen. Die Mutter fand ich recht munter, wie ich es nicht erwartete, da sie kurz vorher so gefährlich krank gewesen war. Frize war nicht zu Hauß, wurde aber gleich geholt, da ich mich nur eine Stunde aufhalten wollte. Er kam auch bald, und ich lernte den geraden, festen, ruhigen Biedermann wie ich es ohne hin schon wußte, kennen, dessen liebenswürdig Umgebung ich leider nicht lange genießen konnte, da ich noch dießen Tag wenigstens bis Gera abgehen mußte; doch ward ich gezwungen mich statt einer Stunde 3 Stunden aufzuhalten und mich mit Hasenbraten, und Wein recht stäflich zu laben, wobei wir auch Euer aller treulich gedachten. Nun ging ich nach Gera, und da ich die Post nicht mehr einholte, mit denselben eigens bis Bamberg gemietheten Gutschers, den folgenden Tag über Schleiz nach Lobenstein, wo ich besonders das herrliche Hernhuter Dorf Groß-Ebersdorf bewunderte. Den 11. machte ich mich schon um 4 Uhr auf, mußte den ganzen langen Wald, und die schreklich Gebirge wieder bis Nordhalben, der ersten baierschen Stadt allein machen, welches ich die Nacht nicht würde gethan haben wenn ich gewußt hätte, daß Räuber in dieser Gegend seyen, wovon sie den Hauptman erst 2 Tage vor meiner Durchreiße einfangten. In Nordhalben bekam ich eine junge Assessors Frau bis Bamberg zur Gesellschafterin, wo ich am 12ten 8 Uhr Morgens eintraf, gleich das große schöne Krankenhauß, und die schlechte Irrenanstalt besah und um 12 Uhr noch über Forchheim, Erlangen, einer alten Universitäts Stadt nach Nürnberg abfuhr, wo ich schon 7 Uhr abends eintraf. Amn 13ten hielt ich Rast, nahm alle meine Sachen zusamen, und gieng am 14ten nach Würzburg, wo ich am 15ten eintraf. Angenehm war es jezt schon sehr zu reißen, da ich seit Leipzig her immer sehr gutes Wetter hatte, und im Würzburgischen eben die Weinlese anfieng, die bis in der Gegend von Coblenz hinab sich erstrekte. In Würzburg besuchte ich den Leibarzt d. Kronprinzen, der leider nach München abgereißt war, und war mit benannten Leibarzt die größten Merkwürdigkeit(en) der Stadt zu besuchen, wovon das Schloß gewiß eines der erhabensten u. schönsten von Deutschland ist. Am 16ten reißte ich nach Aschaffenburg durch den maiestätischen Spessart, den 17. bis Offenbach zu Wasser u. den 18ten nach Frankfurt, wo eben der Jahrtag der Leipziger Schlacht gefeiert wurde. Vormittag paradierte auch die Bürger Garde, welches einen sonderbaren Anblick gewährte da der eine in Strümpfen und Schuhen, der andere in einer Müze der dritte mit einem Hut, und der 4te sogar mit einen rauchenden Cigaro in dem Mund, dem Gott Mars die Ehre machten. Den 19ten blieb ich auch hier, und am 20ten ging ich mit dem Marktschiff nach Mainz. Es war sehr lustig darin, wenigstens waren 150 Personen darauf allerlei Art, Juden Händler mit allerlei Zeug, Musikanten, Garküchen, etc. Am 21. fuhr ich mit der Wasserdiligence bis Popart [Boppard], den 22ten endlich traf ich gerade zwischen dem Licht u. der Nacht glüklich in Bonn ein. Da stieg ich im Stern ab und wohnte bis den heutig Tag da, weil ich mich erst um Wohnungen umsehen mußte, die hier sehr selten u. theuer sind. Gestern miethete ich nun an den so genanten Viereksplaz über 3 Stiegen die ganze Etage, bestehend aus 4 Stuben einer Küche und Kammer wovon eine die schönste Stube mit einer Kammer nach dem Rhein hinausliegt, so daß ich über Gärten, den Maiestätischen Strom, und das ganze jenseitige Ufer vor mich habe. Ich habe zum Logie ein schönes gemeinschäftliches Waschhauß und hinter dem Hauße einen recht angenehmen Garten, dessen äußerste Mauer der Rhein bespühlt, so daß ich im Sommer nur über die Mauer zu springen brauch, um über den Rhein zu schwimmen. Das ganze Logie wird mir meubliert fürs erste, gebrauche aber bis jezt nur die Stube nach den Rhein zu, und dafür bezahle ich 140 Th(aler) eine Treppe unter mir wohnt Herr Professor Mittermejer, und zu ebner Erde der Wirt ein jüdischer Banquier. Überhaupt kann ich von Glük sagen noch diese Wohnung gefunden zu haben, da sie sonst alle ohne Meubles gewöhnlich 200 bis 250 Th(aler) kosten; zudem sind die Wirthsleute vortrefliche, zuvorkommende Menschen, daß ich schwerlich besser finden konnte. Sonst habe ich erst einige Professoren besucht, wovon ich vorzüglich Windischmann und Nees v. Esenbeck meine vertrautesten Freunde täglich besuche. Merkwürdig ist mir aber, daß ich von bekannt und unbekannt ganz ausserordentlich freudig aufgenommen wurde. Studenten sollen an 400 hier sein welches aber meist Juristen sind da die übrigen Anstalten noch gar sehr zurük sind. Fast alle tragen kleine Müzen, einen weißen kurzen Rok u. dunkelgraue Hosen, sind sehr munter und aufgeräumt. Ich werde erst künftigen Monath meine öfentl. Vorlessung über den Entwicklungsgang der Menschheit anfangen, u. dann ferner sehen, wie es sich auch mit mir entwikelt. Übrigens glaube ich ziemlich treu gemeldet zu haben, was Ihr alle von mir zu wissen wünschet, darum schliesse ich für diesmall, und bitte euch alle; mich auch in der Ferne als den eurigen zu betrachten, der ich das ganze Hauß, samt allen bekannten, die etwa nach mir fragen, recht aus Herzens Grund grüße. Ennemoser." Continue reading

Order no. 1909-19
€ 2400,-


Eugen von Savoyen, Feldherr und Staatsmann (1663-1736)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 4 Seiten, in-8, Blessy (Arr. Béthune, Dép. Pas-de-Calais), 28. 9. 1710. - Inhaltsreiches Schreiben aus dem Spanischen Erbfolgekrieg an eine Exzellenz aus Wien, deren Rückkehr dringend erwartet wird, mit Erwähnung des ersten Duke of Marlborough (John Churchill) und einer Stellungname zu neuen Friedensverhandlungen. "jay receu hier la lettre de S[on] E[xcellence] du 10 ainsi une poste plus tard que les autres. je suis ravi que son rétour soit sur ce n'ést pas tout il faut qu'elle soit icy avant la fin d'octobre estant absolument necessaire que le duc de marlborough et moy puissions vous parler avant nostre depart la victoires despagne et lestat des affaires de ces pays ne laissant presque pas douter que cette hyver ne soit une des plus turbulente quil y aye eue pour les negotiations et vous scavé par experience que si on ne peut pas arrester entierement cequi pourroit estre contraire au service du maistre aumoins on leurs fait faire beaucoup plus de reflexions et suspendre souvent les resolutions precipités quil seroient capables de prendre dans les premiers mouvements soit de crainte ou d'enuie de la paix sans considerer que tout le monde la souhaite bonne mais qu'une mauvaise est pire que la guerre ne pouvant pas durer. jay veu la lettre qu'on repond a l'estat et je la trouve bien, les affaires d'engleterre vont de pis en pis nous en parleront a vostre retour celleicy serat la dernierre esperant mesme qu'elle ne vous trouverat plus a vienne; a vostre retour nous parlerons aussi de ceque vous me mandé des affaires de la cour et je suis de S[on] E[xcellence] tres humble et tres obeissant serviteur Eugen de Savoye".

Provenienz: Auktion Stargardt 653 (1993) Nr. 1353. - Nach glänzenden Siegen in Hochstädt/Blenheim (1704), Ramillies (1706) und Malplaque (1709) waren der Duke of Marlborough und Prinz Eugen Ende April 1810 von Tournay aus aufgebrochen, um die französischen Linien von Marschall Villars zu durchbrechen. Der Marschall wich einer Schlacht aus, und die Verbündeten eroberten im Juni Douai und Béthune und im September Saint-Venant, während in Spanien Generalfeldzeugmeister Starhemberg mit Unterstützung der britischen Truppen unter Lord Stanhope im Juli und August Siege bei Almenara und Saragossa erfocht; am Tag der Abfassung des Briefs zog Karl von Österreich in Madrid ein. Zugleich begann aber in England der Stern Churchills zu sinken - er musste im folgenden Jahr seine politischen Ämter aufgeben und wurde 1712 auch als Feldherr abberufen. Die dadurch geschwächten Truppen Eugens erlitten daraufhin im Juli dieses Jahres in der Schlacht bei Denain eine empfindliche Niederlage gegen Villars. - Eigenhändige Briefe Prinz Eugens sind selten. Continue reading

Order no. 1903-13
€ 6800,-


Faistauer, Anton, Maler und Graphiker (1887-1930)

Blatt mit 4 kleinen Federzeichnungen und zugehörigem eigh. Text (in etwas flüchtiger Schrift), 1 Seite, 30 x 12 cm, ohne Ort und Datum (um 1925). "So will ich jetzt die Christl malen. Sich irgendwie die Haar richtend u. will mich freuen auf das Hinaufrichten[.] Die runden Arme, die aus der Brust heraus wachsen ganz rund u. fest gedrechselt mit festen Gelenken mit einem schönen Kopf beschäftigt[.] Ich will die Ähnlichkeit meiden u. nur ihr rundes Kinn u. die weißen Augenhöhlen will ich treffen mit dem rund gewalzten Hals, der so merkwürdig an den den(!) Kopf gereiht ist wie eine Perle an die andere. Da[s] mag schon schön werden u. ich will glücklich sein wenn ich [es] zuweg bringe. Das Seidenkleid will ich beibehalten wie im ersten Bild, da es so schön manchesmal das Fleisch durchdringen läßt. Eine Form so schön bringts das war so mit dem ersten Bild, daß ein Arm so schön aus der Seide glitt mit seinen schwachen Reflexen des rosigen Fleisches." - Oberer Rand mit kleinen Mängeln.

"Die Christl": Christiane von Hofmannsthal verehel. Zimmer (1902-1987), die einzige Tochter des Dichters. Durch sie lernte Faistauer nach zwei Ehen seine Lebensgefährtin Adelgunde ("Gundi") Krippel kennen. Continue reading

Order no. 1802-27
€ 1100,-


Ferdinand Karl d'Este, Erzherzog von Österreich (1781-1850)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1/2 Seite, in-8, ohne Ort und Datum (1847). - "Liebster Fürst, mit vielen[!] Dank stelle ich Ihnen die mir mitgetheilte interessante Anlage zurück. - Wir sind alle sehr betroffen über den so unerwarteten Tod des so guten, und hoffnungsvollen E[rz]H[erzog] Friedrich - dieses so traurige Ereigniß verspäte[!] um einige Tage die Abreiße nach Mähren von meinem Neffen Ferdinand, mit seiner jungen Frau / Eh. Ferdinand". - Im unbeschriebenen Teil etwas fleckig.

Der Enkel von Maria Theresia und Franz I. nahm an zahlreichen Feldzügen gegen die Franzosen teil, wurde 1836 zum Feldmarschall ernannt und wirkte zuletzt als kaiserlicher Kommissär in Siebenbürgen. Vizeadmiral Erzherzog Friedrich (1821-1847) war der dritte Sohn von Erzherzog Karl und verstarb 26jährig an Gelbsucht. Beim "Neffen Ferdinand" handelt es sich um den ebenfalls jung verstorbenen Feldmarschallleutnant Ferdinand Karl Viktor d'Este (1821-1849), der 1847 die damals 16jährige Elisabeth, Tochter von Erzherzog-Palatin Josef Anton und Maria Dorothea von Württemberg, ehelichte. Continue reading

Order no. 2009-16
€ 240,-


Ferra-Mikura, Vera, Schriftstellerin (1923-1997)

Eigenhändiges Gedichtmanuskript mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, ohne Ort, 9. 5. 1962. - "Der Mantel / Er ist behangen mit Sternen, / bewachsen mit Mohn und Kristall. / Er ist die bunte Kehle des Vogels / und das zottige Fell des Büffels ... / Manchmal stürmen wir gegen ihn an, / winzige Reiter auf schwachen Pferden ... / Er hat keine Öffnung. / Wir können ihn nirgendwo teilen. / Niemals erblicken wir den, / der ihn trägt ...". - Beiliegend ein kleines signiertes Porträtfoto (Aufnahme Foto Maruschka, Wien 1961).

Die österreichische Schriftstellerin ist vor allem als Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher bekannt und gilt in diesem Genre als Pionierin des "magischen Realismus". Sie verfasste aber auch schon früh Lyrik und Erzählungen für Erwachsene. Continue reading

Order no. 2202-27
€ 120,-


Fey, Emil, Politiker (1886-1938)

Maschinbrief mit eigenhändiger Unterschrift "Fey" und gedrucktem Briefkopf als Bundesminister, Generalstaatskommissär und Major der Reserve, 1 1/4 Seiten, gr-8, Wien, 17. 10. 1935. - An eine Sekretärin. "... Aus Anlass meines Scheidens als Bundesminister und Generalstaatskommissar, ist es mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen noch einmal ... für Ihre mir während meiner Amtstätigkeit geleisteten ausgezeichneten Dienste den aufrichtigsten Dank und vollste Anerkennung auszusprechen ...". - Minimal knittrig.

Emil Fey, Berufsoffizier und Heimwehrführer, wurde im September 1933 Vizekanzler der Regierung Dollfuß, musste dieses Amt aber bereits im Mai 1934 wieder an seinen Rivalen Ernst Rüdiger Starhemberg abtreten. Am Tag der Abfassung des voreliegenden Briefs verlor er seinen Posten als Bundesminister im Bundeskanzleramt und blieb nur noch (bis Mai 1936) als Minister für die innere Verwaltung sowie für die "Bekämpfung staatsgefährlicher Bestrebungen in der Privatwirtschaft" zuständig. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten beging er Selbstmord. Continue reading

Order no. 1902-18
€ 145,-


Fleta, Miguel, Tenor (1897-1938)

Porträtpostkarte mit eigh. Unterschrift auf der Bildseite, o. O. u. D. (wohl um 1926). - Unbedeutende kleine Eckmängel.

Der jung verstorbene Sänger gilt als einer der besten Tenöre Spaniens im 20. Jh. und sang den Calaf in der Uraufführung von Puccinis "Turandot". Continue reading

Order no. 1606-25
€ 220,-


Flotow, Friedrich von, Komponist (1812-1883)

Eigenhändiges musikalisches Albumblatt mit Notenzeile und Unterschrift, 1 Seite, quer-8, Wien, 7. 2. 1847. - 4 Takte aus dem 2. Akt seiner Oper "Alessandro Stradella": "Tief in den Abruzzen, da lauert im Moos". Links unten biographische Notiz von fremder Hand.

Flotows Oper war 1844 unter tosendem Beifall in Hamburg uraufgeführt worden; in Wien wurde sie im Jahr darauf sowohl im Theater an der Wien wie auch im Kärntnertortheater gespielt. Am 29. Jänner 1847 leitete der Komponist persönlich eine Aufführung im Kärntnertortheater, einige Monate später wurde ebenda die eigens für Wien komponierte "Martha" in Anwesenheit Flotows aus der Taufe gehoben. Continue reading

Order no. 2005-17
€ 850,-


Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)

Dienstzettel mit zwei eigenhändigen, jeweils mit Paraphe unterzeichneten Anweisungen, 1 Seite, in-8, (Wien), Expedierungsvermerk 9. 2. 1864 von fremder Hand. - "Oberst Feldegg soll telegraphiren, was für eine Blessur der General Prinz Würtemberg hat, wie es dem Obersten Illeschütz geht und täglich Nachricht vom Prinzen geben. ... / Bitte beiliegendes Schreiben durch Toggenburg an seine Bestimmung gelangen zu machen ...". - Geringfügig fleckig, kleine Eckmängel, restaurierter Bugriss.

Joseph Eduard Ritter Fellner von Feldegg (1815-1880) war Generalmajor. Prinz Wilhelm von Württemberg (1828-1880) zeichnete sich als Brigadeführer während des Deutsch-Dänischen Krieges in der Schlacht von Oeversee am 7. 2. 1864 aus, wurde dabei aber verwundet. Auch der aus Pettau stammende k. k. Oberst Johann Illeschütz (1808-1862) nahm mit dem von ihm kommandierten Infanterieregiment Nr. 27 an dieser Schlacht mit bravourösem Einsatz teil, wurde aber ebenfalls schwer verwundet und verstarb wenige Monate später. Der Jurist und Politiker Georg Otto von Toggenburg (1811-1888) fungierte damals als letzter Statthalter von Lombardo-Venetien. Continue reading

Order no. 2102-26
€ 650,-


Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 1/2 Seiten, in-8, Schönbrunn, 27. 4. 1905, mit eigh. Kuvert. - An Katharina Schratt in Hietzing. "Theuerste Freundin, / Beiliegend erlaube ich mir das Gewöhnliche zu senden. Für Ihre lieben Zeilen vom 23t. danke ich herzlichst. Seitdem habe ich gar nichts von Ihnen gehört, ich sehne mich nach Nachricht von Ihrem Befinden und bitte Sie mir in irgend einer Art solche zukommen zu lassen. Mit dem größten Mitleide und mit Besorgniß denke ich beständig an die Qualen, welche Sie noch immer erleiden und frage mich, wann ich endlich die Freude haben werde, Sie wiederzusehen. Wann werden wieder meine Besuche in der Gloriette Gasse beginnen können? / Sonntag gab ich noch ein größeres Diner für die Familie und die dänischen kronprinzlichen Herrschaften, vorgestern habe ich in der Josephi Kapelle meine Andacht verrichtet und zum Essen, welches ich hier allein einnahm, bin ich heraus gezogen und gestern bin ich bereits um 7 Uhr früh auf der Reitbahn im kleinen Garten geritten, was zu meiner Befriedigung ausfiel und mir keine Schmerzen verursachte. Es geht mir überhaupt, unberufen, besser wenngleich mir der Rücken noch oft wehe thut. Gestern war ich um 8 Uhr schon wieder in der Stadt, wo ich bis 1/2 5 Uhr sehr beschäftigt war. Das Frühjahres Avancement gibt jetzt viel zu thun und an sonstigen schweren Sorgen fehlt es auch nicht. Heute werde ich auch um 1/2 8 Uhr in die Stadt fahren und erst um 6 Uhr hier speisen. Leider konnte ich heute wegen dem starken Regen nicht reiten. Gestern speiste Valérie hier mit mir, wobei die drei kleineren Kinder mit vielem Lärm assistirten. / Meine Bitte um Nachricht wiederholend und mit den herzlichsten Grüßen Ihr Sie innigst liebender Franz Joseph." - Das Kuvert adressiert an "Frau Katharina von Kiss-Schratt" und rot gesiegelt.

Nicht bei Bourgoing oder Hamann und bisher unveröffentlicht. - Die Freundschaft zwischen dem Kaiser und der mit Baron Miklos Kiss de Ittebe verheirateten, jedoch von ihm getrennt lebenden Burgschauspielerin Katharina Schratt (1853-1940) währte rund drei Jahrzehnte, wurde von Kaiserin Elisabeth durchaus begünstigt und fand ihren Niederschlag in vielen meist ausführlichen Briefen, die der oft einsame Monarch an seine Freundin richtete. Sie geben intime Einblicke in die Persönlichkeit Franz Josephs und sollten nach seinem Wunsch verbrannt oder zumindest streng unter Verschluss gehalten werden, doch gelangten rund 900 davon nach dem Tod von Schratts kinderlosem Sohn Anton Kiss (1970) in die Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, einige auch in den Autographenhandel. Katharina Schratt erwarb 1893 eine Villa in der Hietzinger Gloriettegasse, in unmittelbarer Nähe von Schloss Schönbrunn, und wurde dort von Franz Joseph oft besucht. Der Kaiser unterstützte die Schauspielerin, die einen aufwendigen Lebensstil pflegte, auch finanziell; die Formulierung "erlaube ich mir das Gewöhnliche zu senden" am Beginn des Briefs ist in diesem Sinn zu verstehen. Im Frühjahr 1905 war Franz Joseph mit erheblichen politischen Spannungen zwischen der österreichischen und der ungarischen Reichshälfte der Monarchie konfrontiert, hatte bei den jährlichen Beförderungen in der Armee einiges an Dienstpflichten zu erfüllen und litt unter Rückenschmerzen. Erzherzogin Marie Valerie (1868-1924) war seine jüngste Tochter. Continue reading

Order no. 2209-16
€ 3750,-


Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)

Flugblatt mit der Wiedergabe der Deklaration zur Thronbesteigung in Olmütz am 2. 12. 1848 als Beilage zum Wiener Fremden-Blatt, 2 Seiten, gr-folio. - Gedruckt auf dünnem brüchigem Papier, Falt- und Knitterspuren, gebräunt, mehrere teils hinterlegte Randschäden.

Kaiser Ferdinand war mit dem Hof vor der Wiener Oktoberrevolution von 1848 in die fürstbischöfliche Residenz von Olmütz geflüchtet und dankte dort zugunsten seines 18-jährigen Neffen Franz Joseph ab. Das vorliegende Manifest umreißt das Regierungsprogramm des neuen Herrschers und ist vom Ministerpräsidenten Felix Prinz zu Schwarzenberg gegengezeichnet. Continue reading

Order no. 2105-30
€ 50,-


Friedell, Egon, Schriftsteller und Schauspieler (1878-1938)

Autogrammkärtchen im Visitkartenformat mit eigenhändigem Namenszug, Wien, 10. 6. 1932. - Rückseitig Montagespuren.

Der als Egon Friedmann geborene Dramatiker, Theaterkritiker und Kulturphilosoph wirkte auch als Schauspieler, Kabarettist und Conférencier, arbeitete mit Max Reinhardt zusammen und gehörte zu den geistreichsten und witzigsten Köpfen seiner Zeit. Sein Hauptwerk, die dreibändige "Kulturgeschichte der Neuzeit", erschien 1927-1931. Wenige Tage nach dem Anschluss nahm er sich aus Furcht vor der ihm als Juden drohenden Verhaftung das Leben. Continue reading

Order no. 2209-20
€ 260,-


Fröbel, Julius, Politiker (1805-1893)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf Doppelblatt, in-8, Frankfurt/M., 2. 4. 1858. - An Elisabeth Lewald, Gattin des Justizrates Otto Lewald in Berlin. "Geehrte Freundin: Sie haben in Ihren Zeilen, für die ich Ihnen von Herzen danke, nach meinem Sohn gefragt. Ich schicke Ihnen hiermit denselben als Träger dieses Briefes. Er studirt seit einem Jahre in Freiberg, wird im Herbst wieder nach Amerika zurückkehren, und benutzt seine Ferien zu einem Besuche in Berlin. Es wird vielleicht Ihrer ganzen Freundlichkeit bedürfen um über seinen Mangel an Liebenswürdigkeit hinweg zu sehen. Das deutsche, das schweizerische u. das amerikanische Element liegen in seinem Wesen noch unvermittelt nebeneinander, und sein bisheriges Leben hat wenige sonnige Tage gehabt deren Wärme zur Verschmelzung hätte beitragen können. Ich weiß daß Sie ihn mit Güte empfangen werden. / Ich hoffe es wird uns vor unserer Rückkehr nach Amerika, die im Sommer statt finden soll, möglich werden einen Besuch in Berlin zu machen. Ich glaube ich werde Sie dann überzeugen können, daß wenn auch die Erfahrungen u. das Denken in zehn Jahren mir die Ziele des geistigen Strebens in anderer Gestalt gezeigt haben mögen, dieses Streben selbst in mir nicht erkaltet ist. In meinem Buche mag Sie manches Wort kalt anwehen. Ich habe die Schwachheit, dem Verdrusse über das was ich hinderlich erkenne, oft auch den zwecklosen Ausdruck nicht versagen zu können. Dies sind jedoch Äußerlichkeiten, und aus eigener Erfahrung hege ich die innigste Ueberzeugung, daß der echte Enthusiasmus für alles was unseres Strebens würdig ist, durch keine Beschäftigung mit der Wirklichkeit und ihren Härten leiden kann, wenn er auch eine andere Form annehmen mag. / Ich freue mich bei meinem Besuche Herrn Lewald kennen zu lernen. Sagen Sie ihm meinen Gruß. / Julius Froebel". - Schrift durchschlagend, etwas knittrig.

Der deutsche Geologe und Mineraloge Fröbel war im Vormärz ein führender Politiker der demokratischen Bewegungen und verlegte in der Schweiz unter dem Pseudonym C. Junius in Deutschland verbotene demokratische Literatur. 1848 wurde er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und nahm als deren Delegierter gemeinsam mit Robert Blum am Wiener Oktoberaufstand teil. Hier zunächst zum Tode verurteilt, dann aber im Gegensatz zu Blum begnadigt, emgrierte er nach Amerika und arbeite dort als Anwalt. Seine dort gemachten Erfahrungen verarbeite er unter anderem in dem Buch "Aus Amerika. Erfahrungen, Reisen und Studien" (2 Bde. 1857-1858). Nachdem Fröbel 1857 in Deutschland unter die Generalamnestie gefallen war, engagierte er sich hier weiterhin politisch und trat in seinen späteren Lebensjahren als Diplomat in den Dienst des Deutschen Reichs. Er gilt heute als Vordenker der Diskurstheorie bzw. der deliberativen Demokratie. Continue reading

Order no. 1903-14
€ 300,-


Frydan, Camilla, Komponistin und Librettistin (1887-1949)

Musikalisches Albumblatt mit eigenhändiger Notenzeile und Unterschrift in Bleistift, quer-kl-8, ohne Ort (wohl Wien), 28. 4. 1926. - 4 Takte mit unterlegtem Text "Desdemo-na na na na na na na, ich bitt dich tu nicht so!"

Die in Wiener Neustadt als Camilla Herzl geborene jüdische Musikerin gehörte zum Kreis um Peter Altenberg, Alfred Polgar und Egon Friedell, dessen Bruder Oskar Friedmann sie heiratete. Sie trat als Sängerin unter anderem im Kabarett Fledermaus und im Kabarett Simpl auf, zog nach dem Tod ihres Gatten (1929) nach Berlin und schrieb dort Revuen für Kleinkunstbühnen. Kurzzeitig nach Wien zurückgekehrt, emigrierte sie 1938 mit ihren Geschwistern in die USA. - Selten. Continue reading

Order no. 2209-21
€ 140,-


Fuchs, Robert, Komponist (1847-1927)

Eigh. Widmung auf dem Umschlag seiner "Drei Clavierstücke" op. 24 (Leipzig, Kistner, um 1879, in-4, 15 pp, OBrosch.), Wien, 7. 11. 1879. (Für Fräulein Caroline Gröber, der das Werk im Druck zugeeignet ist.) "D[er] O[bigen] zur freundlichen Erinnerung an Rob. Fuchs ...". - Das Notenheft mit Alters- und Gebrauchsspuren sowie Rand- und Falzverstärkungen.

Fuchs war Schüler von Anton Bruckner und Lehrer von Gustav Mahler, Erich Wolfgang Korngold, Jean Sibelius, Richard Strauss u. a. Continue reading

Order no. 1708-29
€ 160,-


Geiger, Willi, Maler und Graphiker (1878-1971)

Drei eigenhändige Briefe mit Unterschrift "Willi" auf der Rückseite von drei farbigen Ölkreidezeichnungen, je 1 Seite, quer-4, Feldwies, 13. 8. u. 13. 9. 1962, und München, 10. 11. 1962. - Altersbriefe an die Freunde Robby und Lisl Bierlein in München. Berichtet unter anderem von seinem jährlichen Sommeraufenthalt in einem Bungalow am Chiemsee und klagt über Gesundheitsbeschwerden. "... Es gab mancherlich in dem alten Haus in Rechte zu bringen aber trotz dieser Arbeiten komme ich zum Malen. Der Verleger Gurlitt möchte von mir Lithographien zu Gedichten von Francois Villon u. so werde ich nach längerer Pause wieder etwas Graphik machen. ... ich habe abends die Rehe dicht vor dem Haus. Das Wetter ist herrlich hochsommerlich u. ich hoffe daß es durchhält bis zu meinem 84. Geb[urts]tag. ..." (13. 8.). - "... Der Herbst hier ist anhaltend schön und es sieht so aus als könnte ich noch längere Zeit in Feldwies verweilen. Auch die Arbeit geht gut von statten nur das miserable rechte Bein gibt keine Ruhe. Seit ein paar Tagen ist etwas Lärm im Haus - es ist in der Küche u. am Dach allerhand zu erneuern. Da wäre es mir sehr gelegen wenn du mir den Rest (M 400) gleich anweisen läßt weil die Leute hier nicht gerne warten ..." (13. 9.). - "... ich hatte 3 sehr schöne Monate in Feldwies und war sehr fleißig, aber die feuchte Luft am Chiemsee ist meinem rechten Bein nicht gut bekommen. Ich habe viel Schmerzen beim Gehen und reagiere peinlich auf jeden Wetterwechsel. Aus diesem Grund ist meine Bewegung auf die Wege von zu Haus in das Atelier u. zurück beschränkt ..." (10. 11.). *** Three oil pastel drawings with autograph letters by the German painter and illlustrator.

Der aus Landshut stammende und vor allem in München wirkende Willi Geiger war ein frühes Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und gilt als bedeutender Exlibriskünstler des Expressionismus. Bereits 1919 hatte die Berliner Gurlitt-Presse den erotischen Privatdruck "Gilles des Rais" mit 15 Lithographien Geigers herausgebracht. Unsere farbkräftigen, expressiven Skizzen zeigen Blumen in einer Gebirgslandschaft mit Sonne, ein florales Stillleben sowie eine Szene mit Vögeln und antiken Überresten am Wasser; ihre dekorative Wirkung wird durch die briefbedingte Faltung kaum beeinträchtigt. Continue reading

Order no. 2109-27
€ 650,-


Ginzkey, Franz Karl, Schriftsteller (1871-1963)

Eigh. Gedicht "Lied in den Bergen" mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, schwach gestempelter Briefkopf "Franz Carl Ginzkey / Wien, VIII. Bez. / k. u. k. milit. geogr. Institut", um 1900/1910. - Faltspuren.

3 sechszeilige Strophen. "Im Waldesdunkel weidet das Reh, / Das Lamm am sonnigen Rain; / Das Fischlein haust im kristallenen See, / Der Adler im schroffen Gestein. / Auch Du, o Seele, zu jeder Frist / Weißt wol, wo Du zuhause bist! // Du bist zuhause mit Lamm und Reh / Und Fisch und Adler zugleich, / Vom wilden Gebirg bis hinab in den See / Ist alles dein heiliges Reich! / Unendlich umströmt dich des Lebens Flut / Im Bruderblute von Deinem Blut. // Was hat mir die Augen geöffnet so klar? / Nun seh' ich, wie reich ich bin! / Nun kann ich ermessen, wie arm ich war, / Als ich ging mit verschlossenem Sinn. / O Du fröhliche Seele zu jeder Frist, / Die Du allerorten zu Hause bist!" - Ginzkey war vor dem 1. Weltkrieg als Kartograph am Wiener Militärgeographischen Institut tätig. Continue reading

Order no. 1903-15
€ 240,-


Glasunow, Alexander, Komponist (1865-1936)

Eigh. musikalisches Albumblatt mit Unterschrift "Alexandre Glazounow", 1 Seite, quer-kl-8, Paris, 1. 11. 1929. - Auf beschnittenem Notenpapier mit kaum sichtbarem Mittelbug.

Incipit (2 Takte) seiner 1901 entstandenen Klaviersonate Nr. 1 in b-moll (op. 74), hier abweichend vom Druck mit "Moderato" (statt mit "Allegro moderato") bezeichnet und auf nur einem System notiert. Continue reading

Order no. 1705-30
€ 750,-


Goethekreis - Böttiger, Karl August, Philologe, Archäologe und Schriftsteller (1760-1835)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, in-8, ohne Ort (wohl Dresden), 18. 1. 1825. - "Hochzuverehrender Herr Oberconsistorialrath! Meinem Versprechen gemäß sende ich Ihnen, was mir von Hofrath Munkes Schriftstellerei zum Theil aus Gilberts Annalen, deren Mitarbeiter er war, bekannt worden ist. Wen[n] Ihnen etwas über Kleinschrodts in Würzburg Leben u. Schriften bekannt wurde; so würden Sie durch Mittheilung desselben zu großem Dank verpflichten Ihren hochachtungsvoll ergebenen Böttiger." Mit Teil des Adressblatts (Empfängername abgeschnitten). - Geringfügig fleckig.

Böttiger kam 1791 auf Vermittlung Herders nach Weimar. Hier unterstützte er Christoph Martin Wieland bei der Herausgabe der Literaturzeitschrift "Der Neue Teutsche Merkur", wurde Logenbruder Goethes in der Freimaurerloge "Amalia" und beriet mehrmals den Dichter - Goethe gab ihm etwa das Manuskript seines Versepos "Hermann und Dorothea" vor der Veröffentlichung zur Durchsicht. Allerdings kam es nach einiger Zeit zum Zerwürfnis zwischen beiden. 1804 verließ Böttiger Weimar wieder und übersiedelte nach Dresden, wo er Studiendirektor der Ritterakademie wurde, Vorlesungen über die Antike hielt und Theaterkritiken schrieb. - Georg Wilhelm Munke (auch Muncke, 1772-1847) war Professor der Physik in Marburg und später in Heidelberg. "Gilberts Annalen", von 1799 bis 1824 unter diesem Titel erschienen, bildeteten den ersten Block der bedeutenden und bis heute erscheinenden Fachzeitschrift "Annalen der Physik". Gallus Aloys Kleinschrod (1762-1824) war Rechtsgelehrter in Würzburg; ihm wurde 1813 die Revision des österreichischen Strafrechts übertragen. Continue reading

Order no. 2202-37
€ 450,-


Goethekreis - Carl August, Großherzog von Sachsen-Weimar (1757-1828)

Eigenhändiges Billet mit Paraphe "C. A.", 1 Seite, quer-kl-8, ohne Ort und Datum (wohl Weimar um 1785). "Da sich Bode selbst dafür intereßirt so möchte wohl hier eine Ausnahme zu machen seyn, der Herzog von Gotha giebt mir gerne. / Wegen Papenheim kan[n] frey quartier gesezt werden, die erfüllung wie wird sich schon finden." - Mit gedruckter Zierbordüre.

Bode: vermutlich der vielseitige Verleger, Schriftsteller, Übersetzer, Musiker, Aufklärer und Freimaurer Johann Joachim Christoph Bode (1720-1793), der bereits 1776 in Weimar Carl August und dessen Freund Goethe kennengelernt hatte. Er wurde 1778 als Geschäftsführer der Gräfin Bernstorff in Weimar tätig, betrieb dort eine Druckerei und begleitete wiederholt Gesellschaften des Weimarer, Gothaer oder Meininger Hofes auf Reisen. - Herzog von Gotha: Ernst II. Ludwig von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745-1804), der von 1772 bis zu seinem Tod Landesfürst des thüringischen Herzogtums war. Als liberaler und aufgeklärter Herrscher war er vielseitig künstlerisch und wissenschaftlich interessiert und machte Gotha zu einem kulturellen Zentrum, das auch von Goethe mehrfach besucht wurde. Er war ebenfalls Freimaurer sowie Mitglied der Illuminaten. Continue reading

Order no. 2205-18
€ 370,-


Gottsched, Johann Christoph, Schriftsteller und Gelehrter (1700-1766)

Eigh. Schriftstück mit Unterschrift als Rektor der Leipziger Universität, 1/2 Seite, in-4, Leipzig, 24. 10. 1740. - Lateinisches Empfehlungsschreiben für seinen Studenten Johann Hieronymus Christoph Begen aus Wolfenbüttel. "Fide praesentium testor, Virum iuvenem nobilissimum et praestantissimum, Joannem Hieronymum Christ. Begium, Guelferbytanum, Praelectiones meas proximo et praesenti anno, cum Philosophicas tum rhetoricas sedulo frequentasse, et praeterea exercitiis disputoriis, exercendis ingeniis excellentioribus destinatis, quantum doctrina valeret saepius demonstrasse. Quare, ut a Maecenatibus et Litterarum Patronis, in stadio eruditionis strenue pergens, porro sablevetur Begius noster, ex animo precor ...". Am Oberrand zeitgenössischer Vermerk von anderer Hand. - Beiliegend kleines Holzstichporträt des 19. Jhs. von C. Laufer mit faksimilierter Unterschrift.

Im Vorfeld der Aufklärung engagierte sich Gottsched als Sprach- und Literaturreformer, geriet dabei allerdings zusehends in ein autoritäres Fahrwasser und handelte sich die heftige Gegnerschaft zeitgenössischer Literaten ein. Das von ihm propagierte lutherische Sächsisch als überregionale Schriftnorm des Deutschen setzte sich freilich im Zuge der politischen Entwicklung durch: Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde auch in Österreich mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht das Gottsched'sche Deutsch als offizieller Standard festgelegt. Continue reading

Order no. 2001-32
€ 850,-


Gounod, Charles, Komponist (1818-1893)

Unsigniertes eigenhändiges Musikmanuskript auf bräunlichem Notenpapier, 1 Seite, in-4 (Doppelblatt), ohne Ort und Datum. - Stimmenauszug der ersten Bässe in 8 Notenzeilen aus der Introduktion des Chorwerks "L'hôtellerie de la Reine" mit unterlegtem Text. - Kleine Randmängel.

Provenienz: Sotheby's London 18. 5. 1995, ex Nr. 248. - Das unveröffentlichte Chorwerk (CG 225), von dem ein 40seitiges Manuskript bekannt ist, entstand vermutlich 1848/1849 nach einem anonymen französischen Text: "Dans cette belle hôtellerie le vin d'Espagne est vraiment bon, oui! et l'on y trouve, oui l'on y trouve au gré de son envie ..." Continue reading

Order no. 1810-33
€ 750,-


Granger, Stewart, Filmschauspieler (1913-1993)

Reproduziertes Fotoporträt 13 x 8 cm, bildseitig signiert. - Ecken mit Montagespuren.

Stewart Granger wurde als James Lablache Stewart in England geboren und ging 1949 nach Hollywood. In späteren Jahren wirkte er unter anderem in mehreren "Winnetou"-Filmen sowie in Fernsehserien mit. Continue reading

Order no. 1703-32
€ 48,-


Grass, Günter, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1927-2015)

Farbiges Fotoporträt 18 x 12,5 cm, bildseitig signiert, um 1995.

Wohl private Aufnahme. Continue reading

Order no. 2003-27
€ 100,-


Güßfeld, Paul, Naturforscher und Geograph (1840-1920)

Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift, Berlin, 30. 11. 1890. Verweist bezüglich einer Anfrage nach der Adresse von W. Junker an zwei Herren von der Gesellschaft für Erdkunde.

Güßfeld unternahm Forschungsfahrten in Afrika und Südamerika, führte als Alpinist mehrere Erstbesteigungen durch und begleitete von 1889 bis 1914 den deutschen Kaiser Wilhelm II. allsommerlich auf seinen Nordlandfahrten. Wilhelm Junker (1840-1892) war ein deutsch-russischer Afrikaforscher. Continue reading

Order no. 1909-26
€ 65,-


Härtling, Peter, Schriftsteller (1933-2017)

Illlustriertes Faltbillet in Postkartengröße mit gedrucktem Kopf, eigenhändigem Spruch "Zwischen den Altern", Widmung und Unterschrift, 14. 11. 1985. - "Lauf, hol Dich ein / und sieh dir ins Gesicht / Du warst es lange nicht. / Jetzt kannst du's sein ...".

Härtling war Lyriker und Erzähler und verfasste auch Kinderbücher. Continue reading

Order no. 2205-21
€ 75,-


Halm, Friedrich, Schriftsteller (1806-1871)

Albumblatt mit eigh. Gedicht und Unterschrift, 4 Zeilen, quer-12, Wien, 7. 3. 1868. - "Ob Deine Wangen blühen / Ob meine fahl und bleich, / Wenn gleich die Seelen glühen / Sind Jung und Alt sich gleich." - Minimal fleckig; in Zierpassepartout montiert.

Friedrich Halm (eigentlich Eligius Franz Joseph Freiherr von Münch-Bellinghausen) war Lyriker, Novellist und Dramatiker und leitete die Wiener Hoftheater als Generalintendant . Continue reading

Order no. 1802-41
€ 140,-


Halm, Friedrich, Schriftsteller (1806-1871)

Albumblatt mit eigh. Gedicht und Unterschrift, 4 Zeilen, quer-8, Wien, 20. 5. 1859. - "Als Glück der Armuth pries man jüngst mir sehr: / Wer Nichts besitze, könn' nichts mehr verlieren! / O welches Glück erfroren seyn, denn wer / Bereits erfror, der kann nicht mehr erfrieren!" - Leichte Faltspuren.

Friedrich Halm (eigentlich Eligius Franz Joseph Freiherr von Münch-Bellinghausen) war Lyriker, Novellist und Dramatiker und leitete die Wiener Hoftheater als Generalintendant . Continue reading

Order no. 1703-34
€ 130,-


Handke, Peter, Schriftsteller und Nobelpreisträger (geb. 1942)

Großformatiges Fotoporträt (24 x 18 cm) mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite.

Wohl Privataufnahme um 1975. Continue reading

Order no. 2205-23
€ 350,-


Harnoncourt, Nikolaus, Dirigent (1929-2016)

Karte der Plattenfirma Teldec mit reproduziertem farbigem Fotoporträt, 15 x 10,5 cm, bildseitig signiert (um 1985).

Der auch als Cellist und Musikschriftsteller tätige österreichische Dirigent war einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis. Continue reading

Order no. 2205-24
€ 55,-


Hausner, Rudolf, Maler (1914-1995)

Porträtfoto (Aufnahme Stefan Adam, Frankfurt) mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite, 23 x 17 cm, ohne Ort und Jahr (wohl um 1975). - Beiliegend eine bildseitig signierte farbige Reproduktion eines seiner "Adam"-Bilder, 10 x 16 cm (kleine Mängel).

Hausner war ein bedeutender Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. 1957 entstand sein erstes Adam-Bild, das er immer wieder variierte. Continue reading

Order no. 2105-35
€ 160,-


Hebbel, Christine, Schauspielerin und Ehefrau von Friedrich Hebbel (1817-1910)

Albumblatt mit eigh. 2-zeiligem Spruch und Unterschrift, quer-8. Wien, 9. 2. 1897. "Das Streben zum Guten, Wahren, und Schönen, heißt Leben." Rückseitig Montagespuren. - Beiliegend fotographisch reproduziertes Porträt Friedrich Hebbels nach Kriehuber (um 1900).

Geboren als Christine Enghaus, ermöglichte die erfolgreiche Schauspielerin ihrem Mann eine von materiellen Sorgen befreite schriftstellerische Tätigkeit. Hebbels früherer Lebensgefährtin Elise Lensing, die von der Eheschließung sehr getroffen wurde, nahm sie sich als einfühlsame Freundin an. Continue reading

Order no. 1710-40
€ 120,-


Hellmesberger, Joseph, Komponist (1855-1907)

Eigenhändige acht Zeilen mit Unterschrift auf der gedruckten Visitkarte seiner Gattin, ohne Ort und Datum. "Verehrte Gnädige Frau! Ich glaube nicht, daß das vorgeschlagene Stück in Pest passend wäre - auch habe ich noch keine Rückantwort über die Componisten Gestaltung unseres Programmes[.] Ich bitte daher nur um kurze Frist bis aus Pest Nachricht eingetroffen[.] Mit echter Verehrung dankbarst J. Hellmesberger". In flüchtiger Schrift. - Ansprechend unter Passepartout gerahmt (Gesamtgröße 16 x 20 cm).

Provenienz: Sammlung Gerhard Bronner. - Joseph ("Pepi") Hellmesberger junior, Sohn des gleichnamigen Violinisten und Dirigenten (1828-1893), wurde 1890 erster Hofkapellmeister der Wiener Hofkapelle und wirkte als Komponist, Geiger und Dirigent; er schrieb unter anderem 22 Operetten. Als Nachfolger von Gustav Mahler leitete er von 1901 bis 1903 die Philharmonischen Konzerte. Continue reading

Order no. 2009-28
€ 300,-


Herzberg, Gerhard, Chemiker und Physiker, Nobelpreisträger (1904-1999)

Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 2/3 Seite, kl-4, Ottawa (Briefkopf), 28. 5. 1974. - An eine Dame in New York, die ihn nach seiner Meinung zur größten wissenschaftlichen Errungenschaft im 20. Jahrhundert gefragt hatte. "... I think it is very difficult to rank any one scientific achievement as the most important of this century. However, I do believe that Einstein's development of relativity theory could certainly be considered in that way ...".

Der in Hamburg geborene und aufgewachsene Wissenschaftler wanderte 1935 nach Kanada aus und arbeitete vor allem auf dem Gebiet der Spektroskopie. Für seine "Beiträge zur Kenntnis der elektronischen Struktur und Geometrie von Molekülen, insbesondere von freien Radikalen" erhielt er 1971 den Nobelpreis für Chemie. Continue reading

Order no. 2202-43
€ 160,-


Herzmanovsky-Orlando, Fritz von, Schriftsteller und Zeichner (1877-1954)

Eigenhändige Feder- und Buntstiftskizze auf der Rückseite eines ausgeschnittenen eigenhändigen Gedichtfragments (5,5 x 16 cm): "... auch auf Fliege an der Wand / Starrt jetzt niemand unverwandt! / Oder gar! auf selbe fauchen! / Oder auf die Fleckerpatschen, / Oder auf den Topf zum Natschen / Nein! jetzt in des Sandmanns Stunde ...". Dazu eine ausgeschnittene Textzeile "Meran in Südtyrol! 23 XI. 28." in gleicher Tinte und auf gleichem Papier.

Provenienz: Dorotheum Wien 1999. - Herzmanovsky-Orlando, dessen umfangreiches literarisches und zeichnerisches Werk zum größten Teil erst nach seinem Tod bekannt wurde, lebte seit 1916 aus gesundheitlichen Gründen in Meran. Eine beiliegende Sammlerbeschriftung betitelt die Skizze mit "Der Ahnungslose". Continue reading

Order no. 2209-28
€ 850,-


Hess, Victor Franz, Physiker und Nobelpreisträger (1883-1964)

Eigh. Brief, 2/3 Seite, gr-8, Mt. Vernon, NY (gedr. Briefkopf), 16. 5. 1963, mit eigh. Kuvert. - In schwer lesbarer zittriger Altersschrift an den Schriftsteller Eugeniusz Chudzicki in Poznan (Polen). "Sehr geehrter Herr / Ihr wertes Schreiben vom 2. d. M. habe ich erhalten, doch ist Ihre Handschrift so schwer zu lesen, dass ich den Sinn Ihrer Frage nicht verstehe / Ich habe mich nie mit den Nachwirkungen(?) der Atomenergie beschäftigt und kann daher keine diesbezügliche Antwort geben / Hochachtungsvoll(?) V. F. Hess" - Das Kuvert an die Rückseite des Briefs montiert, beide mit kleinem Stempel des Empfängers.

Der in der Steiermark geborene und aufgewachsene Forscher erhielt für seine Entdeckung der Kosmischen Strahlung 1936 gemeinsam mit Carl David Anderson den Nobelpreis für Physik. 1938 emigrierte er zusammen mit seiner jüdischen Frau in die USA. Hess litt in seinem letzten Lebensabschnitt an der Parkinson-Krankheit. Continue reading

Order no. 1703-38
€ 320,-


Hochhuth, Rolf, Schriftsteller (1931-2020)

Billet in Postkartengröße mit eigenhändigem Spruch und Unterschrift, 6. 12. 1977. "Lügen haben schöne Beine / R Hochhuth". - Unbedeutende Papiermängel, rückseitig von fremder Hand beschriftet.

Hochhuth wurde vor allem als Dramatiker bekannt, schrieb aber auch Gedichte, Novellen und Erzählungen. Er setzte sich eingehend mit politischen und sozialen Fragen auseinander. Continue reading

Order no. 2205-27
€ 130,-


Hoernes, Moriz, Prähistoriker (1852-1917)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf Doppelblatt, in-8, Wien (Briefkopf), 24. 2. 1914. - "Hochgeehrter Herr Doktor! Für Ihre freundliche Anregung, in der ich ein Zeichen liebenswürdigen Entgegenkommens erblicke, sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank u. werde darauf bei nächster Gelegenheit, wenn ich die Ehre habe, persönlich mit Ihnen zusammenzutreffen, zurückkommen. Wir gründen allerdings eine Wiener Prähistorische Zeitschrift, die aber nur für Mitglieder u. Fachleute bestimmt ist. Werbetätigkeit u. Vertretung unserer Interessen in weiteren Kreisen kann nur durch die Presse geschehen. Die Tagespresse ist aber mir solchen Aufgaben von 100 Seiten dermassen überhäuft, daß sie fast wirkungslos ist. Darum begrüße ich dankbarst Ihre Idee u. freue mich, ihr näherzutreten. In größter Verehrung Ihr stets ergebener M. Hoernes." - Beiliegend eine Postkarte des in Hallstatt tätigen Naturforschers und Ausgräbers Friedrich Morton (1890-1969) von 1937, einen Vortrag betreffend.

Vgl. ÖBL 2, 368 f. - Moriz Hoernes, Sohn des gleichnamigen Geologen, begründete an der Wiener Universität den ersten Lehrstuhl für prähistorische Archäologie in Mitteleuropa und trug wesentlich zum Aufstieg des Fachs als wissenschaftliche Disziplin bei; zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen die mehrfach aufgelegte "Urgeschichte der bildenden Kunst in Europa" (1898) sowie die zweibändige "Natur- und Urgeschichte des Menschen" (1909). Die im Brief angekündigte Zeitschrift wurde von der Wiener Prähistorischen Gesellschaft herausgegeben, deren Präsident Hoernes war, und erschien von 1914 bis 1943. Hoernes war auch literarisch tätig; er schrieb ein mythologisches Märchen "Atlantis" und verfasste das Libretto zu Hugo Wolfs unvollendet gebliebener Oper "Manuel Venegas". Continue reading

Order no. 2202-44
€ 260,-


Hoffmann, Friedrich, Mediziner, Erfinder der "Hoffmannstropfen" (1660-1742)

Eigenhändiges Schriftstück mit Unterschrift, 1/2 Seite, gr- 8, Halle, 22. 3. 1738. - "Im Nahmen der Medicinischen Facultaet wird hiermit von mir Herr Johann Jacob Weber Halens[is] medicinae studiosus zu der vacanten Freÿstelle an(!) Magdeburgischen Tische praesentiret und providiret. ... Friderich Hoffmann h[oc] t[empore] Decanus". Darunter signierter Vermerk von Friedrich Wideburg: "Angetreten d. 1t. April 1738". - Gebräunt und lichtspurig, am unteren Blattrand mehrzeilige alte Sammlernotiz.

Provenienz: Sammlung des Schweizer Internisten Dr. Robert Ammann. - Hoffmann, einer der berühmtesten Ärzte seiner Zeit, trat 1693 eine Professur an der Universität Halle an und war dort dreiundfünfzigmal Dekan und fünfmal Prorektor. Als dieser sorgte er bereits in seiner ersten Amtszeit dafür, dass zwei Freitische für 24 Landeskinder des Herzogtums Magdeburg und ein Freitisch für das Fürstentum Halberstadt an der Hallenser Hochschule eingerichtet wurden. Der Rhetoriker, Historiker und Staatsrechtler Friedrich Wideburg (1708-1758) war ebenfalls Professor in Halle und führte ab 1737 die Aufsicht über die Freitische. - Sehr selten. Continue reading

Order no. 1909-35
€ 2400,-


Honegger, Arthur, Komponist (1892-1955)

Eigh. Schreiben mit Unterschrift und Adresse, 1 Seite auf Doppelblatt, quer-12, Bleistift auf kariertem Papier, ohne Ort und Datum. "Sehr geehrter Herr Professor / Es tut mir sehr leid Sie nicht zu treffen, ich muss heute wieder nach Paris fahren. Mit bestem Gruss und herzlichem Dank im voraus für die David Aufführung A. Honegger ...".

Honegger schrieb 1921 auf Bitte von René Morax zunächst eine Instrumentalmusik zu dessen Drama "Le roi David", die auf die Aufführungsmöglichkeiten im Théâtre du Jorat von Mézières (bei Lausanne) zugeschnitten waren; zwei Jahre später arbeitete er das Werk zu einem "symphonischen Psalm" für Orchester, Solisten und Chor um. Es wurde zum größten Erfolg des Schweizer Komponisten und konnte sich bis heute behaupten. Continue reading

Order no. 1903-23
€ 300,-


Hormayr, Joseph von, Historiker und Staatsmann (1782-1848)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1/2 Seite auf Doppelblatt, gr-8, ohne Ort (wohl Wien), "Samstags" (um 1825?). - An Franz Ziska (Tschischka), "Adjunkten des Archivs beim löbl: Wiener Stadtmagistrat." "Mit wahrem Leidwesen muß ich Eurer Wohlgeborn zur Verhütung jedes Zeitverlustes bemerken, daß ich erst nach 10 Uhr die Ehre haben kann Morgen als Sontags den Ausflug mit Ihnen nach Schönbrunn und im Hereinwege zu Petter und Reinhold zu machen, wenn wir anders, die beyden trefflichen Künstler finden werden. - Sollten Sie um zehn Uhr verhindert sein, so bitte ich nur um einen Wink. Tout à Vous Hormayr". - Adressblatt mit rotem Lacksiegel und zwei Siegelspuren (auf Textblatt durchschlagend, zwei Ausrisse).

Franz Tschischka (1786-1855; so die Namensform seit spätestens 1832) trat 1804 in den Kanzleidienst der Stadt Wien ein und wurde 1828 Direktor des Wiener Stadtarchivs. Er erwarb sich große Verdienste um die Herausgabe österreichischer Volkslieder und Märchen und veröffentlichte mehrere Arbeiten zur österreichischen Landeskunde. Franz Xaver Petter (1791-1866) und Friedrich Philipp Reinhold (1779-1840) waren als Porträt- und Landschaftsmaler in Wien tätig. Continue reading

Order no. 1909-38
€ 370,-


Humboldt, Alexander von, Naturforscher und Geograph (1769-1859)

Eigh. Brief mit Unterschrift "Alex. de Humboldt", 2 Seiten (halbseitig beschrieben), kl-4, Paris, 2. 12. 1823. - (An den Herzog Anne-Adrien-Pierre de Montmorency-Laval, den französischen Gesandten in Rom.) Empfehlungsschreiben für den nach Italien reisenden jungen Herzog von Montebello. "Monsieur le Duc, La bienveillante amitié dont Vous m'avez donné tant de preuves aimables a Paris comme à Rome m'engage a prier le jeune Duc de Montebello qui part pour l'Italie, de Vous porter ces lignes et de Vous renouveller l'hommage de mon devouement affectueuse. Pour bien de l'Orinoque je n'oserai donner une recommendation à l'Ambassadeur de France, mais comme cet Ambassadeur, malgré mes herésies, a beaucoup d'indulgence pour moi, je Le supplie d'acceullir le Duc de Montebello comme une personne qui m'a été chère depuis sa première jeunesse et qui est douée des plus belles et des plus solides qualités morales; ses connaissances, fruit d'une excellente education lui ont ouverts les portes de l'Ecole polytechnique, enceinte dans laquelle on n'est pas recu par la faveur. Je sais que ces lignes ne lui seront pas inutiles pour l'agrement de son sejour à Rome ...".

Humboldt hatte im Zuge seiner großen Amerikareise (1799-1804) zusammen mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland das Gebiet und die hydrologischen Eigentümlichkeiten des Orinoco, des zweitgrößten Flusses Südamerikas, eingehend erforscht. Die monumentale wissenschaftliche Publikation über die Reise konnte nur in Frankreich realisiert werden, zog sich über einen langen Zeitraum hin (30 Bände, Paris 1805-1834) und blieb unvollendet; 1825 erschien als Bd. XX dieses Werks der dritte und letzte Teil der "Relation historique du Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent". Montmorency-Laval wurde 1823 nach Rom entsandt und spielte hier im Tauziehen um die Nachfolge von Papst Pius VII. eine wichtige Rolle. 1828 wurde er als Botschafter nach Wien berufen, fühlte sich aber aus Altersgründen der Rolle nicht mehr gewachsen. Continue reading

Order no. 1708-40
€ 950,-


Kabalewski (Kabalevsky), Dmitri B., Komponist (1904-1987)

Eigh. Notenzeile (4 Takte) mit kurzer Widmung in russ. Sprache und Unterschrift (kyrillisch) auf Karton in Postkartengröße, Moskau, 14. 5. [19]72.

Zitat aus der Ouvertüre zu seiner 1937 entstandenen und 1968 überarbeiteten Oper "Cola(s) Breugnon" (op.24). Mit eigh. Briefkuvert (dieses mit Sammlervermerken). Continue reading

Order no. 1510-43
€ 650,-


Kagel, Mauricio, Komponist (1931-2008)

Billet 16 x 9 cm mit aufgezogenem kleinem Zeitungsporträt und eigh. Namenszug, ohne Ort und Datum (um 1975).

Der vielseitige argentinisch-deutsche Komponist, Dirigent, Librettist und Regisseur leistete mit seinen unkonventionellen Werken einen wichtigen Beitrag zur Musikästhetik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Continue reading

Order no. 1909-46
€ 40,-


(Karl I.) - Zeska, Karl von

Eigenhändiges signiertes Huldigungsgedicht des österreichischen Schauspielers und Autors Carl von Zeska (1862-1938) auf den letzten österreichischen Kaiser, 1 Seite (Karton), quer-kl-8, Mai 1917. - "Du junger Kaiser - fest wie Erz / Führst Du Dein Heer mit starker Hand. / Dir Kaiser Karl gehört das Herz / Vom dankerfüllten Vaterland. / Und küsst Du Deinen holden Knaben / Mit seiner blonden Lockenpracht, / Sag Ihm wie lieb ihn alle haben, / Dass Oesterreich-Ungarn für ihn wacht." - Leicht gebräunt, Rückseite etwas fleckig.

Mit dem "holden Knaben" ist Karls ältester, damals fünfjähriger Sohn Otto gemeint. - Beiliegend eine unsignierte Porträtpostkarte Zeskas in Husaren-Uniform. Continue reading

Order no. 2001-42
€ 100,-


Karl VI., römisch-deutscher Kaiser (1685-1740)

Dokument als designierter Gegenkönig von Spanien (Carlos III.) mit Unterschrift ("yo el Rey"), 5 1/2 pp, in-4, Barcelona, 26. 12. 1709. Verhandlungsvollmacht für Graf Sormani im Spanischen Erbfolgekrieg. Karl dankt "seiner lieben Schwester", der Königin von Großbritannien (Anne, 1665-1714, letzte Herrscherin des Hauses Stuart) für ihre tatkräftige Unterstützung bei seinem Kampf um den spanischen Thron und bietet ihr die Insel Menorca zum Kauf an. "... Desseando manifestar âla Ser[enissi]ma S[eñor]a Reyna dela Gran Bretaña, nu muy cara Hermana, lavertadera yndinazion que medeve la Generosidad conque enesta Guerra meha âsis[te]ndo, Expendiendo considerables sumas, conderramamiento de mucha sangre para Collocar mi Persona enel Trono de España, y livertar asies Pueblos dela dura Servidumbre que les ôprime, âloque, y hasta dexarlo muy gloriosamente concluhido Espero sera ygual su Cariñoso desvelo, y por consequenzia contribuhir de mi parte como âprincipal ôbligarion delos Reyes quanto puedo âfazilitar y disponer amis subditos & vassallos las felicidades que resultan dequedar Libres dela ôpression y vaxo el Susto dominio desu Señor natural; Y hauiendo la Ser[enissi]ma S[eñor]a Reyna dela G[ran] B[retaña] por medio de su Ministro y Embiado Ex[celentís]i[m]o, Don Diego Stanhope instado que por Seguridad delas Sumas Expendidas enesta Guerra seconceda la Islá de Menorca con sus dependenzias con el goce dela Soberania, hasta la liquidazion, paga, y satisfaccion, delas Cantidades prestadas; Portanto atendiendo âla calidad, prudenzia, yntelig[enci]a, Experiençia, Celo de mi seruiçio y del mayor vien demis vassallos, que concurren en Vos el Conde Sormani, y por la satisfaccion que haveis dado delas dependenzias que an estado â v[est]ro cargo, confiando que atendereis almayor vien de mis intereses, y de mis vasallos, ... nombro por la Presente por mi Plenipotenciario, yos doy Entero âbsoluto poder de conferir y tratar con mi muy Chara y muy Amada hermana la Reyna dela Gran Bretaña, sobre la venta condominio revocable dela Isla de Menorca, y sus dependenzias, ... Capitular, Establecer, Concluhîr, y firmar, los Tratados ô Escripturas ... necessarias ... y para firmeza detodo la sobredicho, mandé despachar la presente firmada de mi mano, sellada con mi Sello Secreto ...". Eine Gegenzeichnung, kleines gedecktes Siegel, Registraturvermerke; eine Ecke durchgehend, oberer Rand auf der ersten Seite etwas fleckig.

Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage spielte die Insel Menorca im Spanischen Erbfolgekrieg eine nicht unbedeutende Rolle. Der in dem Schreiben erwähnte General James Stanhope (1673-1721), der bereits seit mehreren Jahren in Spanien für die Allierten gekämpft hatte, hatte im September 1708 mit 2.600 Mann brit. und holländ. Truppen die Insel erobert und eine englische Garnison dort zurückgelassen: "England ought never to part with this island, which will give the law to the Mediterranean both in time of war and peace" (zitiert nach Dict. Nat. Biogr. 18, 902). Ein Jahr später führte er Karl nach Madrid, das die Verbündeten bereits zweimal eingenommen und wieder verloren hatten. Karls Plan, Menorca den Briten abzutreten, wurde in anderer Form als beabsichtigt realisiert: in dem 1713 ohne sein Zutun abgeschlossenen Vertrag von Utrecht wurde die Insel Königin Anne von Großbritannien zugesprochen. 1783 trat England Menorca wieder an Spanien ab, hielt es aber 1798-1802 noch einmal besetzt. Continue reading

Order no. 2105-40
€ 3000,-


Kastler, Alfred, Physiker und Nobelpreisträger (1902-1984)

Eigh. Manuskript in französischer Sprache mit Namenszug am Kopf und Unterschrift, 6 Seiten, kl-4, ohne Ort und Datum (1970). Vollständiges Vorwort für die französische Ausgabe von "Atomic Physics" von Max Born. "Max Born vient de mourir à l'age de 88 ans. Il a apporté au développement de la Physique moderne et notamment à l'élaboration des concepts de la mécanique quantique une contribution personelle décisive. ..." - Mit Korrekturen; einzelne Zusätze von fremder Hand. Beiliegend eigenhändiges Briefkuvert mit Poststempel 8. 5. 1970.

Der aus dem Elsass stammende französische Physiker entwickelte die Methode des "optischen Pumpens" für Präzisionsmessungen der magnetischen Wechselwirkungen zwischen Elektronen und Atomkern und schuf die Grundlagen der Laser- und Masertechnik; den Nobelpreis erhielt er 1966. Max Born verstarb am 5. 1. 1970. Continue reading

Order no. 1803-45
€ 360,-


Kernstock, Ottokar, Schriftsteller (1848-1928)

Zwei eigenhändige Gedichte ohne Unterschrift, 1 1/4 Seiten und 1/2 Seite auf Doppelblatt, gr-8, ohne Ort und Datum. - 1. "Frau Charitas", 7 Strophen zu 4 Zeilen: "Was wird das neue Jahr uns bringen? / Was jedes bringt ohn' Unterlass: / Um Sieg und Herrschaft werden ringen / Das Elend und Frau Charitas. // Krieg führen wird mit gift'gen Pfeilen / Der Klassenhass, der Rassenhass, und furchtlos wird die Wunden heilen / Der wilden Schlacht, Frau Charitas ... ". Eine Zeile korrigiert. - 2. Ohne Titel, 2 Strophen zu 4 Zeilen: "Verholn in waldiger Wildnis ragt / Ein Schloss mit Turm und Wall. / Dort lockt und jauchzt und schluchzt und klagt / Eine einsame Nachtigall. // Sie singt ohn' Kunst und fragt nicht viel / Um Lob und Lohn der Welt. / Sie singt nicht, weil sie gefallen will, / Sie singt, weil's ihr gefällt." Fleckig und knittrig, kleine Faltenrisse. - Beiliegend eine von fremder Hand geschriebene Ansichtskarte mit eigenhändigem Namenszug Kernstocks auf der Bildseite, Festenburg 11. 8. 1928.

Kernstock war Augustiner-Chorherr und zunächst Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ab 1889 Pfarrer von Festenburg in der Oststeiermark. Als steirischer Volksdichter war er für einige Zeit ähnlich populär wie sein Freund Peter Rosegger. Nach 1945 wurde der Schriftsteller zunehmend vergessen; seine oftmals deutschnational-chauvinistisch geprägten Texte führten während der letzten Jahrzehnte zu mehreren Umbenennungen von nach ihm benannten Straßen und Plätzen. Kernstock verfasste unter anderem den Text zur Bundeshymne der Ersten Republik. Continue reading

Order no. 2209-41
€ 220,-


Kipling, Rudyard, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1865-1936)

Eigh. Spruch "Arab Proverb" ohne Unterschrift, 1 Seite auf dünnem, durchscheinendem Papier, quer-8, ohne Ort und Datum. - "He who knows not & knows not he knows not / He is a fool, shun him. / He who knows not and knows he knows not / He is simple, teach him. / He who knows & knows not he knows / He is asleep, wake him. / He who knows and knows he knows / He is a wise man - follow him." - Etwas knittrig und stockfleckig, kleine Rand- und Bugschäden mit Pergamin unterlegt. - Beiliegend ausgeschnittener und aufgezogener eigh. Namenszug "Rudyard Kipling", von fremder Hand datiert 7. 4. 1928.

Provenienz: Maison Charavay, Paris (Katalogausschnitt beiliegend). Continue reading

Order no. 2003-45
€ 650,-


Kirchenlieder

Unbezeichnetes Notenmanuskript mit 11 einstimmig notierten mehrstrophigen katholischen Kirchenliedern, wohl Österreich (Land Salzburg?) um 1800, 17 beschriebene und 9 weiße Seiten, quer-4, Fadenheftung ohne Umschlag. - Zwei Lieder unkomplett durch fehlende Seiten; Alters- und Gebrauchsspuren, ein Blatt lose.

Provenienz: vermutlich aus Mauterndorf (Salzburg). Enthält: Kirchenlied auf den Palmsonntag ("Singt dem König Freudenpsalmen ...") - Kirchenlied auf Ostern ("Das Grab ist leer, der Held erwacht ...") - Lied zum allerhl. Altars-Sakramente ("Deinen reinen Tempel zieren ...") - Lieder zu den IV hl. Evangelien (darunter "O Engel Gottes! eilt hiernieder ...") - Prozessionslied ("Christen! singt mit frohen Herzen ...") - Auf das Fest des hl. Florian Maytyrers[!] ("Wir erscheinen in gedrängten Schaaren ...", unkomplett) - Titel unbekannt (unkomplett) - Auf die heilige Nacht ("Heiligste Nacht, heiligste Nacht! Finsterniß weichet ..."). Das erste Lied findet sich melodiegleich in "Der Heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche" Teil 2, Salzburg 1783; für die übrigen Lieder konnten wir teilweise die Texte, nicht jedoch die Melodien im Druck nachweisen. Continue reading

Order no. 2009-34
€ 950,-


(Kisch, Egon Erwin) - Hartl, Antonín, Journalist, Publizist und Übersetzer (1895-1944)

"Gyula kulturní" (etwa: "Kultur in Gyula"). Eigh. Gedicht in tschechischer Sprache auf den Schriftsteller und Journalist Egon Erwin Kisch (1885-1948), 2 Seiten, in-8, Gyula, 5. 3. 1916. - Ohne Unterschrift, jedoch mit späterer Zuschreibung an Hartl am unteren Rand der Rückseite; Schrift leicht durchschlagend, Gebrauchsspuren.

Hartl und Kisch hielten sich 1916 zusammen in der südungarischen Stadt Gyula auf, wo Kisch als Zensor für die Armee arbeitete, ehe er 1917 auf eigenen Wunsch nach Wien versetzt wurde. Das Gedicht ist ein launiger Toast auf Kisch und spielt auf dessen militärische Laufbahn, seine bisherige journalistische und literarische Tätigkeit in Prag, auf seine Fußballbegeisterung sowie auf seine revolutionäre Gesinnung an. Hartl nennt Kisch einen "Kenner der Prager Straßen und Nächte" und erwähnt unter anderem das deutschsprachige "Prager Tagblatt", Kischs 1914 erschienenen Roman "Der Mädchenhirt" (der im Milieu der Prager Dirnen und Zuhälter spielt) sowie das Prager Nachtcafé "Montmartre". Continue reading

Order no. 1909-50
€ 140,-


Kitzbühel - Maximilian, Erzherzog von Österreich (1558-1618)

Kanzleibrief der Innsbrucker Statthalterei in Innsbruck im Auftrag von "F[ürst]l. D[urch]l[aucht] Erzherzog Maximiliani zu österr. President, Canzler, Regent und Rath o[ber]o[esterr.] Lande", 1 1/2 Seiten, Adressblatt mit 5 kleinen papiergedeckten Siegeln, in-4, Innsbruck, 3. September 1616. - An "Den Ersamen weisen, H[errn] Bürgermaister und Rath der Stat Kitzbihl, vnsern guten Freundten". Über die Bereinigung von Unstimmigkeiten bei der Besteuerung der im Kitzbühler Bergbau und Hüttenwesen tätigen Berufsgruppen; ausdrücklich genannt werden Schmelzer, Gewerken, Stürzer und Bergwerksarbeiter. Mit vier Unterschriften, darunter Lazarus F[rei]h[err] zu Spaur. - Transkription beiliegend.

"... Demnach man nun ein lange zeit herr ... in der Herrschafft Küzpühel ... vil und vberflüßig behelligt worden, auch deßen noch kein End ist, ... damit man aber ... zu rhue khomen mege, Sein wir entschloßen, ein solliche Ab= und außtheillung zu mach[en] ...". Gut erhaltenes, wirtschaftshistorisch interessantes Dekret zu dem bis in die Bronzezeit zurückreichenden Kitzbühler Bergbau auf Silber und Kupfer, der allerdings um 1600 seinen Höhepunkt bereits wieder überschritten hatte. Durch die habsburgischen Haus- und Teilungsverträge von 1379 und 1406 war die Grafschaft Tirol staatsrechtlich mit den vorderösterreichischen Landen verbunden; unter Kaiser Maximilian wurde für diesen Regierungs- und Verwaltungsbereich der Oberbegriff "Oberösterreichische Lande" eingeführt. Maximilian (III.), Bruder der Kaiser Rudolf II. und Mathias, war der erste habsburgische Hoch- und Deutschmeister und seit 1602 Regent in Tirol. Continue reading

Order no. 2102-40
€ 275,-


Kodály, Zoltán, Komponist (1882-1967)

Billet in Postkartengröße mit aufgezogenem kleinem Zeitungsporträt und eigh. Namenszug, ohne Ort und Datum (um 1930).

Der ungarische Komponist, Musikpädagoge und Musikethnologe war einige Zeit musikalischer Mitarbeiter von Béla Bartók. Er sammelte und untersuchte unter anderem über 3500 ungarische Volkslieder. Continue reading

Order no. 2003-47
€ 130,-


Köck, Eduard, Schauspieler und Regisseur (1882-1961)

Porträtfoto (16 x 12 cm) mit eigenhändiger rückseitiger Widmung "Innig und liebreichst / Onkel Edi / Innsbruck, im Juli 1949". - Geringfügig gewellt, Rückseite etwas fleckig. Beiliegend einige Zeitungsausschnitte.

Aufnahme Foto Winkler, Wien. - Der Tiroler Eduard Köck wurde 1902 Mitbegründer der Innsbrucker Exlbühne und war bis zu deren Auflösung (1956) ihr Oberspielleiter. Als Schauspieler wurde er vor allem in Heimatfilmen populär. Continue reading

Order no. 2209-43
€ 55,-


Kokoschka, Oskar, Maler (1886-1980)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf 2 Blättern, in-8, Villeneuve (Briefkopf), 4. 6. 1963, mit eigh. Kuvert. - Schöner freundschaftlicher Brief an den Verleger Ludwig Goldscheider in London. "Mein lieber Herr Dr. Ludwig / Ich hätte Sie schon viel früher als wohlmeinenden Begleiter meiner Lehr- und Wanderjahre zur Seite gebraucht und hoffe mir noch recht lange nicht nur Ihr Zutrauen sondern, noch mehr, auch Ihre Erwartung erhalten zu können. Vielleicht wird doch noch etwas aus mir, werde ich nur alt genug und das Paar Augen bleibt gesund und besonders der Sinn dahinter, der eigentlich der Schauende ist während einer so in die Welt gafft. Wir haben soeben Ihr Buch gelesen und freuen uns sehr auf das Erscheinen. Man merkt recht deutlich darin Ihre Zuneigung zum Maler aber vor allem Ihr starkes Verhältnis zu meinem Werk, so stärkt mich dieses auch weiterhin für hoffnungsvolle Pläne, mein Werk wirkt für mich bei Ihnen und giebt mir so etwas von der Energie zurück, die ich daran verschwendete. Ich habe sogar Mut den Comenius wieder durchzusehen weil Ihnen so daran liegt. Bitte machen Sie sich keine Sorgen wegen Ihrer Gesundheit, leben Sie einfach gerne in dieser besten aller Welten so lange noch etwas grünt trotz der technischen Zivilisation, die, dank Pillen, Injektionen und Röntgenstrahlen bis hinein in unser Gewebe vordringt. Der hinter dem Augenpaar aber schaut, kann davon nicht bewegt werden. / Lieber Freund ich danke Ihnen für dieses Buch auf das Wärmste und noch [!] noch für das weitere mit den Aufsätzen! Bleiben Sie so wie Sie sind, weder gesünder noch kränker, es ist schon Alles gut zu ertragen mit ein wenig Weisheit. Liebevoll Ihr OKokoschka". - Auf bläulichem Luftpostpapier mit gedrucktem Briefkopf.

Der österreichische Kunsthistoriker Dr. Ludwig Goldscheider (1896-1973) war Mitbegründer des Phaidon-Kunstverlags. 1938 nach London emigriert, führte er den Verlag dort weiter und veröffentlichte 1963 in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine Monographie über Kokoschka, die mehrere Auflagen und Übersetzungen erlebte. Als "entarteter Künstler" war Kokoschka 1934 nach Prag emigriert, wo er auch seine spätere Frau Olda kennenlernte und die tschechische Staatsbürgerschaft erhielt; 1938 flüchtete er weiter nach England. Kokoschka war auch schriftstellerisch tätig; sein Drama "Comenius" über den bedeutenden tschechischen Philosophen und Theologen Jan Amos Komenský (1592-1670) wurde 1936-1938 begonnen und 1972 fertiggestellt. Continue reading

Order no. 2209-45
€ 2000,-


Koschat, Thomas, Komponist (1845-1914)

Korrespondenzkarte mit Porträts und bildseitigen Bleistiftunterschriften aller Mitglieder des Koschat-Quintetts (Thomas Koschat, Rudolf Traxler, Walter Fournes, Clemens Fochler, Hans Neubauer und Georg Haan), ohne Ort und Jahr (um 1900). Dazu 3 bildseitig beschriebene eigenhändige Ansichtskarten (u. a. Gruppenfoto des Klagenfurter Männergesangvereins "Frohsinn") mit Unterschrift "Thomas", Poststempel Heilbronn 14. 8. 1902, Wien 2. 3. 1903 und Leipzig 3. 7. 1903; Kurzmitteilungen an seine Schwester Katharina Kopeinig in Viktring, zumeist von Konzertauftritten. "... Das gestrige Concert ist grossartig ausgefallen. Über 3000 Menschen waren da. - Ich erhielt Lorbeerkränze ..." / "... Gestern beim Concert waren 1400 Menschen. Das war glänzend ...".

In Viktring bei Klagenfurt geboren und in Wien als Sänger und Chorleiter tätig, machte Koschat das Kärntner Lied weit über seine Heimat hinaus bekannt und populär. Mit seinem aus Mitgliedern der Wiener Hofoper bestehenden Koschat-Quintett unternahm er erfolgreiche Touren durch Europa und Amerika. Continue reading

Order no. 2202-52
€ 260,-


Kubin, Alfred, Graphiker (1877-1959)

Eigenhänd. Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Zwickledt, 26. 3. 1940, mit eigenhändigem Kuvert (dieses nicht postalisch gelaufen). An Otto Walchshofer in Berlin. "Sehr geehrter Herr Walchshofer / Anbei die 8 sich hier noch befindlichen Rauhnachtblätter / Die Szenen würde ich Ihnen per Aquarell entgegenkommend mit RM 70, (die Figurine Nonne, 40 RM - berechnen. Ich bin neugierig welches Stück Sie wählen! Falls es an die Wand kommt, unter Glas in Leiste, so kommen natürlich diese Schutzpassepartouts fort und müssen durch ein besseres ersetzt werden - oder gar keines wodurch das Bild kleiner, weil geringer Rand dann ist - wirkt. Wie letzthin gebeten muß ich nochmals um baldigste Rücksendung nach Ihrer Wahl ersuchen - mit freundlichen Grüßen - auch an R[ichard] B[illinger] - Ihr erg[e]b[ener] Kubin".

Kubin schuf die 13 Originale zu "Rauhnacht" 1924 und veröffentlichte sie im folgenden Jahr als Lithographien; er entwarf auch das Bühnenbild für das Drama "Rauhnacht" des österreichischen Schriftstellers Richard Billingers (Uraufführung 1931). Der Briefempfänger Otto Walchshofer war Sekretär und Lebensgefährte Billingers. Continue reading

Order no. 1902-38
€ 340,-


Lagerlöf, Selma, Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin (1858-1940)

Eigenhändige Briefkarte (Büttenrand) mit Unterschrift, 2 Seiten, quer-12, Stockholm, 29. 11. 1936. - "Fräulein Annette Ruprecht! Sie haben natürlicherweise ganz recht, daß hier ein Problem vorliegt dem der Völkerbund abhelfen sollte. Aber ich bin die nicht, die die Sache der Versammlung vorlegen kann. Ich bin alt, sehr kränklich und von meinem Arzte zufolge eines Herzleidens jede Teilnahme an politischen Diskussionen verboten. Mein Rat ist, daß Sie sich an einen wirklichen Staatsmann wenden, der mit Klugheit und Kraft eine Änderung der Verhältnisse hervorbringen könnte ...". - Schwache Knickspur am Seitenrand.

1909 erhielt Selma Lagerlöf als erste Frau den Literaturnobelpreis. Die populäre schwedische Schriftstellerin war vielfältig sozial und politisch engagiert. 1929 gehörte sie dem Ehrenkomitee eines Kongresses der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit an, der mit dem Völkerbund in Verbindung stand; 1933 beteiligte sie sich an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland. Sie setzte sich entschieden für Frauenrechte ein und unterstützte Bedürftige, wo sie konnte. Continue reading

Order no. 2202-55
€ 400,-


Landgrebe, Erich, Schriftsteller und Maler (1908-1979)

Eigh. humoristische Zeichnung (Feder und Buntstift) mit Widmung und Unterschrift, kl-4, August 1976. - Faltspuren.

Selbstkarikatur als Trinker. Continue reading

Order no. 1609-58
€ 85,-


Lanner, Joseph, Komponist (1801-1843)

Schriftstück von der Hand seines Verlegers Tobias Haslinger mit eigh. Unterschrift Lanners, 1 Seite auf Stempelpapier mit handgezogenen leeren Notenlinien, in-folio (Doppelblatt), Wien, 25. 11. 1840. - "Erklärung und Quittung. Daß ich das von mir componirte Werk unter dem Titel: Die nächtlichen Wanderer. Walzer 171tes Werk, in Partitur für Orchester und in allen Arrangirungen fürs Pianoforte und für andere Instrumente, der k. k. Hof- und priv. Kunst- und Musikalienhandlung des Herrn Tobias Haslinger in Wien, als ein ausschließliches rechtmässiges Verlags-Eigenthum und zwar für alle Länder ohne Ausnahme und für immerwährende Zeiten zum Stich und Druck verkauft und überlassen habe, so wie auch daß ich das dafür festgesetzte Honorar ... F 200,- C: M: sage zweihundert Gulden in Conv: Münze richtig bar empfangen habe, bestätige ich indem ich diese Erklärung und Quittung zur Sicherstellung des Eigenthumsrechtes ausgestellt und eigenhändig unterschrieben habe ...". Rückseitig Registraturvermerk Haslingers: "Lanner, Die nächtlichen Wanderer. Walzer. 171.tes Werk." - Kleiner Faltenriss.

Lanner war der langjährige Freund und musikalische Konkurrent von Johann Strauß (Vater) und trug gemeinsam mit diesem entscheidend zum Siegeszug des Wiener Walzers bei. Tobias Haslinger (1787-1842) führte seinen Musikverlag zu internationaler Bedeutung und verlegte unter anderem Werke von Mozart, Beethoven (der ihm einen Scherzkanon widmete), Schubert, Weber, Czerny und Clementi sowie das Gesamtwerk von Johann Strauß (Vater); er war auch als Komponist tätig. Sein Sohn Carl führte den Betrieb erfolgreich weiter und verlegte die Werke von Johann Strauß (Sohn) und dessen Bruder Josef. Continue reading

Order no. 1708-50
€ 950,-


Laske, Oskar, Maler und Graphiker (1874-1951)

Eigenhändige Briefkarte mit Paraphe, Wien, 12. 6. 1911. - An seine Schülerin Ilse Toldt. "Liebes Fräulein, ich habe Ihre nächste Stunde nicht notirt; für den Fall, [daß] sie Vormittag bei Ihnen eingezeichnet wäre, bitte ich sie auf morgen Nachmittag 4 Uhr zu verlegen; ich brauche den Morgen für's Theater. Herzlich grüßt O. L."

Laske studierte in Wien Architektur (unter anderem bei Otto Wagner), arbeitete aber ab 1904 hauptsächlich als Maler und Graphiker und war auch für Theater und Oper tätig. 1911 schuf er Bühnenbildentwürfe für Rossinis Oper "Armida". Laske war Mitglied des Hagenbundes, der Secession und des Künstlerhauses. Continue reading

Order no. 2209-49
€ 120,-


[Legwarth, Franz]

"Im Heiratsamt. Posse mit Gesang in drei Aufzügen." Vermutlich eigenhändiges Bühnenmanuskript (ohne Autorenangabe), wohl um 1900, in-4, 67 einseitig in sauberer Kurrentschrift beschriebene paginierte Blätter, in zeitgenössischem Halbleinenband mit Deckeletikett. - Einband mit stärkeren Gebrauchsspuren, teilweise kleine Eckmängel, gelegentlich etwas fleckig, insgesamt gut erhalten. Mit roter Tinte unterstrichene Regieanweisungen, einzelne spätere Bleistiftkorrekturen. Eine Skizze am Beginn jedes Aufzugs zeigt die Bühneneinrichtung bzw. die Aufstellung der Schauspieler.

Lustspiel in österreichischem Lokalkolorit. Der Autor, dessen biographische Daten wir nicht ermitteln konnten, verfasste ab etwa 1880 Gebrauchsliteratur wie Gedichte für Ansichtskarten u. dgl. und steuerte zu Illustrationswerken von Fritz Schönpflug und Anton Strassgschwandtner heitere Texte bei. Sein Buch "Der Grazer Spaziergänger", eine Sammlung humoristischer Gedichte über Graz, erschien 1887 bereits in 3. Auflage. Das vorliegende Volksstück wurde 1924 von der Innsbrucker Exl-Bühne für ein Gastspiel im Wiener Raimundtheater erworben. - Für die Identifizierung des Autors danken wir Frau Dr. Waltraud Winkelbauer. Continue reading

Order no. 2202-91
€ 160,-


Lehár, Franz, Komponist (1870-1948)

Brauntonige Fotoporträt-Postkarte mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift auf der Bildseite, ohne Ort und Datum (um 1935). - Rückseitig Montagespuren.

"Frau Lore Löwy allerherzlichst zur Erinnerung! ..." Der Komponist mit einer Partitur am Schreibtisch (Aufnahme Ing. F. Mayer). Continue reading

Order no. 2105-45
€ 130,-


Lenau, Nikolaus (d. i. Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau), Schriftsteller (1802-1850)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-8, ohne Ort (Stuttgart), 26. 7. 1834. - An seinen Verleger Johann Georg Freiherr Cotta von Cottendorf (1796-1863). "Verehrtester Herr und Freund! Ich bin sehr erfreut über den Eifer, mit welchem Sie sich meiner faustischen Angelegenheit annehmen. Heute Abend 8 Uhr werde ich zuverlässig mit meinem Manuscripte mich bei Ihnen einfinden. Wollen Sie gütigst Herrn Zellner auf diese Stunde zu sich bestellen, so kann die Sache bald eingeleitet sein. Indem ich Ihnen für Ihre gütige Bemühung danke / mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster v. Niembsch". - Unregelmäßig beschnitten, leichte Knickspuren, links unten kleiner Empfängervermerk. - Beiliegend ein Stahlstichporträt aus Carl Mayer's Kunstanstalt, Nürnberg um 1850, 12 x 9 cm.

Provenienz: Sammlung Max Warburg; nicht in der historisch-kritischen Gesamtausgabe. - Lenau hatte 1832 seinen ersten Gedichtband im Stuttgarter Verlag Cotta publiziert. Von einem Aufenthalt in Nordamerika enttäuscht, war er 1833 nach Europa zurückgekehrt, lebte nun abwechselnd in Stuttgart und Wien und arbeitete an seinem dramatischen Gedicht "Faust". Im Frühjahr 1834 arrangierte er sich mit Cotta wegen der zweiten Auflage seiner Gedichte und las in dessen Haus erstmals einer illlustren Gesellschaft eine Szene aus dem "Faust" vor, womit er großen Eindruck machte. Gedruckt erschien ein erstes Bruchstück der Dichtung 1835 in dem von Lenau hrsg. "Frühlingsalmanach"; 1836 brachte Cotta schließlich das fertige Werk heraus. Continue reading

Order no. 2005-27
€ 2400,-


Leopold I., römisch-deutscher Kaiser (1640-1705)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 2/3 Seite auf Doppelblatt, in-4, Augsburg, 1. 2. 1690. Mit eigh. Adressblatt. - Schwer lesbares Schreiben an seinen Schwiegersohn Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern betreffend einen Stallmeister, unterzeichnet als "Dienstwillig[er] Vetter Leopold". - Mehrfach gefaltet und etwas fleckig, Adressblatt angeschmutzt und mit Siegelspur.

Der Fürstabt von Fulda, Placidus von Droste, hatte Leopolds dritte Gemahlin Leonore am 19. 1. 1690 in Augsburg zur Kaiserin gekrönt. Der gemeinsame zwölfjährige Sohn Joseph (der spätere Kaiser Joseph I.) war am 24. 1. 1690 beim Kurfürstentag in Augsburg zum römischen König gewählt und zwei Tage später ebenfalls hier gekrönt worden. Leopold hatte diese Maßnahmen ohne Mühe durchgesetzt und dokumentierte damit seine gefestigte Stellung im Reich. Continue reading

Order no. 1906-24
€ 1200,-


Leopold I., römisch-deutscher Kaiser (1640-1705)

Gedrucktes Patent betreffend heimliche Kuppeleien, Winkel-Versprechen und unzulässige Ehe-Beredungen mit eigenhändiger Unterschrift (Goldstaub) und papiergedecktem Siegel, 1 Seite, quer-folio, Wien, 7. 9. 1703. Mit Gegenzeichnung des Hofkanzlers Graf Julius Friedrich Bucellini und einer weiteren Unterschrift. - Kleine Bug- und Randmängel.

Erneuerung der Patente von Kaiser Ferdinand I. (24. 8. 1550) und Kaiser Matthias (20. 2. 1614), da "diese löblichen Satz- und Ordnungen gäntzlich ausser Acht gelassen: und in Vergessenheit kommen, mithin die Ubertretter ungestrafft geblieben; Also beginnen leider! anjetzo, wie es die tägliche Erfahrenheit gibt, diese boßhaffte dem gemeinen Weesen sehr schädliche Kupplereyen und Verführungen deren noch minder-Jährigen Kinder, mehr, als jemahls, und fast ohne Scheu in Schwung zu gehen, und also zuzunehmen, daß sowohl hoch- als niederer Stands-Persohnen Kinder, so noch unter ihrer Eltern ... Gewalt und Auffsehen seynd, ... sich verheyrathen und verkupplen zu lassen. Wann nun dergestalten solche noch minder-Jährige Kinder, bevorab die Töchter, auß weiblicher Blödigkeit leichtlich verführet: hierdurch aber ehrliche Eltern und ansehentliche Geschlechter öfters ... in grosses Hertzenleyd und Trübsal, auch Verkleiner- und Verachtung gerathen ... Als haben Wir ... Unserer höchstgeehrten Vorfahren außgangene löbliche Statuta und Satzungen, bey gegenwärtig Unsern verderbten Zeiten, zu männigliches Wissen und Wahrnung, erneuern und erfrischen zu lassen ... So ordnen und wollen Wir, daß ein solcher, so ein Jungfrau dermassen arglistig- und boßhaffter Weiß zu der Ehe, oder Schmach auffredet, oder sonst zu dergleichen Kupplerey, Schmach oder Winckel-Versprechen Anlaß, Hülff und Vorschub leistet, zu gebührlicher Straff für Recht gestellt ...". Für Eltern sieht das Patent das Recht zur Verweigerung der Mitgift bzw. zur Enterbung von Kindern vor, welche sich vor ihrer Volljährigkeit (Männer vor dem 22., Frauen vor dem 20. Lebensjahr) "ausserhalb Vatter und Mutter ... Vorwissen und Einwilligung in Heyrath einlassen ...". Continue reading

Order no. 2205-42
€ 480,-


Lesseps, Ferdinand Vicomte de, Diplomat und Unternehmer (1805-1894)

"Un Souvenir". Vollständiges eigenhändiges Manuskript mit Unterschrift "C[om]te de Lesseps", 1 1/2 Seiten, kl-4, Paris, Juni 1891. - Bericht über die Begnadigung eines aufständischen Generals durch seinen Freund, den Ministerpräsidenten Ramón María Narváez, während seiner Tätigkeit als französischer Botschafter in Madrid zur Zeit der Revolution von 1848. "Au début de la révolution de 1848, je fus chargé par Mr. de Lamartine de l'ambassade de France à Madrid et j'y arrivé au moment où une insurrection venait d'être réprimée ... ". Mit eigh. Korrekturen. - Kleine Mängel fachgerecht restauriert.

Angeregt durch seine mehrmalige Tätigkeit als Diplomat in Nordafrika, beschäftigte sich Lesseps ab 1832 eingehend mit dem Projekt einer Wasserstraße zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer. 1858 gründete er die Suezkanal-Gesellschaft, 1869 konnte er nach Überwindung vieler technischer, finanzieller und diplomatischer Schwierigkeiten die Eröffnung des Kanals feiern. Zehn Jahre später begann er mit dem Projekt des Panamakanals, scheiterte jedoch; dieser Kanal wurde später von den USA fertiggestellt. Continue reading

Order no. 2109-42
€ 350,-


Lumière, Auguste, Erfinder (1862-1954)

Eigenhändiges Schriftstück mit Unterschrift "Lumière", 1 Seite, kl-8, ohne Ort und Datum (wohl um 1925). - Text über Kolloide. "Les tissus et les humeurs des êtres vivants sont constitués par les colloïdes, en grande partie tout au moins; il faut donc que les propriétés de ces colloïdes interviennent dans les phénomènes de la vie. Or, la destruction de l'état colloïdal, c'est à dire la floculation, doit nécessairement conduire à des troubles pathologiques et à la mort. Le grand principe qui dominera la biologie parait donc bien être celui que nous avons formulé de la façon suivante: L'état colloïdal conditionne la vie, la floculation détermine la maladie et la mort / Lumière". - Unregelmäßiger Rand, rückseitig Montagespuren.

Auguste Lumière entwickelte zusammen mit seinem Bruder Louis den ersten brauchbaren Kinematographen und war maßgeblich an den Fortschritten der Fototechnik beteiligt. Sein eigentliches Interesse galt aber der biomedizinischen Forschung, der er sich in seinen "Laboratoires Lumière" widmete. Er veröffentlichte mehrere Arbeiten über Kolloide, darunter "La vie, la maladie et la mort: Phénomènes colloïdaux" (1928) und war korrespondierendes Mitglied der Sektion Medizin und Chirurgie in der Académie des sciences. Continue reading

Order no. 2007-26
€ 750,-


Mässenhausen (Vorname und Lebensdaten unbekannt)

Elfzeiliges Gedicht "Meiner Freundin Fr: Amalie Gaader" mit Unterschrift "Freund Mässenhausen", 1 Seite, quer-16, ohne Ort und Datum (wohl um 1830). - "Ihr Leben sey, ich wünsch es Ihnen / So glücklich wie sie es verdienen. / Voll Melodie für Herz, und Sinnen / An Freuden Harmonien reich / Dem herrlichsten Concerte gleich! / Nie laße sich um ihre Ruh zu stören / Des Schmerzes Dissonanze hören / Es sey Ihr Übergang, ins frohe Schattenreich / Wenn einst in jener fernen Nacht, / Freund Hain die große Pause macht, / Der sanftesten Cadance gleich." - Auf braunem Papier mit gezeichneter schlichter farbiger Umrahmung.

Das literarisch wie ortographisch anspruchslose Gedicht stammt vermutlich aus dem süddeutschen Raum und war sicherlich für eine Stammbuch-Kassette bestimmt. Continue reading

Order no. 2205-47
€ 50,-


Mailer, Norman, Schriftsteller (1923-2007)

Farbiges Fotoporträt mit eigh. Namenszug auf der Bildseite, 25 x 20 cm.

Wohl um 1990. Continue reading

Order no. 1609-69
€ 130,-


Maizière, Lothar de, Politiker (geb. 1940)

Farbiges Porträtfoto 16 x 11,5 cm mit eigh. Unterschrift "de Maizière" im weißen Unterrand, um 1990. - Montiert in Leinenmappe mit Kordelbindung und goldgeprägtem Staatswappen der DDR; das Foto mit kleinen Randunebenheiten.

Der Rechtsanwalt Lothar de Maizière trat im November 1989 als Minister in die DDR-Regierung ein, wurde im April des folgenden Jahres zum Ministerpräsidenten gewählt und war ab August 1990 auch Außenminister. Nach der Wiedervereinigung blieb er bis zum Dezember 1990 Bundesminister für besondere Aufgaben. Continue reading

Order no. 1803-60
€ 175,-


Makart, Hans, Maler (1840-1884)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 3 Seiten, kl-4, Wien, 21. 7. 1874. An eine Dame. "Geehrte gnädige Frau, Sie haben mir durch die Übersendung der schönen Photographie eine unendliche Freude bereitet und ich hätte schon längst dafür gedankt, aber ich wollte zugleich eine Photographie des Ateliers mitübersenden deren Anfertigung jedoch einige Zeit erforderte. Ich bitte Sie nun beides entgegen nehmen zu wollen in der freudigen Erwartung, mein Atelier durch Ihre Gegenwart bald verherrlicht zu sehen und mir dann Gelegenheit zu geben meine künstlerischen Bestrebungen durch die Erlaubniß, Ihr mir unvergeßliches Bild auch der Zukunft zu erhalten, zu fördern, in welch freudiger Erwartung ich verbleibe Ihr Sie innigst verehrender Hans Makart." - Mit gedrucktem Monogramm KM (oder MK). Etwas fleckig (die letzte leere Seite stärker).

Briefe Makarts, der als maßgeblicher Repräsentant des österreichischen Historismus und der Wiener Gründerzeit gilt, sind selten. Continue reading

Order no. 2001-53
€ 650,-


Maleta, Alfred, Politiker (1906-1990)

Maschinschriftlicher Brief mit gedrucktem Kopf und eigenhändiger Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Wien, 14. 2. 1955, mit Kuvert. - An Dr. Arnold Sucher. Intervention für den Propagandareferenten Eugen Zink, " ... der seit sieben Jahren zu den treuesten und agilsten Parteimitarbeitern gehört und dessen Beschwerde gegen seine Einstufung als Belasteter am 1. 3. 1955 vor die Beschwerdekommission im Bundesministerium für Inneres kommt. Du kannst Dir daher sicher denken, dass wir Interesse an dem Falle haben und Herrn Zink gerne behilflich sein möchten. Ich bitte dich, dieses Schreiben lediglich als vertrauliche Information über die Person unseres Mitarbeiters ... zu werten ... ". - Auf der Rückseite des Kuverts Empfängernotizen (teilweise stenographiert) mit Nennung mehrerer Namen.

Der Jurist und spätere Unternehmer Alfred Maleta war in der Zwischenkriegszeit sowohl in der Arbeitnehmervertretung als auch in der Vaterländischen Front tätig; von 1938 bis 1941 war er in Dachau und Flossenbürg interniert. Nach dem Krieg wurde Maleta Abgeordneter und zeitweise Klubobmann der Österreichischen Volkspartei sowie Nationalratspräsident. Auf der Oberweiser Konferenz von 1949 suchte er ehemals führende Nationalsozialisten für die Volkspartei zu gewinnen, wozu ihn seine eigene Vergangenheit als KZ-Häftling gewissermaßen legitimierte. 1981 erschien Maletas Buch "Bewältigte Vergangenheit. Österreich 1932-1945". - Der Jurist und Politiker Arnold Sucher (1898-1983) war von 1936 bis zum Anschluss Landeshauptmann von Kärnten und beteiligte sich nach dem Krieg am Aufbau des Wiener Justizwesens; von 1966 bis 1968 war er Präsident des Oberlandesgerichts Wien. - Zeittypischer Beleg zur Praxis der Entnazifizierung in Österreich. Continue reading

Order no. 2009-42
€ 125,-


Mann, Thomas, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1875-1955)

Gerahmtes montiertes Fotoporträt mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift auf dem Untersatzkarton, Zürich, 24. 9. 1951, Bildformat 18 x 13 cm, Gesamtgröße 29 x 21 cm. - "Herrn Goswin Dörfler mit guten Wünschen Thomas Mann". - Leicht gebräunt. *** Framed foto portrait of the 1929 Nobel Prize in Literature laureate with a dedication from Switzerland where the renowned writer spent his last years.

Das schöne Foto zeigt den Schriftsteller mit Zigarre an seinem Schreibtisch. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs reiste Mann aus dem amerikanischen Exil wieder öfters nach Europa; im Sommer 1952 ließ er sich endgültig in der Schweiz nieder. Der Widmungsträger Goswin M. Dörfler (1922-2008) war ein österreichischer Filmhistoriker und -kritiker. Continue reading

Order no. 2109-48
€ 3600,-


Marcuse, Herbert, Philosoph und Soziologe (1898-1979)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, gr-8, Washington, D.C., 1. 1. 1947, mit eigh. Kuvert. - An eine ehemalige Kollegin vom amerikanischen Geheimdienst, die ihm in Bern Bücher besorgt hatte. "Dear Mrs. Parsons: I was awfully happy and surprised when I received the Guardini and Camus from Bern. It is really very nice of you to have remembered my wishes. But I have not yet received the bill. If you paid for the books, please let me know how much, and where I shall send the money. / What about coming back to Washington and taking again a job in BR? The outfit apparently expands and needs good people. If you don't want to return, drop a line telling us how you are. And many, many thanks for your efforts to get me the books. With best wishes, Yours very sincerely, Herbert Marcuse".

Zunächst zum engeren Schülerkreis Martin Heideggers gehörend, emigrierte Herbert Marcuse 1933 in die Schweiz und im darauffolgenden Jahr in die Vereinigten Staaten. Dort kam es allerdings nicht zu der ursprünglich geplanten festen Zusammenarbeit mit Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, den ebenfalls emigrierten Hauptvertretern der Frankfurter Schule. Marcuse nahm 1942 eine neue Stellung in Washington D.C. beim Office of Strategic Services (OSS), Amerikas erstem Geheimdienst, an. Dort war er mit Analysen der nationalsozialistischen Machtstrukturen, patriotischer Medienarbeit und Vorbereitungen für ein demokratisches Nachkriegsdeutschland beschäftigt. Anschließend arbeitete er für die 1946 gegründete Nachfolgeinstitution, das Bureau of Intelligence and Research, und danach bis 1951 für eine weitere Nachfolgeorganisation, das Committee on World Communism (CWC). Ab 1956 wurde Marcuse Professor für Philosophie und Politikwissenschaft an zwei amerikanischen Universitäten und nahm dazu auch eine außerordentliche Professur an der Freien Universität Berlin an. In den 1960er-Jahren beeinflusste er mit seinen Schriften und Vorträgen wesentlich die Studentenbewegung und wurde zu einer Galionsfigur der Neuen Linken. - Bei dem ihm zugesandten Buch des katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968) könnte es sich um das 1946 erschienene Werk "Die Waage des Daseins. Rede zum Gedächtnis von Sophie Scholl und Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber" handeln. BR meint vermutlich das Bureau of Intelligence and Research (heutige Abkürzung: INR). Briefe Marcuses aus seiner Zeit beim amerikanischen Geheimdienst sind äußerst selten. Continue reading

Order no. 2007-29
€ 950,-


Mauthner, Fritz, Schriftsteller und Sprachphilosoph (1849-1923)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 1/2 Seiten auf Doppelblatt, kl-8, ohne Ort [Berlin], 16. 2. 1887. - "Geehrter Herr Rosenfeld! Um der Forderung der 'Londoner Zeitung, Hermann', gerecht zu werden, bestätige ich Ihnen noch schriftlich, daß Sie von mir befugt sind, Ersatzansprüche bezüglich des unberechtigten Nachdrucks meiner Schriften zu erheben. Ich erkläre, daß Sie die einzige Person sind, die meine Rechte hierin wahrzunehmen hat, u. daß ich mich Ihrer Abmachung unterwerfe. Jedoch scheint es mir, daß das Anerbieten von 300 Mark dem Umfange des Romans auch dann nicht entspräche, wenn der Abdruck ein rechtlich erworbener wäre. In vorzüglicher Hochachtung Fritz Mauthner". - Tinte stellenweise etwas verfärbt.

Die Londoner Zeitung "Hermann" war ein von Exilanten der Revolution 1848/49 initiiertes deutschsprachiges Wochenblatt, das von 1859 bis 1914 erschien. Mauthner, damals Theaterkritiker am "Berliner Tageblatt", hatte 1886 den umfangreichen Roman "Quartett" als ersten Teil seiner Trilogie "Berlin W." veröffentlicht. Continue reading

Order no. 2209-55
€ 140,-


Mayer, Louise Marie, Schriftstellerin und Widerstandskämpferin (1882-1944)

Autogrammkärtchen im Visitkartenformat mit eigenhändigem Namenszug, ohne Ort und Datum (wohl Wien, um 1932). - Minimal fleckig, rückseitig Montagespuren.

Louise Marie Mayer geb. Gottlieb war in der Zwischenkriegszeit als Mitautorin einiger erfolgreicher Lustspiele, als Feuilletonistin beim "Neuen Wiener Tagblatt" und bei der "Neuen Freien Presse" sowie als Übersetzerin tätig. Nach dem März 1938 fand sie Anschluss an die monarchistisch orientierten Widerstandskreise um Otto Habsburg, und ihr Wiener Salon in der Wiener Floragasse wurde zum Treffpunkt von Oppositionellen. 1939 zusammen mit anderen Persönlichkeiten der Gruppe von der Gestapo verhaftet, wurde sie 1944 als Jüdin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. - Sehr selten. Continue reading

Order no. 2209-58
€ 100,-


McDivitt, James A., Astronaut (geb. 1929)

Offizielles farbiges Fotoporträt der NASA (Reproduktionsdruck) mit eigenhändigem Namenszug, ohne Ort und Datum (um 1975), 25 x 20 cm.

McDivitt war der Kommandant der Raumflüge Gemini 4 (Juni 1965, mit erstem Weltraumausstieg eines Amerikaners) und Apollo 9 (März 1969, Test der Mondlandefähre in der Erdumlaufbahn). Continue reading

Order no. 1909-64
€ 220,-


Metternich, Clemens Wenzel Lothar Fürst von, Staatsmann (1773-1859).

Teilweise lithographisch vorgedrucktes Schreiben mit eigenhändiger Empfehlungsformel und Unterschrift ("ergebener Diener und Vetter Metternich"), 1 Seite auf Doppelblatt, in-4, Wien, 1. 7. 1856. - An Carl Theodor von Wrede. Gibt die Vermählung seines Sohnes Richard Clemens mit Pauline Clementine Gräfin Sándor bekannt. Am oberen Rand etwas knittrig. - Beiliegend Billet mit farbig geprägtem Kopf und eigenhändigem Namenszug "Pauline Fürstin von Metternich-Winneburg" sowie Begleitbogen einer adeligen Autographensammlerin.

Richard Clemens von Metternich (1829-1895) bekleidete mehrere wichtige Gesandtenposten, Pauline Clementine (1836-1921) spielte eine bedeutende Rolle als Salondame in Paris und Wien und sowie als Philanthropin. Sie war übrigens eine Tochter von Metternichs Tochter Leontine aus dessen zweiter Ehe und somit zugleich Metternichs Enkelin und Schwiegertochter. 1920 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen. Continue reading

Order no. 2202-61
€ 330,-


Meyerbeer, Giacomo, Komponist (1791-1864)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift und eigh. Adressblatt, 1 Seite, in-8, "Montag" [Berlin, 3. 5. 1858]. - An James Hirschfeld in der Schlesingerschen Musikhandlung. "Hochgeehrter Herr! Mit dem besten Dank schicke ich Ihnen anbei die geliehenen Musikstücke zurück, nämlich Antigone, Jubelouverture Maria und ihr Genius. Sie würden mich sehr verbinden wenn Sie mir auf 1 Stunde einen französischen und italiänischen Klavierauszug der Hugenotten durch den Überbringer dieses schicken könnten, da ich dessen in diesem Augenblick bedarf. Genehmigen Sie die Versicherungen meiner vollkommensten Hochachtung Meyerbeer". - Geringfügig fleckig.

Gedruckt in S. Henze-Döhring (Hrsg.), Giacomo Meyerbeer. Briefwechsel und Tagebücher Bd. 7 (2004), 302. - "Antigone": Schauspielmusik von Mendelssohn (1841); "Maria und ihr Genius": Kantate Meyerbeers zur Feier der Silbernen Hochzeit der Prinzessin und des Prinzen Carl von Preußen (1852). Meyerbeers bekannteste Oper "Les Huguenots" wurde 1836 uraufgeführt. Der renommierte Berliner Musikverlag Schlesinger bestand bis 1864. Continue reading

Order no. 2202-62
€ 500,-


Meynert, Theodor, Psychiater und Neuroanatom (1833-1892)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 2/3 Seite auf Doppelblatt, kl-8, Wien, 1. 12. 1890. - "Geehrter Herr College! Um einen Aufschub einzubringen, der unverschuldet von mir ausging, sende ich eine breitere Darstellung unserer Untersuchung ein, die ich wie immer zu benutzen, zu ergänzen oder nach Ihrer Überzeugung zu verändern bitte, um das, was daraus hervorgeht, gemeinsam zu zeichnen / Ihr aufrichtig ergebener Theodor Meynert / Diesen Entwurf und die Excerpte erbitte ich mir zurück." - Leichte Wischspur beim Datum.

Meynert, seit 1870 Universitätsprofessor in Wien, war ein bedeutender Vertreter der naturwissenschaftlich ausgerichteten Psychiatrie sowie der vergleichenden Anatomie des Zentralnervensystems. Von 1882 bis 1885 arbeitete Sigmund Freud unter ihm im Laboratorium für Gehirnanatomie. Continue reading

Order no. 2202-63
€ 175,-


Meyrink, Gustav, Schriftsteller (1868-1932)

Billet in Postkartengröße mit eigh. Spruch und Unterschrift, ohne Ort, 1. 2. 1926. - "Devise: Summa scientia nihil scire. Gustav Meyrink". - Rückseitig das Ersuchen eines Sammlers um die Unterschrift seines Lieblingsautors.

Autographen des für seine phantastischen und satirischen Texte bekannten Autors und Übersetzers mit Hang zum Okkultismus sind selten. Continue reading

Order no. 2005-36
€ 750,-


Mindszenty, József, Kardinal (1892-1975)

Reproduziertes Foto mit Signatur im weißen Unterrand, 22,5 x 13,5 cm.

Die Aufnahme zeigt den Primas von Ungarn in Begleitung von Papst Paul VI. bei der Eröffnung der Bischofssynode in Rom am 30. 9. 1971; zwei Tage zuvor war Mindszenty nach Schauprozess, Haft und fünfzehnjährigem Asyl in der Budapester US-Botschaft ins Exil gegangen. - Sehr selten. Continue reading

Order no. 2209-60
€ 1200,-


Mitterer, Erika, Schriftstellerin (1906-2001)

"Vergebens". Eigh. Gedicht (2 Strophen zu je 3 Zeilen) mit Unterschrift, quer-8, ohne Ort und Datum (um 1970/1975). "Ihr meint, die großen, alten Namen sollten / wir nicht mehr nennen, wie wir Schmuck abtaten, / bevor die Sieger an die Türen schlugen? / Es nützte nichts, wenn wir sie meiden wollten! / Die weißen Stellen haben doch verraten, / wo wir das Armband und die Ringe trugen."

Aus dem 1970 erschienenen Gedichtband "Klopfsignale". Die Wiener Lyrikerin, Erzählerin und Dramatikerin Erika Mitterer korrespondierte von 1924 bis 1926 mit Rainer Maria Rilke, der sie ebenso wie Stefan Zweig und viele andere hoch schätzte. In den Kriegsjahren in innerer Emigration, versuchte sie nach 1945 eine Bewältigung der NS-Zeit. Continue reading

Order no. 2005-38
€ 135,-


Mommsen, Theodor, Historiker und Nobelpreisträger (1817-1903)

Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift, Poststempel (Berlin)-Charlottenburg 24. 10. 1887. - An Prof. Dr. Hirschberg in Berlin. "Geehrter Herr! Ich schreibe nach Paris ... eine Abschrift der ersten und der letzten zwei Seiten der fraglichen Abhandlung zu erhalten; gelingt dies, was ich freilich nicht mit Sicherheit in Aussicht stellen kann, so wird es keine Schwierigkeit haben, falls es Ihnen dann zweckmäßig erscheint, den Rest zu beschaffen. Ist es ein Juridikum, so wird vermuthlich ein Jurist die Hand darauf gelegt haben oder bei dieser Gelegenheit legen, und dann bekommen wir nichts. Es muß eben versucht werden. Ergebenst Mommsen."

Theodor Mommsen gilt als einer der bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Für seine monumentale, in meisterhafter Darstellung geschriebene "Römische Geschichte" wurde er 1902 als erster Deutscher mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Das vorliegende Schreiben ist vermutlich an den Augenarzt und Medizinhistoriker Julius Hirschberg (1843-1925) gerichtet, der seit 1879 eine Honorarprofessur an der Berliner Universität bekleidete. Continue reading

Order no. 2202-65
€ 300,-


Münzstätte Mailand / Zecca di Milano

"Fabbricazione delle monete ...". Italienische Handschrift auf Papier, Mailand, 30. 4. 1825. Drei Faltblätter 40 x 45 cm mit ornamental umrahmten Überschriften und kalligraphiertem Text in Tabellenform, jeweils signiert vom Direktor der kaiserlichen Münze. Berichte über die Mailänder Münzproduktion vom November 1823 bis April 1825 in staatlichem und privatem Auftrag, mit detaillierten Prägezahlen sowie Nachweis der Einnahmen und Ausgaben. In reich vergoldetem originalem Prachtschuber 30 x 21 cm mit Aufschrift "Imperiale regia zecca di Milano" und Kaiserwappen (geringfügig berieben und bestoßen).

Die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand wurde 1714 im Frieden von Rastatt den österreichischen Habsburgern zugesprochen und kam nach einem napoleonischen Zwischenspiel 1815 wieder unter österreichische Herrschaft. In Mailand wurden seit der Antike Münzen geprägt, allerdings nicht kontinuierlich; 1778 wurde die Münzstätte unter Maria Theresia neu eingerichtet und trug seither mit Ausgaben in Gold, Silber und Kupfer nicht unwesentlich zum Geldumlauf des Habsburgerreiches bei. Continue reading

Order no. 2009-45
€ 2750,-


Musil, Alois, Orientalist, Geograph und Theologe (1868-1944)

Eigenhändige Ansichtskarte mit Unterschrift, Bagdad, 22. 4. 1915. - An den Wirtschaftspolitiker und Diplomaten Richard Riedel. "Nach unsagbaren Entbehrungen, aber mit großen Erfolgen bin ich nach Ba(gh)dad gekommen, woher ich Ihnen meine aufrichtigsten Grüße übersende. Möge Allah unser Österreich und alle, die für dessen Blüte arbeiten schützen und erhalten! Ew. Hochwohlgeboren ergebenster Musil." - Etwas fleckig, Briefmarke entfernt.

Vgl. ÖBL 7, 1. - Der aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen in Mähren stammende Musil konnte dank eines Stipendiums des Olmützer Erzbischofs studieren, wurde 1891 zum Priester geweiht und bildete sich in Jerusalem in den orientalischen Sprachen aus. Ab 1896 unternahm er ausgedehnte Forschungsreisen in den Nahen Osten; er entdeckte und dokumentierte dabei unter anderem mehrere umayyadische Wüstenschlösser und lernte das Leben der Beduinen kennen, unter denen er hohes Ansehen genoss. Als Professor an der Universität Wien entwickelte Musil enge Beziehungen zum Haus Habsburg und bereiste 1912 gemeinsam mit Prinz Sixtus von Bourbon-Parma Nordostarabien und Südmesopotamien. Während des 1. Weltkriegs bemühte er sich auf Wunsch Deutschlands und mit Zustimmung Kaiser Franz Josephs als Gegenspieler des "Lawrence von Arabien" um Vermittlung zwischen den mit den Briten sympathisierenden Arabern und dem mit Österreich-Ungarn und Deutschland verbündeten Osmanischen Reich; die vorliegende Karte entstand im Zug dieser Mission. Der Adressat Richard Riedel (1865-1944) war ab 1909 Sektionschef im Handelsministerium. - Sehr selten. Continue reading

Order no. 2202-69
€ 450,-


Napoleonische Kriege

Kalligraphiertes Bittschreiben des deutschen Kupferstechers und Kartographen Carl Jättnig an den französischen Generalkommandanten von Berlin, General Pierre Augustin Hullin, 1 Seite auf Doppelblatt, in-folio, Berlin, 22. 1. 1807. - Jättnig hatte an der Kartierung Westfalens durch den preußischen General Karl Ludwig von Le Coq mitgearbeitet, hatte jedoch nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt (14. 10. 1806), der Flucht des Königs und dem Einzug der französischen Truppen in Berlin seine Stelle verloren und konnte nun sich und seine Familie nicht mehr ernähren. "... Nothgedrungen, und von der Brodtlosigkeit zu Boden gedrückt ... flehe ich Ew: Excellenz um Hülfe und Beistand an ... Ich würde mich zu jedem Geschäft brauchbar finden laßen ... zeige hiermit an, das ich auch als ein gelernter, und ehemals in Militair Diensten gestandener Chyrurgus, irgendwo bei einem Feld=Hospital unter der Leitung eines erfahrenen Arztes einstweilen ein brauchbarer Gehülfe sein würde. Wäre es aber auch auf diese Weise nicht möglich mir zu helfen, so wage ich die Bitte an Ew: Exzellenz mir zu erlauben, das ich nach Königsberg reisen dürfte, und mich dieserhalb mit einem sichern Pass zu versorgen ...". Mit französischer Zusammenfassung des Ansuchens von fremder Hand und zwei abschlägigen französischen Aktenvermerken. - Adressblatt etwas fleckig, Siegelrest.

Über das weitere Schicksal Carl Jättnigs ist uns nichts bekannt. Mehrere Mitglieder der Berliner Familie, darunter sein gleichnamiger Sohn(?), waren bis zur Mitte des 19. Jhs. als Kupferstecher und Kartographen tätig (vgl. Thieme-Becker 18, 337). Continue reading

Order no. 1902-57
€ 185,-


Napoleonische Kriege - Berthier, Alexandre (1753-1815)

Diktatbrief mit eigh. Unterschrift als Major Géneral sowie von Berthier beglaubigte Abschrift eines Dekrets Kaiser Napoleons mit eigh. Unterschrift als Kriegminister, 2 1/2 und 3 Seiten, in-4, beide Schönbrunn, 24 brumaire XIV (25. 11. 1805). - An den Divisionsgeneral Henri Clarke, dem er seine Ernennung zum Generalgouverneur von Österreich und die damit verbundenen Aufgaben mitteilt: "... Vous êtes chargé de la police du pays et sous ce point de Vue, vous avez toutes les attributions du Ministre de la police. L'Administration, la Direction de la Gendarmerie, celle des gardes bourgeoises de Vienne; celle de toute les Villes et enfin de toute autre troupe qui existe dans l'arrondissement du Gouvernement de Vienne, sont aussi dans vos attributions ... Vous avez le Droit de representer et de parler au nom de l'Empereur. Tous vos actes devron porter en titre, Napoléon, Empereur des Français, Roi d'Italie ... L'intention de l'Empereur, Monsieur le Gouverneur, est que vous portiez un soin particulier a la surveillance des journaux, des livres, des theatres et de tout ce qui concerne la Religion et les cultes ... L'intention de L'Empereur est que Vous logierez au palais a Vienne .." Das beiliegende Dekret fasst in 15 Artikeln die Richtlinien für die Verwaltung der bisher besetzten österreichischen Gebiete und der noch zu besetzenden Provinzen Steiermark, Kärnten und Krain zusammen und ernennt neben Clarke als Generalgouverneur den Staatsrat Pierre Daru zum Generalintendanten.

Nachdem die Franzosen am 5. November 1805 Innsbruck besetzt hatten, zogen sie beiderseits der Donau stromabwärts und erreichten am 12. November Wien; zwei Tage später bezog Napoleon im Schloss Schönbrunn Quartier. Das Waffenstillstandsabkommen von Austerlitz (6. Dezember) und der Frieden von Pressburg (26. Dezember) machten die beabsichtigte Besetzung von Steiermark, Kärnten und der Krain hinfällig, und am 13. Jänner 1806 zogen die französischen Truppen aus Wien ab. Louis-Alexandre Berthier, 1804 zum Marschall und 1809 zum Fürst von Wagram ernannt, war im italienischen Feldzug Stabschef Bonapartes, ab 1800 Kriegsminister und ab 1805 Generalstabschef; er starb unter ungeklärten Umständen bei einem Fenstersturz, nachdem er 1814 zu Ludwig XVIII. übergegangen war. Der irischstämmige General und Staatsmann Henri-Jacques-Guillaume Clarke d’Hunebourg (1765-1818) löste 1807 Berthier als Kriegsminister ab und wurde zwei Jahre später zum Herzog von Feltre ernannt. Graf Pierre Daru (1767-1829) war Finanzmann, Dichter und Historiker und wurde von Napoleon bei der Kriegsverwaltung sowie zu wichtigen Staatsgeschäften eingesetzt. Continue reading

Order no. 2001-58
€ 2400,-


Napoleonische Kriege. - Ligne, Charles Joseph de (Fürst), Offizier, Diplomat und Schriftsteller (1735-1814)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, Wien, 30. 4. [1806]. - An "Mon Cher, et excellent Compatriote", den französischen Stadtkommandanten von Wien, Pierre-Augustin Hulin. "Le Général Andréossi Veut bien se charger de ma Lettre pour Vous, mon cher Commandant. La Manière dont Vous avéz porté Ce Titre, sera Toujours gravé dans la Mémoire de Tous Les Habitans de Vienne. Votre Justice, Votre délicatesse, Vos soins pour prévenir, ou arrêter Les abus, Votre désinteréssement, Votre façon de faire oublier que Vous etiéz Nos Vainqueurs, Vous méritent Les plus grandes recompenses chéz Vous, et la plus grande reconnoisance chéz Nous. / Je ne Doute point que Vous ne Soyez employé d'une maniere utile, et honorable, Telle que Cela Vous Convient. J'y prendrai toute(?) La part La plus sincère, ainsi qu'a tout Ce qui Vous arrivera. Ma Famille qui pense de même, me charge de Vous en assurer, ainsi à Tous Les Sentimens d'amitié de notre ancien Connaissance, se Joint encore ma reconnaissance particuliere e La Considération distinguée avec La quelle J'ai L'Honneur d'être / Votre Très humble et Très obeissant Serviteur Charles Prince De Ligne".

Provenienz: Auktion Stargardt 639 (1987), Nr. 1035. - Die Franzosen waren im November 1805 in Wien einmarschiert, ohne auf Widerstand zu stoßen; Napoleon bezog in Schönbrunn Quartier und ernannte seinen General Hulin (auch Hullin, 1758-1841) zum Stadtkommandant von Wien. Das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht verlief im Wesentlichen friedlich. Nach familärer Überlieferung soll sich der im Palais Lobkowitz untergebrachte General sogar gelangweilt haben, weil seine 3000 französischen Soldaten "so famos Ruhe und Ordnung in Wien hielten", und den Komponisten Joseph Haydn zu seiner Zerstreuung zu sich gerufen haben. Nach dem Frieden von Pressburg verließen die französischen Besatzer bereits im Jänner 1806 die Stadt wieder, und Hulin wurde zum Stadtkommandant von Berlin bestellt. Der als Überbringer des Briefes genannte Graf Antoine-François Andréossy (1761-1828) nahm als Brigadegeneral an Bonapartes Zug nach Ägypten teil, wurde 1802 Gesandter in London, nahm 1805 am Krieg gegen Österreich teil und blieb nach dem Frieden von Pressburg als Kommissär und Botschafter in Wien. Continue reading

Order no. 1909-69
€ 2400,-


Neumann, Robert, Schriftsteller (1897-1975).

Maschinschriftliche Postkarte mit kleiner eigenhändiger Korrektur, mit Bleistift unterzeichnet "R. N.", Poststempel Buckfast (Devon) 26. 10. 1934. Humorvolle Beschwerde an Frau Dr. Ida Schreiber vom Zsolnay Verlag in Wien über ein Bücherpaket, das anstelle von 5 Exemplaren seines eben erschienenen Romans "Sir Basil Zaharoff" irrtümlich 5 Exemplare des Novellenbands "Treibhaus Südamerika" von Heinrich Eduard Jacob enthielt. "... solche Verwischung individueller Unterschiede geht zu weit und stellt einen antisemitischen Akt dar. Von Seiten Rollingers natürlich. ... Schlagen Sie ihn nieder! Ich hab bis heute mein Buch nicht gesehen und hätte doch immerhin ein gewisses Interesse dafür! Heil Fey. ...". Lochspuren unterlegt. - Beiliegend eigenhändiges Arbeitsmanuskript, 1 Seite, kl-4, rückseitig nachträglich bezeichnet und signiert "Romanplan 'Festival' / Locarno-Monti 1962 / Robert Neumann". Stichwörter und Notizen in Deutsch und Englisch zu seinem 1962 im Verlag Kurt Desch erschienenen Roman "Festival", in dem das Filmfestival von Locarno eine wichtige Rolle spielt. Knittrig.

"Rollinger": Die Wiener Großbuchbinderei F. Rollinger arbeitete für den Zsolnay-Verlag. - Robert Neumann, in Wien geborener Schriftsteller und Publizist jüdischer Abstammung, hatte vor allem mit seinen ab 1927 veröffentlichten Parodiensammlungen großen Erfolg. 1933 fielen seine Werke der Bücherverbrennung in Deutschland zum Opfer, 1934 emigrierte er vor dem Austrofaschismus ("Heil Fey") nach England, wo er auch Romane in englischer Sprache schrieb. Nach 1958 lebte Neumann in Locarno-Monti im Tessin. Autographen Neumanns aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg sind selten. Continue reading

Order no. 2209-65
€ 175,-


Nordenskiöld, Erland, Ethnologe und Anthropologe (1877-1932)

Konvolut von 23 unterschriebenen Briefen (1 eigenhändig, 6 von fremder Hand, 16 maschinschriftlich) an den Ethnologen Franz Heger in Wien, insgesamt 32 Seiten, meist kl-4, Göteborg 24. 5. 1918 bis 12. 10. 1925. - Zumeist mit gedrucktem Briefkopf ("Göteborgs Museum Instiftadt 1861" bzw. "XXIe Congrès International des Américanistes") und teilweise mit eigenhändigen Zusätzen. - Leicht gebräunt, Empfängervermerke.

Der schwedische Ethnologe und Anthropologe finnischer Abstammung Baron Nils Erland Herbert Nordenskiöld, Sohn des Polarforschers Adolf Erik Nordenskiöld, unternahm mehrere Forschungsreisen in Südamerika und war Direktor der ethnographischen Abteilung des Göteborg Museums; Franz Heger (1853-1931) leitete die anthropologisch-ethnographische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien. Die Briefe betreffen unter anderem die Publikation von Aufsätzen und die Vorbereitungen für den 21. Internationalen Amerikanisten-Kongress 1924 in Göteborg. - "… wir haben hier im Museum besonders Sammlungen aus Bolivia und den angrenzenden Gebieten. In verschiedenen Teilen von 'Annuae litterae societatis Jesu' finden sich sehr interessante Angaben über Indianer aus der genannten Gegend. Wenn es Sie interessieren würde, eine Zusammenstellung dessen, was in diesen Publikationen über Indianer geschrieben wird, anzulegen, so werde ich eine solche Arbeit hier sehr gerne drucken und honorieren lassen können …" (21. 4. 1920). - "… Ich bin äusserst dankbar für alle Hilfe betreffs des geplanten Kongresses … Klar ist, dass dieser Kongress insofern von früheren abweichen muss, als die Regierungen als solche nicht eingeladen werden können … Können wir einen Kongress gegen den Conseil permanent veranstalten? Die Verhältnisse, unter denen wir jetzt nach dem Kriege leben, sind ja derart auf den Kopf gestellt, dass man auch für einen Kongress wie diesen neue Formen suchen muss. Bisher habe ich mich darauf beschränkt, hervorragende Amerikanisten in den Ländern, die am Weltkriege teilgenommen, sowie einige Personen in den neutralen Ländern zu interessieren zu versuchen …" (28. 10. 1920). - "… Vielen Dank für Ihre Mitteilungen über die Calchaquisammlung. Es interessiert mich besonders, ob die Sammlung, die nach Gräbern geordnet ist, nördlich von Jujuy gemacht wurde. Sehr dankbar wäre ich, wenn ich wissen könnte, welche Bronzegegenstände es in dieser Sammlung gibt, und zusammen mit welcher Keramik die Bronzen gefunden wurden …" (7. 3. 1921). - "… Ich arbeite nun darauf hin, dass unsere Reeder für die Amerikanisten, die hieher reisen wollen, alle möglichen Erleichterungen gewähren. Die recht bedeutende schwedische Linie nach Südamerika hat bereits versprochen, dass die Amerikanisten, die hieher kommen werden, nur einen Preis zu bezahlen haben sollen, der ungefähr ein Drittel von dem ausmacht, der auf englischen Dampfern gefordert wird …" (3. 4. 1922). Continue reading

Order no. 2202-70
€ 650,-


Nothnagel, Hermann, Mediziner (1841-1905)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten, kl-8, Wien, 15. 10. 1889. - Dankt für ein Gedicht. "Hochgeehrter Herr, wenn goldene Früchte in goldener Schale gereicht werden, wenn die Form dem Inhalte sich anschmiegt, wenn der Gegenstand zur Begeisterung hinreißt und den Dichter hinaufträgt in das Reich der Schönheit und des Ideales, wenn die geistsprühende Beredtsamkeit etwas Großes und Würdiges verherrlicht - dann schafft der Poet ein Kunstgebilde, welches erhebt, verklärt, uns mit dem Abglanz des Göttlichen umfluthet. Das, hochgeehrter Herr, ist der Eindruck, welcher mich umfing, als ich Ihre Zeilen las, in welchen Sie die 'Aufhebung des Zeitbegriffes', thatsächlich erwiesen durch das herrlichste Beispiel, philologisch u poetisch besingen. Ich danke Ihnen warm und herzlich für die wahrhafte und große Freude, welche ich so durch Sie empfangen, und für den Einblick, den ich so in Ihr reichströmendes Geistesleben gewonnen habe. Mit verbindlichstem Gruße hochachtungsvoll Nothnagel." - Spuren alter Numerierung, leichte Bug- und Randmängel. - Beiliegend eine unsiginierte Porträtpostkarte.

Der deutsche Internist und Neurologe war Schüler von Rudolf Virchow. Nach Professuren in Freiburg und Jena wechselte er 1882 an die Wiener Universität, wo er bis zu seinem Tode blieb. Sigmund Freud machte bei ihm ein sechsmonatiges Praktikum. Continue reading

Order no. 2202-71
€ 260,-


Oberth, Hermann, Physiker und Raketenpionier, "Vater der Raumfahrt" (1894-1989)

Eigh. Manuskriptfragment (Bleistift auf dünnem Papier), 2 Seiten, in-4, ohne Ort und Datum; dazu eigh. Begleitschreiben mit gedrucktem Briefkopf und Unterschrift, Feucht b. Nürnberg, 3. 6. 1960. - Schlussblatt einer "Erläuterung zur Niederschrift eines Mediums, angeblich auf Wunsch der 'Uraniden' (sonannte ich seinerzeit die hypothetischen Bewohner der Fliegenden Untertassen)". Der Text behandelt den Geldverkehr mit auswärtigen Banken und insbesonders das Clearing-Verfahren. "Es gibt deshalb auch Leute, die sagen: 'Gottseidank, daß wir wenigstens diese Banken haben ...' ... diese Banken verdienen natürlich an jeder Geldüberweisung, und natürlich um so mehr, je schlechter der Staat ist. ... Ganz korrupte Staaten, wie z. b. Rumänien, gehen auf diesem Wege denn auch so weit, daß sie sogar das Clearing verbieten ... Sagen wir der A und der C wohnen im Staate M und der B und der D im Staate N ... Ist aber der Staat N etwa Rumänien, so riskieren der B und der D 4-6 Jahre Aufenthalt in den anerkannt scheußlichen Gefängnissen und Arbeitslagern Rumäniens ... Die Fahndung nach Clearinggeschäften und ihre Erschwerung ist einer der Gründe, warum korrupte Staaten die Briefpost so eifrig durchschnüffeln ... Bekanntlich hat auch Hitler die privaten Clearinggeschäfte ohne Inanspruchnahme der Reichsbank bestraft. Ich bin nicht in der Lage, festzustellen, ob das aus Dankbarkeit gegenüber dem jüdischen Katholiken Morgan geschah, der ihm bei seinem Kampf wirksame Hilfe geleistet hatte; die Uraniden sagen: 'Ja'." - Faltspuren und Randmängel, einzelne Zusätze von fremder Hand. Vollständige Transkription des Manuskriptblatts beiliegend.

Oberth stammte aus der Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen und arbeite von 1923 bis 1938 mit Unterbrechungen als Gymnasiallehrer in Rumänien. Schon früh befasste er sich wissenschaftlich und publizistisch mit Raketentechnik. 1939 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitete während des Krieges an der Entwicklung der V2-Rakete mit; die moderne Weltraumfahrt verdankt ihm wesentliche Grundlagen. Oberth befasste sich auch mit der Möglichkeit außerirdischen Lebens und den UFO-Phänomen. 1966 veröffentlichte er das Buch "Katechismus der Uraniden. Haben unsere Religionen eine Zukunft? Gedanken aus philosophischen Vorträgen und zum Teil noch unveröffentlichten Schriften." Sein hier vorliegender Text entstand laut Begleitschreiben "auf dem fahrenden Schnellzug"; eine ebenda erwähnte Fotobeilage fehlt. Continue reading

Order no. 2205-54
€ 850,-


Otto von Habsburg, Politiker und Publizist (1912-2011)

Foto zur Hochzeit mit Regina Prinzessin von Sachsen-Meinigen am 10. 5. 1951, vom Ehepaar im weißen Unterrand mit den Vornamen signiert, 15 x 10,5 cm. - Minimal fleckig.

Aufnahme A. Leconte, Paris. Die Trauung fand in der Église des Cordeliers (Minoritenkirche) in Nancy statt. Continue reading

Order no. 2205-55
€ 175,-


Overbeck, Friedrich, Maler (1789-1869)

Schluss eines Briefes mit eigh. Unterschrift, von anderer Hand datiert 1841, 6 x 21 cm. - "Das mein Theurer! sind die aufrichtigen Wünsche die ich Dir von ganzem Herzen sowohl nachträglich zur lieblichen Weyhnachtsfeyer, als zum bevorstehenden Jahreswechsel und Deinem nahen Geburtstage darbringe und mit denen ich in unveränderlicher Liebe verbleibe Dein dankbarer und zärtlicher Bruder Friedrich Overbeck." - Kleines Papiersiegel.

Vermutlich an ein Mitglied des sogenannten Lukasbundes gerichtet. Overbeck lebte seit 1810 als Führer der Nazarener in Rom. - Beiliegend ein reproduziertes Porträt des Künstlers. Continue reading

Order no. 1903-34
€ 260,-


Pagnol, Marcel, Schriftsteller (1895-1974)

Billet mit aufgezogenem farbigem Zeitungsporträt, eigh. Widmung und Unterschrift; zusammen mit eigh. Kuvert (Poststempel 23. 10. 1964) auf Karton montiert.

Der französische Romancier, Dramatiker und Regisseur hatte vor allem mit seinen Komödien auch internationalen Erfolg. Das Foto zeigt ihn vor seinem Landhaus. Continue reading

Order no. 2205-56
€ 100,-


Patentschrift

US-amerikanisches Patent No. 603.378 für Paul Hagemann und Heinrich Pasler aus Stettin (Deutschland), Washington, 3. 5. 1898. In-4; photolithograph. Modellzeichnung und Textblatt in illustr. Umschlag mit 2 Signaturen, Papiersiegel und Kordelheftung; Mittelbug.

Patentiert wird für die Dauer von 17 Jahren ein verbesserter Funkenfänger für Lokomotiven. Continue reading

Order no. 1510-62
€ 140,-


Perger, Anton von, Maler und Schriftsteller (1809-1876)

"Hirt und Jäger." Eigh. vollständiges Gedicht (6 Strophen zu je vier Zeilen) mit Unterschrift, 1 1/2 Seiten auf Doppelblatt, kl-4, ohne Ort (wohl Wien), 1842. "Der Jäger stieg vom Felsenwall. / Der Hirt, der saß am Wasserfall, / Er singt zu Liebchens Preis den Sang, / Des Wassers Rauschen dazu klang: / 'Du holdes Lieb, du feines Lieb' / Mein Herz bei Deinem Herzen blieb; / Es ist Dein Kußgeschwellter Mund / Die schönste Rose im ganzen Rund!' ...". - Leichte Falt- und Knitterspuren.

Gedruckt in: Aurora Taschenbuch für das Jahr 1840 (hrsg. von Johann Gabriel Seidl), Seite 290 f. - Anton Franz Ritter von Perger war im Kunstbereich als Historien- und Landschaftsmaler sowie als Radierer tätig und unterrichtete an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Autor schrieb er zumeist über historische, kunsthistorische und volkskundliche Themen; 1844 arbeitete er an Adalbert Stifters "Wien und die Wiener" mit. Continue reading

Order no. 2005-41
€ 85,-


Pétain, Philippe, Militär und Politiker (1856-1951)

Eigenhändiger Brief mit gedrucktem Kopf (als Marschall) und Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, Paris, 3. 3. 1922. - An einen Freund wegen eines Termins. "Mon cher Martin / J'ai tant de voyages et tant d'inspections en perspective qu'il ne m'est pas possible de m'engager pour une date ferme. Fixe la date toi-même comme s'il n'était pas question de moi. Si je suis libre, j'irai. Crois, mon cher ami à mes sentiments les meilleurs. Ph. Petain". - Unbedeutende Falt- und Nadelspuren. Englische Übersetzung beiliegend. - Beiliegend ein unsigniertes Foto (18 x 13 cm, wohl um 1920) mit Alters- und Gebrauchsspuren.

Pétain stammte aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, machte im 1. Weltkrieg als "Held von Verdun" eine bemerkenswerte militärische Karriere und wurde 1918 zum Marschall ernannt. 1931 schied er mit 75 Jahren aus der Armee aus, blieb aber eine bedeutende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Frankreich. Während der Weltwirtschaftskrise von 1934 war er kurzzeitig Kriegsminister, 1939 wurde er Botschafter in Spanien. Als Frankreich 1940 von der deutschen Armee überrannt wurde, sprach er sich gegen eine Fortsetzung des Krieges aus und errichtete als nunmehriger Staatschef ein autoritätes Regime, das aber bald auf den Status einer deutschen Marionettenregierung herabsank (Vichy-Regime). 1945 verurteilte ein Geschworenengericht Pétain wegen Hochverrats zum Tode, das Urteil wurde jedoch angesichts seines hohen Alters in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Continue reading

Order no. 2109-60
€ 275,-


Priestley, John Boynton, Schriftsteller und Journalist (1894-1984)

Billet in Postkartengröße mit aufgezogenem reproduziertem Porträtfoto und eigh. Namenszug. - Auf Karton montiert.

Die Aufnahme entstand wohl um 1950. Continue reading

Order no. 1710-70
€ 55,-


Prodi, Romano, Ökonom und Politiker (geb. 1939)

Farbfoto 12,5 x 18 cm mit eigh. Namenszug auf der Bildseite, Brüssel, Juli 1999. - "Romano Prodi Bruxelles luglio '99".

Prodi war 1996-1998 und 2006-2008 italienischer Ministerpräsident und von September 1999 bis November 2004 Präsident der Europäischen Kommission. Continue reading

Order no. 1810-78
€ 60,-


Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924)

Eigenhändiges Brieffragment (Schluss mit Unterschrift fehlt), 4 Seiten, kl-8, Torre del Lago (Briefkopf), 14. 11. 1913. - An seinen Verleger Tito Ricordi. "Caro Tito, non so perché tu aspettassi un mio pentimento postumo dopo quanto ti scrissi. Se lo feci, credimi non fu per un impulsivo sfogo nervoso, ma perché l'episodio viennese ha fortemente scossa la mia sensibilità. Tu sai - o meglio non sai, perché i nostri temperamenti sono e saranno sempre troppo diversi - che spesso le piccole cose acquistano una grande importanza e basta un movimento brusco a distruggere anche un'infinità di opere belle e buone = Di questi - dirò cosi - scarti è tua consuetudine abusare ...". - Leichte Bug- und Randmängel, kleiner Eckabriss mit minimalem Textverlust, Tintenstrich auf der zweiten Seite. Vollständige Transkription und Übersetzung sowie ein ausführlicher Kommentar liegen bei.

Tito Ricordi (1865-1933) hatte im Jahr zuvor nach dem Tod seines Vaters Giulio dessen Musikverlag übernommen. Puccini berührt in seinem Brief verschiedene Unstimmigkeiten und Spannungen, zu denen es vor allem im Zuge seines Wien-Aufenthalts im Oktober 1913 - der Komponist bereitete hier die Erstaufführung seiner Oper "La fanciulla del West" vor - gekommen war. Erwähnt werden unter anderem Ricordis führender Mitarbeiter Carlo Clausetti, eine gescheiterte Zusammenarbeit mit dem Dichter Gabriele d'Annunzio sowie Puccinis musikalische Bearbeitung von Didier Golds einaktigem Drama "La Houppelande". Continue reading

Order no. 2202-76
€ 1400,-


[Raimund, Ferdinand]. - Roller, Andreas, Bühnenbildner (1805-1901)

Sprachlich und orthographisch unbeholfener Bittbrief an Ferdinand Raimund, "Resigeur und Schauspieler des k:k: prifl: Theaters in der Leopoldstadt in Wien", 2 Seiten mit gesiegeltem Adressblatt, gr-8, Graz, 26. 1. 1828. "Hochschätzbahrster Herr von Raimund! Da Sie mir so fiele Ehre und Freundschaft erzeugten als ich mich noch in Wien befand, und mir zugleich Erlaubten, daß wenn ich Jezeid an einem unfohrgesehenen Falle in Verlegenheit kommen solte, mich ohne Scheu an Sie wenden dürfte daher Sie es nicht Ungütig nehmen werden wen ich so frey bin eine Bitte an Sie zu stellen: die zwar nicht mich sondern meinen Vater in Dreßden betrift, da mir schon lange her Ihr Einfluß bey der Leopoldstädter Theater-Direktion bekant und nur Ihr Willensmeinung alldort geldent ist so werde ich nicht länger säumen den Wunsch meines Vaters Ihnen bekant zu machen: Da er wo er sich jetzt befindet sehr unzufriden ist, und für ihm die Beschäftigung so wie die Bezahlung zu wenig, und er durch den Mahler Arigoni: so entsetzlich sekirt wird, so ist er fest Entschlossen seynen jetzigen Aufenthalt zu ferlasen, und seyn Tallent, sammt dessen meines Bruders Josephs nicht Erschlafen zu lassen: Er hatt mir aufgetragen in seynem Nahmen an Sie zu schreiben; indem er seyne Dienste so wie die meines Bruders anträgt: Da Sie selbst meinen Vater durch lange Jahre von seiner Geschüklichkeit überzeugt sind und ich für meinen Bruder gut stehe: so könte Ihnen diese Gelegenheit filleicht willkommen seyn, um daher, Ihnen gleich mit dem Grazer Stand bekant zu machen so glaubt mein Vatter, für sich und meinen Brudern zwölfhundert f C:Mtz: [Gulden Conventionsmünze] fordern zu können welche er früher im Theater an der Wien auch hatte: / Da ich Ihre Gütte in Anspruch nehme, und wen Sie es dahin bringen können, und mein Vater wünscht: so werden Sie mich als einen Ewig dankbahren Menschen kennen lernen. Erlauben Sie mir Höflichst, um eine baldige Antwort zu bitten und mich zugleich zu Unterzeichnen / Euer Wohlgebohren / Ergebener / Andr: Roller / Franzensplatz No. 39." - Fleckig und leicht gebräunt, erste Seite mit Klebespur, Adressblatt mit Ausriss durch Siegelöffnung. Das Erledigungsdatum und die Registraturvermerke auf dem Adressblatt stammen vermutlich nicht von der Hand Raimunds.- Provenienz: aus dem Nachlass des Wiener Antiquars Heinrich Hinterberger (Bleistiftvermerk am unteren Rand der ersten Seite).

Vgl. Thieme-Becker 28, 537 und 2, 154. - Andreas Leonhard Sebastian Roller wurde in Regensburg in eine Theaterfamilie hineingeboren. Sein Vater Adam Roller, für den er Raimund hier um eine Anstellung bittet, war ein bekannter Theatermaschinist, der nach Engagements in Mainz und Augsburg von 1812 bis 1816 in Wien am Theater in der Leopoldstadt und von 1816 bis 1825 am Theater an der Wien tätig war. Dort wurde 1820 unter anderem zu seinem Benefiz Franz Schuberts Zauberharfe aufgeführt. 1822 sorgte er gemeinsam mit Hermann Neefe für die Ausstattung der Freischütz-Neueinstudierung. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Graz wurde Adam Roller 1825 am Hoftheater in Dresden beschäftigt und hatte dort, wie aus dem vorliegenden Brief zu entnehmen ist, von dem aus Wien stammenden Dekorationsmaler Anton Arrigoni (1788-1851) einiges zu leiden. Raimund gehörte seit Oktober 1817 dem Ensemble des Leopoldstädter Theaters an, spielte und führte Regie, konnte aber selbst nach seiner Ernennung zum artistischen Direktor - die einige Wochen nach dem Erhalt des vorliegenden Briefes erfolgte - keinen maßgeblichen Einfluss auf die Personalpolitik des Theaters nehmen. Adam Roller hatte jedenfalls mit seinem Ansuchen um eine erneute Anstellung am Leopoldstädter Theater keinen Erfolg und blieb bis zu seiner Pensionierung in Dresden. Der für ihn hier als Bittsteller auftretende Sohn Andreas war bereits von 1821 an - zunächst als Assistent seines Vaters - im Theater an der Wien, dann am Josephstädter Theater als Maschinist und Dekorationsmaler tätig. 1827/1828 finden wir ihn in Graz, dann in Kassel und Berlin; dort wurde er stark durch Karl Friedrich Schinkel beeinflusst und erlangte zunehmende Bekanntheit als erfahrener und einfallsreicher Bühnengestalter. 1834 folgte er einer Einladung nach Russland, wo er als Leiter des Ausstattungswesens der kaiserlichen Theater die Theaterkultur in St. Petersburg und Moskau maßgeblich beeinflusste und nicht weniger als 63 Ballette und 78 Opern im Sinn der Romantik effektvoll ausstattete, darunter Verdis "La forza del destino". 1873 erhielt er als Andrej Adamovic Roller die russische Staatsbügerschaft; auch eine Professur für Perspektivmalerei an der St. Petersburger Kunstakademie bekleidete er. - Ungewöhnliches Dokument zur Theatergeschichte der Biedermeierzeit. Continue reading

Order no. 2005-44
€ 1400,-


Reger, Max, Komponist (1873-1916)

Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift, München, 16. 5. 1903 (Poststempel). - An den Musikkritiker Paul Zschorlich in Berlin. "Lieber Herr Zschorlich! Besten Dank für Karte! Soeben ist in der Münchener Zeitung Ihr Artikel erschienen; viel allerschönsten Dank für denselben; der Aufsatz ist prachtvoll in jeder Beziehung! Viel schönsten Dank! Mit dem neuen Aufsatz 'Von Hugo Wolf zu M[ax] R[eger]' bitte ich Sie dringendst, noch ein klein Bißchen zu warten, bis Sie in Bälde mein op 70 (17 Lieder) erhalten haben; Sie erhalten selbe sofort nach Erscheinen; die op 70 müssen Sie haben, ehe Sie den Artikel 'von H.W. zu M. R.' [schreiben]. Mit besten Grüßen von meiner Frau und mir an Sie u. Ihre sehr geehrte Frau Gemahlin u. nochmaligem allerbestem Dank Ihr ergebenster Max Reger". Mit eigh. Adresse; mehrere teils dreifache Unterstreichungen. - Leichter Poststempelabklatsch, seitliche Lochspuren unterlegt (geringfügiger Buchstabenverlust).

Reger war 1901 nach München übersiedelt und entfaltete dort eine enorme musikalische Produktivität als Konzertpianist und Komponist. Obwohl er in erster Linie für seine Instrumentalmusik bekannt ist, schrieb er im Lauf seines Lebens auch fast 300 Lieder, darunter die 1903 veröffentlichten "Siebzehn Lieder" op. 70. Continue reading

Order no. 2205-59
€ 560,-


Ridderbusch, Karl, Bass (1932-1998)

Großes farbiges Rollenfoto (25,5 x 20,5 cm) als Hans Sachs mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift im weißen Seitenrand, Oktober 1977. - "Mit allen guten Wünschen herzlichst Ihr Ridderbusch ...".

Der deutsche Sänger debütierte 1967 in Bayreuth und sang hier bis 1977 alle großen Bassrollen. Er war Stammgast in allen großen Opernhäusern der Welt und trat ab 1968 sowohl an der Wiener Staatsoper wie bei den Salzburger Osterfestspielen auf. Continue reading

Order no. 1909-79
€ 75,-


Roda Roda (d. i. Rosenfeld, Sándor Friedrich), Schriftsteller (1872-1945)

Beidseitig eigh. beschriebene farbige Kriegspostkarte mit Unterschrift, Sofia, 29. 5. 1917. - An den Redakteur Fritz Engel vom Berliner Tageblatt. "Hochgeehrter Herr, ich habe Ihren liebenswürdigen Brief erhalten, worin Sie mich zur Mitarbeit am 'Ulk' laden. Ich habe schon veranlasst, daß Ihnen etliches zugehe. Vielen Dank dafür, daß Sie Sich / meiner nach soviel Jahren noch erinnert haben. Ich bin in vollkommener Hochachtung, Ihnen herzlich ergeben, Roda Roda".

Der 1907 wegen Verstößen gegen die Offiziersehre aus der Armee entlassene Publizist und Humorist war ab 1914 als Kriegsberichtserstatter für die Neue Freie Presse tätig; die von ihm hier zur Korrespondenz verwendete Karte zeigt die Samara-Fahne der bulgarischen Freiwilligen. Die deutsche Satire-Zeitschrift "Ulk" erschien von 1872 bis 1922 wöchentlich als auflagensteigernde Gratisbeilage im Berliner Tageblatt, später als selbständige Publikation. Eine Zeitlang wurde sie von Kurt Tucholsky geleitet. Continue reading

Order no. 2001-69
€ 200,-


Roda Roda, M. (d. i. Marie Rosenfeld), Schriftstellerin (1875-1935)

Eigh. Postkarte mit Unterschrift, (Našice), 4. 4. 1893. - An die Redaktion der Literaturzeitschrift "Die Gesellschaft" in München. "Einer Löbl. Red. der Gesellschaft München / sandte ich am 11/4 92 ein Feuilleton 'Kunstmännchen'. Ich bitte dasselbe entweder zu acceptiren oder zu retourniren. Porto lag bei. Ergebenst M. Roda Roda / Adresse jetzt: Našice Slavonien". - Lochspuren hinterlegt, Empfängervermerk.

Vgl. Kosch 16, 122. - Die Schwester des bekannten Satirikers und Publizisten Alexander Roda Roda (eigentlich Sándor Friedrich Rosenfeld, 1872-1945) wuchs so wie ihr Bruder auf einem Gut in der Nähe von Našice auf und war schon in jungen Jahren teils gemeinsam mit ihm, teils selbständig literarisch tätig (Romane, Lustspiele u. a.); später veröffentlichte sie auch unter ihrem Ehenamen Marie Liebermann. Die 1885 von Michael Georg Conrad gegründete naturalistische Literaturzeitschrift "Die Gesellschaft" prägte das geistige Klima der Münchner Moderne entscheidend mit. - Selten. Continue reading

Order no. 2105-65
€ 165,-


Rodzinski, Artur, Dirigent (1892-1958)

Großfoto 58 x 38 cm mit eigenhändiger bildseitiger Widmung und Unterschrift, ohne Ort, 1948. - "To my very - very dear friend Frantzl with thanks from the bottom of my soul for Everything Artur Rodzinsky ...". - Auf Karton montiert, Schrift etwas geblasst, Restaurierungs- und Rahmungsspuren.

Schönes Porträt vor Notenhintergrund in ungewöhnlich großem Format. Rodzinski war der Sohn eines österreichisch-ungarischen Militärarztes und einer polnischen Musikerin, wuchs in Lemberg auf und studierte in Wien Komposition bei Joseph Marx und Franz Schreker. Er lebte ab 1926 in den USA und leitete dort als Chefdirigent namhafte Orchester, zuletzt (1947-1948) das Chicago Symphony Orchestra. Rodzinski verhalf Leonard Bernstein zu einem ersten Durchbruch und brachte 1944 in der New Yorker Carnegie Hall Arnold Schönbergs "Ode to Napoleon Buonaparte" zur Uraufführung. Continue reading

Order no. 2105-66
€ 300,-


Rohlfs, Gerhard, Afrikaforscher (1831-1896)

Postkarte mit eigh. zwei Zeilen und Unterschrift, Dortmund, 6. 2. 1886. - An Siegmund Schott in Frankfurt. "Am Dienst[ag] den 16. d[ieses] M[onats] werde ich also bestimmt in Frankfurt eintreffen. Ergebenst Gerhard Rohlfs." - Knickspur.

Rohlfs führte zunächst ein unstetes Leben als Legionär und Abenteurer, ehe er sich im Zuge mehrerer Afrika-Expeditionen als anerkannter Forschungsreisender, Vortragender und Schriftsteller etablieren konnte. 1884/1885 war er für einige Monate als deutscher Generalkonsul in Sansibar tätig. Continue reading

Order no. 2007-39
€ 100,-


Rokitansky, Carl von, Pathologe (1804-1878)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, ohne Ort (Wien ?), 8. 7. 1866. - "Hochgeehrter Herr Collega! Ich erlaube mir, hiemit den Überbringer, meinen Schulcameraden Dr. H. Hirschfeld bei Ihnen einzuführen und Sie zu bitten, Sie möchten Ihren Einfluß dahin geltend machen, daß er in einem der Verwundeten- oder andern Militärspitäler seine Verwendung finde. Mit Hochachtung Ihr ergebenster Rokitansky". - Geringfügig gebräunt und fleckig, das leere zweite Blatt mit Ausrissen am Oberrand (Montagespuren).

Der Brief ist fünf Tage nach der Schlacht bei Königgrätz geschrieben, bei der über 7.500 Soldaten fielen und über 14.500 verwundet wurden. Rokitansky selbst stammte ebenfalls aus Königgrätz, studierte in Prag und Wien Philosophie und Medizin und erhielt 1844 den ersten Lehrstuhl für Pathologische Anatomie an der Universität Wien. Der bedeutende Mediziner leitete gemeinsam mit dem Internisten Josef von Škoda und dem Dermatologen Ferdinand von Hebra den Übergang von der naturphilosophisch orientierten zur naturwissenschaftlich basierten Medizin ein ("Zweite Wiener Medizinische Schule") und hatte Führungspositionen in verschiedenen Institutionen inne. Im Jahr der Abfassung des Briefes wurde Rokitansky, der sich als überzeugter Humanist auch mit Fragen der medizinischen Ethik beschäftigte, zum Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften gewählt, 1869 zu ihrem Präsidenten. Kaiser Franz Joseph berief ihn 1867 ins Herrenhaus und erhob ihn 1874 in den Freiherrenstand. Continue reading

Order no. 2007-40
€ 450,-


Romako, Anton

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite, in-8, Rom, "Samstag" (um 1860). - An einen Baron. "... Wollen Sie uns das Vergnügen machen und Sonntag den 4. um 7 Uhr abends bei uns speisen / Ihr ganz ergebenster A. Romako". Beiliegend ein Billet mit einem an Romako gerichteten 6-zeiligen Gedicht seines Malerfreundes Major Franz Kühlen, Rom, 3. 1. 1860. - Der Außenseiter der Wiener Ringstraßenepoche lebte von 1857 bis 1876 in Rom, wo er eine Zeitlang als Porträtist und Genremaler erfolgreich war. - Sehr selten.

Zu Franz Kühlen siehe Thieme-Becker 22, 56. Sein Gedicht lautet: "An Romako. / So ist's ein ernstes, lustig Streben: / 'Das was man malt, muß man auch leben / Und auch das Leben recht genießen / Aus dem uns reine Freuden sprießen'; Drum lebe, male, immerfort / Es gelingt dir beides, auf mein Wort." Continue reading

Order no. 1701-66
€ 600,-


Roth, Gerhard, Schriftsteller (1942-2022)

Farbiges Fotoporträt (13 x 18 cm, wohl um 1995) mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite.

Der vielfach ausgezeichnete österreichische Erzähler, Dramatiker und Essayist wurde vor allem durch seine Romanzyklen "Die Archive des Schweigens" und "Orkus" bekannt. Continue reading

Order no. 2205-64
€ 100,-


Rothmüller S. Aktiengesellschaft

Gründeraktie Nr. 14477 zu 200 Kronen mit 2 Originalsignaturen, farblithographierter Doppelbogen, quer-folio, Wien, Oktober 1918. - Leichte Gebrauchsspuren. Inliegend Kupons Nr. 10-23.

Die Wiener Metallwarenfabrik war unter anderem im Eisenbahnbau tätig. Continue reading

Order no. 1902-67
€ 40,-


Rouault, Georg, Maler und Graphiker (1871-1958)

Eigh. Brief mit Paraphe "GR", 3/4 Seite, kl-4, ohne Ort und Datum (um 1925?). - In Eile geschriebener Brief mit einzelnen Korrekturen. "Cher monsieur, I. il y a quelques polémiques à propos de la publication en Mai de vos lithos. Je n'ai pas le temps de v[ou]s en causer les a fond mais dites bien n'est-il pas vrai c'est la verité que je n'ai jamais voulu de date et qu'il ya plus trois ans que je vous avais prevus - ceci repetéz ce comme moi je le fais. II. Arrangez vous avec la destinaire qui v[ou]s remettra ce qui est convenu pour echange. En hâte - meilleur souvenir GR". - Papier gebräunt.

Neben seiner Tätigkeit als vielseitiger Maler und Illustrator arbeitete Rouault unter anderem auch als Ausstatter für die "Ballets Russes" und war außerdem als Drucker tätig. Continue reading

Order no. 1703-73
€ 550,-


Saar, Ferdinand von, Schriftsteller (1833-1906)

Eigh. Brief mit Unterschrift "Saar", 2 Seiten auf Doppelblatt, kl-8, Wien-Oberdöbling, 8. 7. 1893. - (An den Polizeirat Wenzel Boog). "Hochverehrter Freund! Ich werde mein Möglichstes thun, um Dienstag den 11. d. M. beim Glücksradl erscheinen zu ko[e]nnen. Das heißt ich werde gewiß kommen, wenn mich nicht etwas ganz Unvorhergesehenes im letzten Augenblick abhält. In diesem Falle wirst du mir freundlichst verzeihen und jedenfalls briefliche Aufklärungen erhalten. Bis zum gemütlichen 'Plausch' herzlich grüßend dein alt ergebener Saar". - Beiliegend die Briefkarte eines Vorbesitzers mit Angaben zur Provenienz.

Ferdinand von Saar und Wenzel Boog lernten einander als Offiziere in Italien kennen und blieben einander lebenslang freundschaftlich verbunden. Boog wurde 1899 anlässlich seiner Pensionierung in den erblichen Adelsstand versetzt, starb aber noch im selben Jahr. Ferdinand von Saar feierte 1893 mit den "Wiener Elegien" seinen größten Publikumserfolg. Continue reading

Order no. 2102-70
€ 110,-


Sabin, Albert Bruce, Virologe (1906-1993)

Vollständiges, größtenteils handschriftliches wissenschaftliches Manuskript "Varicella Zoster Virus Vaccine", kl-4, 14 Seiten, Charleston (South Carolina) um 1977. Titelblatt mit eigenhändigem Namenszug und Universitätsadresse sowie 12 einseitig beschriebene paginierte Seiten (mit einer halbseitigen Ergänzung), davon drei mit handschriftlich ergänzten aufgeklebten Kopien in Maschinschrift, der Rest in gut lesbarer Bleistiftschrift mit Ergänzungen und Korrekturen in roter Tinte. "... The recent reports of Takahashi and his associates in Japan(1-6) on the effectiveness and innocuity of a live, attenuated varicella-zoster virus vaccine in healthy children as well as in children with chronic disease on steroid therapy and in in children with leukemia or other malignancies on chemotherapy, calls for an examination of the nature und magnitude of the disease problem to be prevented and of the other factors on which a decision to use such a vaccine must be based ...". Auf liniertem Papier mit Klammerheftung; leichte Abklatsche der Kopien auf den gegenüberliegenden leeren Seiten. - Beiliegend Porträtfoto (19 x 19 cm) mit Widmung und Unterschrift im weißen Unterrand, 1986.

Mit Kürzungen publiziert im Journal of the American Medical Association (JAMA) 1977. - Der als Albert Saperstein in Bialystok (damals Russisches Kaiserreich, heute Polen) geborene Mediziner emigrierte 1920/21 mit seiner Familie in die USA und wurde dort 1939 Professor für Kinderheilkunde. Auf der Grundlage der Vorarbeiten von Jonas Salk entwickelte er die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Polio), die ab den 1960er-Jahren in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt wurde. Continue reading

Order no. 2202-82
€ 850,-


Sachs, Nelly, Dichterin (1891-1970)

Eigh. Ansichtskarte, Stockholm, 14. 7. 1952. - "Lieber Freund Oskar Scherer! Für Ihren lieben Brief meinen Herzens Dank. Welchen Rosenduft trug er. War ein wenig krank darum heute nur diesen Gruß und Dank. Sende bald etwas von meinen Dingen. Besitzen Sie Sternverdunkelung. Alles erdenkliche Gute. Ihre Nelly Sachs".

Oskar Scheerer war Gartengestalter in Zweibrücken. Nelly Sachs war 1939 nach Schweden geflohen; ihr Gedichtband "Sternverdunkelung" erschien 1949. 1965 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, ein Jahr später zusammen mit Samuel Joseph Agnon den Literaturnobelpreis. Continue reading

Order no. 1603-63
€ 400,-


Sagan, Françoise, Schriftstellerin (1935-2004)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, ohne Ort und Jahr (1957?). - An einen Kritiker. "Monsieur, je vous remercie infiniment de votre critique des Nouvelles littéraires sur 'Bonjour tristesse'. Je sais qu'il est très flatteur d'avoir une critique de vous, à plus fort raison une bonne. Il me reste à éspérer de pouvoir répondre un jour et d'une manière satisfaisante à vos questions. J'espère aussi pouvoir vous remercier prochainement de vive voix et vous donne mes meilleurs sentiments ... ". - Am Rand minimal fleckig und knittrig, kleiner Bugriss.

Die 18jährige Françoise Sagan (eigentlich Françoise Quoirez) schrieb ihren Roman-Bestseller "Bonjour tristesse" in nur 7 Wochen und erhielt 1954 dafür den Prix des Critiques. Ihr Brief ist vermutlich an André Bourin gerichtet, den Chefredakteur der Wochenschrift "les Nouvelles littéraires", der in der Nr. 1572 vom 17. 10. 1957 einen ausführlichen Artikel über die junge Schriftstellerin veröffentlichte. Continue reading

Order no. 1510-74
€ 650,-


Sailer, Toni, Schirennläufer und Filmschauspieler (1935-2009)

Farbiges Porträtfoto mit eigh. Namenszug auf der Bildseite, 21 x 15 cm.

Private Aufnahme um 1960, veröffentlicht im Benco-Verlag, Wien. Continue reading

Order no. 1802-75
€ 60,-


Salesianer

"Messe des Heiligen Franz v. Sales Bischof und Kirchenlehrer". Mehrfärbig kalligraphierte und illuminierte späthistoristische Handschrift mit reicher Goldhöhung, in-4, 7 Seiten auf 2 Doppelblättern (davon 2 Seiten Quadratnoten auf 4 roten Linien), liturgische Texte in Latein, der erste Bogen ohne eine zu erwartende Fortsetzung, der zweite Bogen in sich abgeschlossen mit einem Autorisierungsvermerk des Generalvikars Pierre-François Poncet, datiert Annecy 28. 5. 1890. - Minimal fleckig, ein kleiner Bugriss.

Prachtvolles, jedoch offensichtlich nicht ganz vollständiges Messformular zum Fest des Hl. Franz von Sales (29. Jänner) in der Art eines spätmittelalterlichen Manuskripts, mit zahlreichen größeren und kleineren Initialen und Schlussvignette. Inhaltlich beglaubigt mit dem Vermerk: "... cum authentico exemplari concordare reperta est." Continue reading

Order no. 2105-71
€ 240,-


Scheel, Walter, Politiker (1919-2016)

Farbfoto 10 x 15 cm mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite (um 1999).

Scheel war von 1974 bis 1979 vierter Bundespräsident der BRD. Seit 1946 Mitglied der DFP, wurde er 1980 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Continue reading

Order no. 1810-81
€ 30,-


Schmitt, Harrison, Astronaut, Geologe und Politiker (geb. 1935)

Offizielles farbiges Fotoporträt der NASA (Reproduktionsdruck) mit eigenhändigem Namenszug "Jack Schmitt", ohne Ort und Datum (um 1980), 25 x 20 cm. - Druckstellen am rechten Rand.

Harrison Hagan „Jack“ Schmitt nahm als Wissenschaftsastronom an der Apollo-17-Mission teil, landete am 11. Dezember 1972 mit der Mondlandefähre Challenger und betrat als zwölfter und bislang letzter Mensch den Mond. Continue reading

Order no. 1909-84
€ 370,-


Schnitzler, Arthur, Schriftsteller (1862-1931)

Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift, Berchtesgaden, 28. 8. 1922. In flüchtiger Bleistiftschrift an Richard Specht in Salzburg. "lieber Richard, ich bleibe also vorläufig da, die Kinder mit O. dürften Sonntag oder Montag kommen. (Vorher gibts im Hotel überhaupt kein Zimmer.) Hingegen sagt der Portier, daß man privat gelegentlich was kriegt. Wenn ich mir einen Vorschlag erlauben darf: kommen Sie am Freitag kühnlich her und versuchen Sie Ihr Glück - auf die Gefahr hin, wenn Sie nichts bekommen, was Ihnen convenirt, Abends wieder zurückzufahren. Ich sage also in jedem Falle Auf baldiges Wiedersehen und grüße Sie herzlich Beide Ihr ASchnitzler". - Leichte Gebrauchsspuren, kleiner Fleck bei der Anschrift.

"Die Kinder mit O.": Arthur Schnitzler hatte 1903 die Schauspielerin Olga Gussmann geheiratet, mit der er bereits seit 1902 einen gemeinsamen Sohn hatte; 1909 folgte eine Tochter. 1921 wurde die Ehe geschieden, die Kinder Heinrich und Lili blieben beim Vater. - Richard Specht (1870-1932) gehörte als Lyriker und Dramatiker zum Schriftstellerkreis "Jung Wien", interessierte sich dann zunehmend für Musik und wurde zu einem der führenden Musikpublizisten seiner Zeit. Continue reading

Order no. 2209-81
€ 300,-


Schnorr von Carolsfeld, Julius, Maler (1794-1872)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift ("Julius Schnorr"), 2 Seiten, in-8, Wien, 3. 11. 1815. An seine Schwägerin Karoline, Ehefrau seines Bruders Ludwig Ferdinand, betr. seinen damals in der österr. Armee dienenden Bruder Eduard. "Liebe Caroline! Dießmahl werden Sie wohl mit wenigen Zeilen vorlieb nehmen müßen, nicht so wohl weil ich zu wenig Zeit habe Ihnen viel zu schreiben als weil ich nicht recht weiß was ich schreiben soll. Daß ich Sie lieb habe, daß ich wünsche Sie mögen bald wiederkommen, habe ich schon zur Genüge gesagt, und so ist's mit den meisten andern Sachen, nun aber doch Eines das Ihnen neu ist, Eduard nehmlich, den das Schiksal bis jetzt so wunderbar an Wien gefeßelt hatte, ist gestern früh abmarschirt. Nicht aber nach Frankreich oder Italien, sondern nur (vor der Hand) nach Iglau. Der eigentlich geheim gehaltene aber uns bewußte Zweck seiner Sendung ist dieser. Schon seit langer Zeit hält sich einige Tagereißen von hier ein gewißer Grasel mit einer ansehnlichen Bande bald da bald dort auf, beunruhigt zum wenigsten die Reisenden bestiehlt und mordet aber nicht selten, und wenn man Gerüchten trauen könnte, so beraubt er Kirchen und Klöster, reiche Gutsherrn und Verwalter aber nun ganz gewiß, auch ist dieser Grasel incognito schon hier und aller Orten geweßen und soll die pfiffigsten Streiche nach Art der Schinderhänse, der schwarzen Peter der bairischen Hiesel und Consorten begehen. Um nun diesen(!) schon lange beunruhigenden Unfug wo möglich Einhalt zu thun sind also 2 Compagnien Infanterie (Eduard hat eine davon unter sich) nebst Cavallerie von hier abgezogen (außer den gewißen von anderen Orten schon ausgesandten Truppen.) Einige andere Officire hatten zu diesem Zug keine Lust und stellten sich krank, Eduarden scheint es aber sehr angenehm zu seyn. Das Ding kann spaßhaft seyn aber auch leicht gefährlich, strapazierlich aber auf jeden Fall vorzüglich bey der nun eingetreten[en] rauhen und naßen Witterung. Der Himmel geleite unsern guten Eduard überall, er schütze ihn und laße seinen Plan gelingen dem Bösewicht zum Schaden den(!) beunruhigten Bürger und Bauer zum Frommen und ihm und uns zur Ehr ... ". - Etwas stockfleckig, unbedeutende kleine Randmängel.

Die drei Malerbrüder Ludwig Ferdinand (1788-1853), Eduard (1790-1819) und Julius Schnorr v. C. lebten und studierten damals alle in Wien; Julius, der künstlerisch bedeutendste von ihnen, ging 1817 nach Italien und schloss sich den Nazarenern an. Der berüchtigte Räuberhauptmann Johann Georg Grasel (Grasl), ein desertierter Soldat, wurde zwei Wochen später, am 19. 11. 1815, in einem Wirtshaus bei Mörtersdorf (nördl. von Horn) überwältigt und verhaftet; sein Prozess dauerte mehrere Jahre. Am 31. 1. 1818 wurde Grasel am Glacis vor dem Neutor in Wien gehängt. Die Legende machte aus ihm einen edlen Räuber, der nur Reiche bestahl, um den Armen helfen zu können. Die ebenfalls volkstümlichen und literarisch verewigten Räubergestalten Matthias Klostermeier ("bayrischer Hiesel") und Johann Bückler ("Schinderhannes") waren 1771 bzw. 1803 hingerichtet worden; ein Kumpan des Schinderhannes, Peter Petri d. Ä., genannt "der alte Schwarze Peter", erfand vermutlich das gleichnamige Kartenspiel. Continue reading

Order no. 2003-80
€ 1200,-


Schön, Eduard (Pseud. Engelsberg, E. S), Komponist (1825-1879)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, Wien, 2. 7. 1864. - An den Wiener Musikverleger Carl Haslinger, dem er seine Komposition "Pagenlied" für 25 Gulden und 12 Freiexemplare überläßt. "... Ihren Antrag ... akzeptire ich hiermit, und bestätige unter Einem den Empfang des obigen Honorars. E[ue]r Hochwohlgeboren besitzen demnach das ausschließliche Verlagsrecht der obengenannten Composition. ... Ed. Schön (E. S. Engelsberg)". Leichter Schriftabklatsch. - Beiligend ein weiterer eigh. Brief mit Unterschrift "E. S. Engelsberg", 3 Seiten, in-8, Wien, 24. 2. 1873, vermutlich an den Sänger und Mediziner Emil Krauss (1840-1889) gerichtet. "... Ich beehre mich Ihnen ein Exemplar des (leider erst jetzt!) erschienenen Chores 'Heimweh', dessen Solo Sie mehrmals vorgetragen haben, mit der Bitte um freundliche Aufnahme zu übersenden. Ich habe mir erlaubt Ihnen Herr Doktor diesen Chor zu widmen, da ich kein anderes Mittel habe um Ihnen meine Bewunderung und meinen Dank für die seelenvolle Auffassung und wirkungsvolle Wiedergabe des Liedes genügend auszudrücken ...". Etwas fleckig.

Schön war promovierter Jurist, war als Ministerialrat im österreichischen Finanzministerium wesentlich an der Ausarbeitung des Börsengesetzes 1875 beteiligt und schrieb daneben zahlreiche Männerchöre, für die er auch die Texte verfasste; der Akademische Gesangverein und der Wiener Männergesangverein nahmen seine Lieder ab 1862 in ihr Repertoire auf. Er leitete auch eine Zeitlang die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Für seine künstlerische Tätigkeit nutzte er das nach seinem Geburtsort gewählte Pseudonym E. S. Engelsberg. Continue reading

Order no. 2001-75
€ 180,-


Schönbauer, Leopold, Mediziner (1888-1963)

Maschinschriftl. Brief mit eigenh. Unterschrift, 2/3 Seite, kl-4, Wien (gedr. Briefkopf), 22. 7. 1957. - An Richard Dolberg betr. die Einladung zu einem Vortrag. "... Das Thema 'Internationale Beziehungen und Gesundheitswesen' ist sicherlich sehr reizvoll. Bevor ich mich entscheide, würde ich Sie nur bitten, mir zu sagen, wie lange ich wohl sprechen soll ... ". - Seitlich gelocht (ohne Textverlust), Empfängervermerke.

Der österreichische Chirurg und Krebsforscher Leopold Schönbauer gilt als Begründer der Neurochirurgie in Österreich. Er verfasste zahlreiche Publikationen (darunter "Das medizinische Wien"), war von 1945 bis 1961 Direktor des Allgemeinen Krankenhauses, daneben Abgeordneter zum Nationalrat und ein überaus populärer Arzt. Richard Dolberg (1888-1972) gründete 1945 das Österreich-Institut und wurde 1959 Generalsekretär des Donaueuropäischen Instituts. Continue reading

Order no. 2007-44
€ 75,-


Schönberg, Arnold, Komponist (1874-1951)

Eigh. Brief mit Namensstampiglie und Unterschrift, 2 Seiten, kl-8, Wien (Stempel), 29. 12. (1910). - An seinen Schüler Rudolf Weirich. "Lieber Weyrich, bitte beruhigen Sie Ihre w[e]r[ten] Eltern. Ich kann leider augenblicklich so wenig, wie je, meine Schuld tilgen. Aber ich glaube bestimmt, daß ich es im Jänner werde tun können. Es geht mir recht miserabel. Große Enttäuschungen! Kalamitäten ohne Ende! Bitte, sagen Sie Ihrem Herrn Papa, ich lasse ihn um etwas Geduld bitten. Das geht doch hoffentlich! / Warum lassen Sie nicht öfters, was von sich hören. Webern schreibt mir sehr oft. Auch Jalowetz und Horwitz! Nur Heim[?] und Karger[?] nicht! - / Meine Pelleas Aufführung in Berlin hatte sehr großen Erfolg. Jetzt sind dort bei Kassierer[!] sechs Bilder von mir ausgestellt. In Prag wurde mein erstes Streichquartett, in München das Sextett mit großem Erfolg aufgeführt. Jetzt - am 2. Jänner ist in München ein Kompositions-Abend von mir. Aber ich kann nicht hinfahren! / Die Kurse an der Akademie sind mäßig besucht. Fürs erste Jahr nicht schlecht, aber für mich. Meine Harmonielehre soll bald heraus. Mitte Februar soll mit dem Druck begonnen werden! Aber ich habe bis dahin noch viel daran zu arbeiten. In Wien soll die Kammersinfonie oder die Orchesterlieder aufgeführt werden. Sonst ist augenblicklich wenig los. / Schreiben Sie mir einmal was Aufrichtiges[?], wie es Ihnen beim Dirigieren geht? Wie Sie im Theater stehen; was für Chancen fürs nächste Jahr, und so weiter. Herzl[iche] Grüße, Prosit Neujahr, Ihr Arnold Schönberg."

Inhaltsreicher Brief aus einer Zeit, die für Schönberg noch durch finanzielle Nöte gekennzeichnet war und künstlerisch für ihn den Übergang von der tonalen zur atonalen Musik bedeutete. Erwähnt werden eine Reihe seiner Schüler, wichtige Werke aus den ersten zehn Jahren seines kompositorischen Schaffens sowie Schönbergs Betätigung als Maler. Der Briefempfänger Rudolf Weirich (1886-1963), Sohn des Wiener Domkapellmeisters August Weirich, studierte bis zum Jahr 1910 bei Schönberg Komposition, wurde dann Korrepetitor und Kapellmeister an verschiedenen Bühnen, Mitarbeiter der RAVAG und zuletzt Studienleiter an der Wiener Staatsoper. Anton von Webern (1883-1945) war einer der ersten Schüler Schönbergs und gehörte mit Alban Berg zum inneren Kreis der Wiener Schule. Heinrich Jalowetz (1882-1946) studierte sowohl bei Arnold Schönberg wie bei Alexander von Zemlinsky und dirigierte später mehrere Werke des Schönberg-Kreises. Karl Horwitz (1884-1925) nahm bis 1908 Privatunterricht bei Schönberg und wurde 1911 von Zemlinsky als Kapellmeister am Deutschen Landestheater in Prag engagiert. - Schönbergs 1902/1903 komponierte symphonische Dichtung "Pelleas und Melisande" stieß bei der Wiener Uraufführung unter der Leitung des Komponisten (1905) zunächst auf Unverständnis. Bei dem erwähnten "ersten Streichquartett" handelt es sich vermutlich um das 1904/1905 entstandene Quartett in d-moll (op. 7), nicht um das bereits 1898 aufgeführte Frühwerk in D-Dur ohne Opuszahl; das Sextett (op. 4, 1899) wurde von Richard Dehmels Gedicht "Verklärte Nacht" inspiriert und ist eines der bekanntesten Werke des Komponisten. Schönbergs Harmonielehre, von ihm als "Handwerkslehre" verstanden, erschien wie geplant im folgenden Jahr. Die Kammersymphonie für fünfzehn Soloinstrumente (op. 9) war im Februar 1907 in Wien durch das Rosé-Quartett und Mitglieder des Hofopernorchesters uraufgeführt worden und bewirkte einen kleinen Skandal; bei einer weiteren Aufführung im März 1913 kam es zu tumultartigen Szenen ("Watschenkonzert"). Die Sechs Orchesterlieder (op. 8) entstanden in den Jahren 1903-1905, wurden aber erst 1913 von Schönberg nochmals revidiert und zur Drucklegung freigegeben. - Die im Stempel angeführte Wohnung auf der Hietzinger Hauptstraße hatte Schönberg im Februar 1910 mit seiner Familie bezogen. Er nutzte sie auch als Atelier - das Malen war ihm damals gleich wichtig wie das Komponieren - und schuf hier in den folgenden Monaten eine Reihe von Selbstporträts, Porträts, Nachtstücken und anderes. Im Juni versuchte er in der renommierten Wiener Galerie Miethke eine Einzelausstellung zu bekommen, was jedoch nicht gelang. Der Buchhändler, Verleger und Konzertveranstalter Hugo Heller ermöglichte Schönberg schließlich im Oktober 1910 seine erste Ausstellung mit rund 40 Bildern und Zeichnungen. Paul Cassirer (so die korrekte Schreibung) war ein bedeutender Verleger, Kunsthändler und Galerist in Berlin, wo Schönberg in den Jahren 1901 bis 1903 als Kapellmeister und Theorielehrer tätig war. Continue reading

Order no. 2105-72
€ 6500,-


Schönborn, Friedrich Karl von, Fürstbischof und Reichsvizekanzler (1674-1746)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite, in-8, Laxenburg, 31. 5. 1725. - An einen Freund über eine Unterredung mit dem Kaiser. "Ca[rissi]me Amice / Ich habe den Schnappauff vorgesterth zu E[uer] D[urchlauch]t geschickt, weilen er aber dieselbe nicht ahngetroffen, also wünsche ich die gelegenheith dieselbe ohne meinem Duschel[?] bald bedienen zu können, umb sond[er]lich über das stattliche guthachten in denen reichs und religions sachen, mitt E[uer] D[urchlauch]t mich besprechen zu können welches I[hrer] k[aiserlichen] M[ajestä]t ich heuth zu E[uer] D[urchlauch]t gebahren immerwährendem lob vorgestellet, und gezeicht habe, wie das werk den maister, die trew einen bestverdiensten Ministrum, die gelährt und geschiklichste vorführung einer so großen und weithlaufichen föderlichen, aber eben dahero d. K[aiserlichen] M[ajestä]t, und dem ganzen Vatterland höchst ahngelegenen sache, welche in sacra et profana totius M[ajesta]tis auff das aller tiefeste einschlaget, einen grund gelährten rath loben muss; I[hre] K[aiserliche] M[ajestä]t haben alles g[nä]d[ig]st ahngehört, und verlangen dass man forderst hernach zu end eilen solle: hac pro notitia von E[uer] D[urchlauch]t ergebenstem trewen diener und Freund FCFvSchönborn". - Unbedeutende Eck- und Randmängel.

Friedrich Karl Reichsgraf von Schönborn-Buchheim leitete von 1705 bis 1731 als Reichsvizekanzler unter den Kaisern Joseph I. und Karl VI. die Reichshofkanzlei in Wien, die oberste Behörde des Heiligen Römischen Reichs. Neben einer Wohnung in dem auf sein Betreiben hin neu errichteten Reichskanzleitrakt der Hofburg und seinem Palais in der Wiener Vorstadt besaß er auch den "Blauen Hof" in Laxenburg, den er zwischen 1710 und 1720 von Lukas von Hildebrandt ausbauen ließ. Mit den angesprochenen "reichs und religions sachen" könnte der zunächst vergebliche Versuch gemeint sein, das Amt des Fürstbischofs von Würzburg von seinem 1724 unerwartet verstorbenen Bruders Johann Philipp Franz zu übernehmen. Da sich dieser sich in seinem Amt nicht sonderlich beliebt gemacht hatte, wurde zunächst Christoph Franz von Hutten gewählt. Nach dessen Tod 1729 konnte Friedrich Karl schließlich die nächste Wahl für sich entscheiden; im selben Jahr erhielt er auch das Amt des Fürstbischofs von Bamberg. Er war so wie der mit ihm befreundete Prinz Eugen ein großer Bücherfreund, Kunstsammler und Bauherr, ließ die Residenz in Würzburg vollenden und förderte Bildungswesen und Wirtschaft in Franken ("Schönborn-Zeit"). - Sehr selten. Provenienz: Nachlass des Wiener Antiquars Heinrich Hinterberger. Continue reading

Order no. 2102-75
€ 1450,-


Schottland / Medizin

Prüfungsdiplom des Collegium Regium Chirurgorum Edinense für den Medizinstudenten John McNaughtan. Gedruckte und geschriebene Urkunde auf Pergamentpapier, in-folio, Edinburgh, 18. 7. 1873. Mit 9 Unterschriften, Papiersiegel und Vignette. Leichte Gebrauchsspuren. - Dazu: Einbürgerungsschein (Burgess Ticket) der Guild Court Perth für denselben. Gedruckte und geschriebene Urkunde auf Papier, quer-folio, Perth, 30. 10. 1880. Mit Unterschrift des Gildensekretärs, farbigem Prägesiegel und großer Vignette mit Stadtwappen. Original gefaltet, oben unregelmäßig beschnitten, leichte Gebrauchsspuren.

Dekorative Dokumente. John McNaughtan erwarb seinen Bachelor of Medicine 1875 an der Universität Glasgow und promovierte ebenda 1877 zum Doktor der Medizin. Er war anschließend am General Prison of Perth sowie als Schiffsarzt tätig. Continue reading

Order no. 2109-75
€ 130,-


Schuschnigg, Kurt, Politiker (1897-1977)

Maschinbrief mit geprägtem Briefkopf "Der Bundeskanzler" und eigh. Unterschrift "Schuschnigg", 3/4 Seite, kl-4 (Doppelblatt), (Wien), 21. 11. 1934. - Bestellung von Ministerialrat Dr. Karl Hirsch zum Mitglied der Ehrenzeichenkommission vom Roten Kreuz.

Nach der Ermordung von Engelbert Dollfuß wurde Schuschnigg im Juli 1934 Bundeskanzler im Ständestaat. Am 11. März 1938 wurde er auf Druck Hitlers zum Rücktritt gezwungen. Continue reading

Order no. 1803-79
€ 110,-


Schweinfurth, Georg, Afrikaforscher (1836-1925)

Eigenhändiges Schriftstück mit Unterschrift, 1 Seite, in-12, Cairo, 8. 2. 1878. - Empfangsbestätigung für den Verleger Du Mont Schauberg in Köln. "Der Unterfertigte bescheinigt den richtigen Empfang des(?) ihm für das 2. Semester des vergangenen Jahres gutkommenden Honorars im Betrage von Mk 249,10(?). Dr. G. Schweinfurth." - Aufgezogen und auf dem Trägerpapier von Sammlerhand beschriftet. Etwas knittrig, geringfügige Klebstoffspuren.

Schweinfurth hatte sich 1875 in Kairo niedergelassen und mit Unterstützung des ägyptischen Khediven eine geographische Gesellschaft gegründet. Von Kairo aus unternahm er verschiedene Forschungsreisen, bis er 1889 nach Deutschland zurückkehrte. Das hier bestätigte Honorar erhielt Schweinfurth vermutlich für Veröffentlichungen in der damals von Ludwig DuMont (so die Schreibweise ab 1865) herausgegebenen Kölnischen Zeitung. Continue reading

Order no. 2109-77
€ 220,-


Seipel, Ignaz, Theologe und Politiker (1876-1932)

Heliogravüre nach Fotographie mit faksimiliertem Namenszug, um 1928, Bildformat 32 x 20,5 cm, Gesamtgr. 49 x 39 cm. - Auf China gedruckt; das Trägerpapier mit nicht störenden Mängeln im breiten Rand.

Prälat Seipel war Obmann der Christlichsozialen Partei und amtierte zwischen 1922 und 1929 zweimal als Bundeskanzler. Continue reading

Order no. 1803-82
€ 80,-


Sibelius, Jean, Komponist (1865-1957)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in deutscher Sprache, 1 Seite, kl-4, Järvenpää, 5. 9. 1921. - An den Musikverleger Robert Heinrich Lienau. "Lieber Herr Lienau, Bitte gütigst das Geld, das ich bei Ihnen habe an meinen[!] Tochter zu senden, unter Adresse: Fräulein Katarina Sibelius / Adr: Oberstleutnant Bazing, Hohenstaufenstr. 21. Stuttgart. / Anbei ein Papier mit meiner Unterschrift, das als Quittung zu ergänzen und zu brauchen ist. Mit den herzlichsten Grüssen, Ihr ergebener Jean Sibelius". Ohne die Beilage. - Geschrieben auf Terwakoski-Büttenpapier mit Wasserzeichen Elchkopf; Bleistiftvermerke des Empfängers. Gelocht, minimale Mängel am rechten Rand.

Robert Heinrich Lienau (1866-1949) leitete seit 1898 den deutschen Musikverlag Robert Lienau in Erzhausen und übernahm 1905 von Sibelius dessen Werke op. 46-56 in seinen Verlag. Aus der 1892 geschlossenen Ehe des Komponisten mit Aino Järnefelt gingen neben Katarina (1903-1984) noch fünf weitere Töchter hervor. Continue reading

Order no. 2105-77
€ 1200,-


Sinigaglia, Leone, Komponist und Bergsteiger (1868-1944)

Eigenhändige Postkarte mit Unterschrift, Wien, Hotel Bristol (gedr. Briefkopf), 8. 1. 1912. - An den Harfenisten und Komponisten Alfred Holý in leicht fehlerhaftem Deutsch. "Sehr geehrter Herr Hóly, Es würde mich sehr freuen, sie morgen zwischen 6-7 Uhr zu sehen vielleicht holen sie mich etwa vor 6. in Hôtel ab - falls verhindert, so können wir für Freitag od. Samstag N[ach]M[ittags] eine Stunde besprechen, ich bin V[or]M[ittags] zwischen 12-1 meistens zu Hause. Mit herzlichen Gruss Leone Sinigaglia". - Leichte Gebrauchsspuren.

Der aus Turin stammende Sinigaglia lebte zeitweise in Wien, wo er mit Brahms in Kontakt stand, und in Prag, wo er bei Dvorák Privatstunden nahm. Er sammelte und bearbeitete viele Volkslieder seiner Heimat und schrieb Kammermusik sowie Orchesterwerke, die von Dirigenten wie Toscanini, Furtwängler und Barbirolli aufgeführt wurden. Daneben war Sinigaglia begeister Bergsteiger, bestieg zahlreiche Gipfel der Dolomiten und schrieb darüber auch ein Buch. Als Jude sollte der 75jährige nach der Besetzung Turins (1944) nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert werden, überlebte aber seine Verhaftung nicht. Autographen Sinigaglias sind selten. - Alfred Holý (1866-1948) galt als einer der besten Harfenvirtuosen seiner Zeit. 1903 holte ihn Gustav Mahler an die Wiener Hofoper und Holý wurde dort der der höchstbezahlte Harfenist in Europa. Nach Mahlers Tod ging er in die USA, wo viele seiner Kompositionen erschienen. 1928 kehrte er nach Wien zurück, konnte hier allerdings nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Continue reading

Order no. 2102-78
€ 120,-


Sinopoli, Giuseppe, Dirigent und Komponist (1946-2001)

Farbige Porträtkarte der Deutschen Grammophongesellschaft mit eigenhändigem Namenszug im Unterrand, ohne Ort und Datum (um 1995).

Der in Venedig geborene und in Messina aufgewachsene Musiker trat in den Siebzigerjahren vor allem als Komponist in Erscheinung, bis er sich mit vielbeachteten Neuinterpretationen von Verdi-Opern einen Namen als international bedeutender Dirigent machte. Continue reading

Order no. 2109-78
€ 90,-


Sinzendorf, Philipp Ludwig Graf, Diplomat und Staatsmann (1671-1742)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in etwas fehlerhaftem Französisch, 1 3/4 Seiten, in-4, Wien, 2. 6. 1706. - An eine Dame in Prag wegen der Zuerkennung einer Pension. "Madame / Si j'etois quelque têms, sans me donner l'honneur de vous repondre a la lettre, que vous avez eû la bonté de m'ecrire du 9vme de maj, j'etois pour tacher de voir, si les projets que vous aviez proposez s'auroient pû executer, mais je suis taché de vous dire qu'on les a trouvé impossibles. ainsi madame l'affaire se reduit presentement, a l'etablissement de vôtre pension, je croi qu'elle sera assignée a prague, come vous vous y trouvez presentement, et dez que le president de la chambre en aura expediez l'ordre, je me donnerois l'honneur de vous l'envoier, vous assurant, Madame que je m'estimerois heureux, de vous pouvoir marquer en toutes les occasions qui dependeront de moi que je suis avec bien du respect / Madame / Votre tres humble et tres obeissant serviteur le comte de Sinzendorff". - Im Randbereich etwas stockfleckig.

Philipp Ludwig Wenzel Graf von Sinzendorf (auch Zinzendorf) wurde schon in jungen Jahren Mitglied im Reichshofrat und Gesandter am Hof von Versailles. Kaiser Leopold I. ernannte ihn 1701 zum geheimen Rat und betraute ihn mit verschiedenen diplomatischen Aufgaben. Als Hofkanzler (ab 1705) und später Oberhofkanzler gestaltete er unter Joseph I. und Karl VI. für Jahrzehnte die österreichische Außenpolitik maßgeblich mit, etwa bei den Haager Verhandlungen im Spanischen Erbfolgekrieg. Zuletzt unterstützte er noch Maria Theresia bei der Durchsetzung ihrer Erbansprüche und im Ersten Schlesischen Krieg. Eigenhändige Briefe Sinzendorfs - er korrespondierte unter anderem mit Gottfried Wilhelm Leibniz - sind im Handel äußerst selten. Continue reading

Order no. 2102-79
€ 650,-


Skoda, Joseph von, Anatom und Internist (1805-1881)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 3/4 Seiten auf Doppelblatt, in-12, (Wien), 1. 10. 1875. - "Verehrter Freund! Dr. Fuchs ist seit vorgestern in Wien. Ich habe ihm heute geschrieben, daß ich morgen abends zu ihm zum Spiele kommen will. Ob er damit übereinstimmt, weiß ich noch nicht. Morgen werden Sie beim Portier der Irrenanstalt die Nachricht bekommen, ob Sie abends zu Fuchs kommen sollen, oder ob wir zu Ihnen nach Döbling kommen. Ergebenst Skoda". - Geringfügig fleckig, am Rand zwei kleine Klebespuren.

Skoda wurde weltweit bekannt durch seine "Abhandlung über Perkussion und Auskultation". Continue reading

Order no. 1603-73
€ 330,-


Slezak, Leo, Tenor (1873-1946)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 3 1/2 Seiten, kl-8, Tegernsee, 30. 7. 1902. - (An den Intendanten des Prinzregententheaters in München). "Euer Wolgeboren! Teile Ihnen ergebenst mit, daß ich mich hier in Tegernsee aufhalte, falls Sie mich zu Proben brauchen sollten. - Auch bitte ich Sie, die Güte zu haben mir mitzutheilen, wann Einer der Herrn Correpititoren[!] in München ist, der mit mir eine oder zwei Soloproben vom Tannhäuser halten könnte, da ich denselben seit 2 Jahren nicht in pariser Bearbeitung gesungen habe; sollte eine Probe nicht möglich sein so möchte ich gerne die Rolle = privatim = bei einem der Herrn durchnehmen. Ich bitte Sie, die Güte zu haben mir auf einem Kärtchen das mitzutheilen, weil ich dann so bald als möglich nach München zur Probe käme. - Auch stünde ich da zu einer eventuellen Costümprobe zur Verfügung. - Indem ich Sie bitte meine Belastigung[!] gütigst zu entschuldigen auch mir ehemöglichst Nachricht zukommen zu lassen, zeichne ich mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung ergebenst Slezak Leo".

Das Prinzregententheater in München-Bogenhausen wurde in den Jahren 1900-1901 von Max Littmann nach dem Vorbild des Bayreuther Festspielhauses errichtet. Bereits 1863 hatten Richard Wagner und der Bayernkönig König Ludwig II. ein eigenes Festspielhaus für München geplant, das von Gottfried Semper gebaut werden sollte. Das Projekt scheiterte aber und geriet in Vergessenheit. Der Bau des Prinzregententheaters, gegen den Wagners Witwe Cosima zunächst heftig opponierte, holte seine Verwirklichung Jahrzehnte später nach und leitete eine glanzvolle Ära sommerlicher Opernfestspiele in München ein. Wagners fünfte vollendete Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" wurde 1845 in Dresden uraufgeführt und vom Komponisten später mehrfach umgeändert; die sogenannte Pariser Fassung entstand 1861. Die Titelpartie zählte zu den Glanzrollen von Leo Slezak. Continue reading

Order no. 2202-86
€ 300,-


Spallanzani, Lazzaro, Jesuit, Philosoph und Universalgelehrter (1729-1799)

Eigh. Brief in italienischer Sprache mit Empfehlungsformel und Unterschrift, 2 1/4 Seiten, gr-8, Pavia, 5. 8. 1796. - An G. Toscan, Bibliothekar des Naturhistorischen Museums in Paris und Übersetzer seiner 1792 erschienenen "Viaggi alle Due Sicilie". "Dottissimo Signore / Fino dell'anno scorso letto aveva in un Giornale Francese il Prospetto concernante la Traduzione, che voi e il Sigre. Duval vi proponevate di fare del mio Viaggio alle due Sicilie. Dopo qualche tempo vidi in altro Giornale uno squarcio di detta Traduzione, il quale riferiva in parte le cose da me osservate su'l Etna. Io volevo per lettere ringraziarvi dell'opere che voi, ed il chiarissimo vostro Collega fate il mio libro; ma mi è stato conteso per la volta comunicazione tra l'Italia e la Francia. ... esser vero che a Venezia si fa una ristampa dei miei Viaggi (e credo ne stiano a quest'ora esuti quattro volumi) ma senza la più picciola aggiunta, la più piccola correzione. Non è già che non si potettero fare aggiunte ed amendazioni al mio libro, troppo conoscendone io i difetti, ma per far ciò convenientemente, non vi era mezzo migliore e più sicuro che rivisitare i Pezzi vulcanizzati da me prime veduti; ma le circostanze mie non me lo hanno permesso. ... Passo ora alla vostra traduzione. Non posso esprimervi con parole quanto e poi quanto mi sia piaciuta. ... Che fedeltà, che chiarezza, che previsione, che eleganza di stile! ... Debbo finalmente esser riconoscente al celeberrime Sig.re Faujas per le sensate sue annotazioni, nè lascio in questo medesimo ordinario di mostrare gli per lettere la mia gratitudine ...". - Schrift teilweise durchschlagend, minimale Papierschäden, Siegelausriss auf dem Adressblatt unterlegt.

Ausführlicher Brief über eines der Hauptwerke Spallanzanis, der als bedeutender Physiologe und Mitbegründer der modernen Vulkanologie und Meteorologie gilt. E. T. A. Hoffmann war von seinen Forschungen fasziniert und ließ ihn unter der Schreibweise "Spalanzani" mehrmals in seinen Schriften auftreten; von dort wurde er als Bühnenfigur in Jacques Offenbachs phantastische Oper "Hoffmanns Erzählungen" übernommen. Der Diplomat, Historiker und Schriftsteller Amaury Duval (1760-1838) wirkte an Toscans Übersetzung mit, der Geologe Barthélemy Faujas de Saint-Fond (1741-1819) steuerte Anmerkungen bei. - Selten. Continue reading

Order no. 1802-84
€ 2400,-


Spanischer Erbfolgekrieg / Eugen, Prinz von Savoyen (1663-1736)

"Extrait de la lettre de Mr. de Revel Lieut. General, Commandant les troupes du Roy dans Cremone du 1. Fevrier 1702 contenant le detail de ce qui s'est passé dans l'entreprise de Mr. le Prince Eugene pour la surprise de cette place." Zeitgenössischer französischer Bericht von unbekannter Schreiberhand über den Überraschungsangriff von Prinz Eugen auf die von einer französischen Garnison gehaltene italienische Stadt Cremona und die Gefangennahme des Generals Villeroy, 3 1/2 Seiten, in-4, ohne Ort und Jahr (wohl 1702). - Stellenweise braunfleckig, Bindungsspuren im Falz. Französische Transkription und auszugsweise deutsche Übersetzung beiliegend.

Die von irischen Söldnern Eugens ausgeführte handstreichartige Gefangennahme von General François de Neufville, Herzog von Villeroy, zählt zu den bemerkenswerten Ereignissen des Spanischen Erbfolgekrieges und sorgte einigermaßen für Aufsehen und Heiterkeit. Sie ging als "Schlacht bei Cremona" in die Geschichte ein, blieb aber für den weiteren Verlauf des Krieges ohne Bedeutung. Eugen hatte sich die nur nachlässige Bewachung der Stadt zunutze gemacht und seine Leute mit Hilfe eines ortsansässigen Priesters über das Wasserleitungssystem eingeschleust. Allerdings scheiterte die Einnahme Cremonas; Villeroy wurde nach kurzer Internierung in Graz bald wieder freigelassen, und erst 1707 eroberten österreichische Truppen definitiv die Stadt. Der hier auszugsweise wiedergegebene Bericht stammt von Generalleutnant Graf Level, dem eigentlichen Kommandanten von Cremona. Continue reading

Order no. 2105-79
€ 260,-


Stanley, Henry Morton, Journalist und Afrikaforscher (1841-1904)

Diktatbrief mit eigh. Unterschrift, 1 Seite, in-8, (London) 22. 8. 1872. - An Mr. James Ostler, dessen Einladung er leider nicht annehmen kann. "Sir / In reply to your kind letter I am sorry to state that being so buisy at present I cannot come. But by the end of October or November my time I shall be able to spare more freely and if you would then write me a line I shall be most happy to come. Your truly Henry M. Stanley".

Stanley hatte im November 1871 den verschollenen Missionar und Afrikaforscher Livingstone in der Nähe des Tanganjikasees wiedergefunden und veröffentlichte 1872 seinen Bericht darüber ("How I found Livingstone"). Die angegebene Briefadresse "8 Duchess St. / Portland Place" liegt im Londoner Stadtviertel Marylebone. Continue reading

Order no. 1603-76
€ 260,-


Stelzhamer, Franz, Schriftsteller (1802-1874)

Blatt mit zwei eigenhändigen Sprüchen (in elegischen Distichen) mit Unterschrift bzw. Paraphe, 2 Seiten, quer-8, Linz, Juli 1868 bzw. 13. 7. 1868. - "Sammle, o Sammler mit Glück, was werth und würdig der Sammlung, / Bis Du gesammelt selbst liegest in Abrahams Schooß." - "Du mit dem Ameisenfleiß u. emsig wie Hamster und Biene, / Warst du ein solches Thier, Freund, sag', oder wirst du es erst ?" - Der zweite Spruch mit Korrektur in der 2. Zeile ("Freund, sag'" statt ursprünglich "gesteh'"). Schrift durchschlagend, Faltspur, oben jeweils Bleistiftvermerke ("ad Vermischte Gedichte" bwz. "0") von fremder Hand.

Der oberösterreichische Dichter und Novellist war vor allem mit seinen Mundartgedichten erfolgreich. Continue reading

Order no. 2105-81
€ 275,-


Stolz, Robert, Komponist (1880-1975)

Eigh. Widmung mit Unterschrift auf dem losen vorderen Umschlag des Klavierauszugs von "Der süsseste Schwindel der Welt / Lustspiel-Operette in 3 Akten von Rudolf Weys / Musik von Robert Stolz", in-4, Wien, Jänner 1938. - "Meinem lieben Freunde u. großen Künstler Josef Mikulas allerherzlichst zur Erinnerung! Der Sie verehrende Robert Stolz ... ". - Unbedeutende kleine Knickspuren, die Rückseite (mit dem Beginn der Musiknoten) mit Montagespuren.

Die Stolz-Operette hatte am 21. Dezember 1937 am Johann Strauß-Theater in Wien ihre Uraufführung erlebt. Der Widmungsträger Josef Mikulas (1886-1980) war ein vielseitig begabter Volksmusiker und galt in der Zwischenkriegszeit "als eine Art musikalisches Aushängeschild der Republik Österreich und der Stadt Wien" (Ernst Weber). Die dekorative Umschlaggraphik stammt von Matouschek (Vorname und Lebensdaten unbekannt), der zu dieser Zeit unter anderem auch Bildpostkarten entwarf. Continue reading

Order no. 1710-85
€ 275,-


Stolz, Robert, Komponist (1880-1975)

Zwei maschinschriftliche Briefe (einer davon als Durchschlag) mit eigenhändiger Unterschrift, jeweils 1 Seite, kl-4, Wien, 21. 6. und 3. 8. 1972. - An den Schriftsteller und Übersetzer Max Knight in Berkeley, der sich für seine englische Bearbeitung von Nestroys "Der Talisman" Musik von Stolz wünschte. "... werde ich Ihnen in den nächsten Tagen einige Manuskripte schicken, mit der Anmerkung, für welche Stellen im TALISMANN[!] ich mir diese Kompositionen denke. Es dürfte nicht schwer sein für Sie und Ihren Freund und Mitarbeiter Joe Fabry diese Kompositionen zu textieren. Wie ich aus den mir eingesandten Texten ersehe, haben Sie beide eine große Erfahrung und beherrschen vollkommen Sprache und Reimtechnik. Wo sich die Möglichkeit ergibt, werde ich vielleicht einen Ihrer Texte komponieren, aber für mich ist es viel leichter, wenn ich Ihnen die Musik für den jeweiligen musikalischen Komplex schicke und Sie den Text dazu dichten. Wie Sie wissen, es gibt nur 7 Ganztöne und 5 Halbtöne, während die englische sprache mindestens 8000 Worte umfasst ...". - Der Durchschlag unregelmäßig beschnitten, etwas knittrig und seitlich mehrfach gelocht. - Beiliegend zwei bildgleiche eigh. Grußkarten von Robert Stolz an Max Knight vom August 1972, zusätzlich unterschrieben von seiner Frau Einzi.

Der als Max Eugen Kühnel geborene Briefempfänger (1909-1993) floh nach dem Anschluss über London und China in die USA, wo er Werke deutschsprachiger Schriftsteller wie Christian Morgenstern, Bertolt Brecht, Karl Kraus und Johann Nestroy in kongenialer Weise ins Englische übersetzte. Seine gemeinsam mit dem ebenfalls aus Österreich emigrierten Joseph Fabry (eigentlich Josef Epstein) erstellte Talisman-Bearbeitung erschien bereits 1967 in New York im Druck. Continue reading

Order no. 2102-83
€ 300,-


Strauß, Eduard, Komponist und Kapellmeister (1835-1916)

Kabinettfotographie (16 x 11 cm) mit eigenhändigen zwei Notenzeilen, Widmung und Unterschrift auf der Rückseite, Wiesbaden, August 1903. "Dem hochwohlgeborenen Fräulein Marie Clausen in wärmster Verehrung Eduard Strauß." - Geschäftsstempel um 1900, minimale Eck- und Randmängel.

Albuminabzug auf bedrucktem Fotographenkarton des Hoffotographen Carl Pietzner (1853-1927). - Stets im Schatten seines berühmteren Bruders Johann stehend, trug Eduard wesentlich zum Erfolg des Familienunternehmens bei und leitete über 30 Jahre lang allein die Strauss-Kapelle. 1901 löste er das Orchester auf und zog sich ins Privatleben zurück. Continue reading

Order no. 2109-84
€ 650,-


Strawinsky, Igor, Komponist (1882-1971)

Kartonblatt mit aufgezogenem Originalfoto und eigenhändigem Namenszug, 30 x 20,5 cm.

Nach Angabe des Vorbesitzers zeigt das Foto den russischen Komponisten mit George Manzau, Orchesterwart der Hamburger Symphoniker, bei einer Konzertprobe 1962 in Hamburg. Continue reading

Order no. 2009-70
€ 580,-


Suk, Josef, Komponist und Geiger (1874-1935), Schwiegersohn Antonín Dvoráks

Eigh. Brief in tschechischer Sprache mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Benešov bei Prag, 15. 4. 1935. - An die Redaktion des Radiojournals in Prag, die ihn um seine Meinung bezüglich eines festen Engagements des Ondricek-Quartetts für den Prager Rundfunk gebeten hatte. Suk befürwortet die dauerhafte Beschäftigung dieses Kammerensembles wärmstens und sieht sie als künstlerische Notwendigkeit an. - Empfängervermerke mit Rotstift, rückseitiger Farbstrich leicht durchschlagend. Vollständige deutsche Übersetzung liegt bei.

Das Quartett wurde 1921 unter dem Namen "Umelecke smyckove kvarteto" (Künstlerisches Quartett) von Studenten des tschechischen Komponisten und Geigers František Ondrícek (1857-1922) gegründet, der damals eine Meisterklasse für Violine am Prager Konservatorium leitete; nach seinem Tod wurde es ehrenhalber nach ihm benannt. Für die Übersetzung des Briefs und den Kommentar danken wir Frau Edith Hoskovec. Continue reading

Order no. 2001-83
€ 300,-


Szczypiorski, Andrzej, Schriftsteller (1928-2000)

Farbfoto in Postkartengröße mit rückseitiger eigh. Widmung in deutscher Sprache und Unterschrift, 10. 2. 1995 (irrig für 1996). - Beiliegend maschinschriftliches Begleitschreiben in deutscher Sprache mit gedrucktem Briefkopf und Unterschrift, Warschau 14. 2. 1996, an den Widmungsträger.

Der politisch engagierte polnische Autor nahm 1944 als Jugendlicher am Warschauer Aufstand teil, engagierte sich in der Solidarnosc-Bewegung und setzte sich für die deutsch-polnische Aussöhnung ein. Continue reading

Order no. 2001-85
€ 65,-


Tegetthoff, Wilhelm von, Admiral (1827-1871)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 4 Seiten, in-8, mit blindgeprägtem Monogramm WT, "In See vor Rovigno / Freg[atte] Schwarz[en]b[er]g, 8t. Juni" [1865]. - An den Marinemaler Josef Püttner. "Geehrtester Herr und Freund. Im Namen der beiden Schiffe Schwarzenberg u. Radetzky muß ich Ihnen den wärmsten Dank sagen für die freundliche Erinnerung, in der Sie die Bewohner derselben bewahren, und für das sehr willkommene und werthvolle Andenken an den 9ten Mai 64 mit dem Sie uns alle auf das Freudigste überraschten. Wir lasen alle mit Vergnügen in den Blättern daß Ihr Kunstwerk bei Sr. Majestet und beim großen Publikum allgemeinen Beifall fand und wir hegen nur den Wunsch, daß es uns gegönnt sein möge, Ihnen bald wieder Stoff für ein neues Seeschlachtengemälde zu liefern. Ihrer Frau Gemalin und Ihren lieben jungen Mädchen bitte ich meine besten Empfehlungen und Grüße zu sagen[.] Die vergnügten Stunden, die ich in ihrer Gesellschaft zubrachte und die herzliche u[.] gastliche Aufnahme die ich in Ihrer charmanten Einsiedelei fand, werden mir stets in Erinnerung bleiben. Schade daß Vöslau nicht am Meere liegt, ich würde sehr gerne mitten im Schwimmschulbassin mit der Fregatte vor Anker gehen. - Ich bin aber am Weg nach Triest, gehe dann nach Fiume und bummle bis auf Weiteres im Adriatischen. Nun nochmals meinen besten Dank und zugleich die herzlichsten Grüße von Ihrem hochachtungsvoll Ergebenem Tegetthoff". (Der Zusatz unter dem Namen ist wohl zu lesen als "C[ontre]a[dmiral]"). - Beiliegend ein eigenhändiger Brief des Empfängers an Gräfin Marie Alberti, signiert "J. C. B. Püttner", 2 Seiten auf Doppelblatt, in-8, Vöslau (Briefkopf), 30. 7. 1877, mit eigh. Kuvert. "Hochgeborene Gräfin! Aus Ihren freundlichen Zeilen an mich ersah ich daß Sie Autografen sammeln. Da Sie so liebenswürdig waren zu bemerken meinen empfangenen Brief darin einzureihen so erlaube ich mir für dießen höchtst bescheidenen und mich ehrenden Wunsch Ihnen eine Belohnung zu Füßen zu legen und übersende Ihnen einige Autografen aus meinen aufgehobenen Briefen, und hoffe Ihnen geehrte Gräfin eine kleine Freude zu bereiten. No 1 ist ein Brief von Admiral Tegetthoff an mich. ...".

Provenienz: aus dem Nachlass des Wiener Antiquars Heinrich Hinterberger (Bleistiftvermerke auf beiden Briefen). - Tegetthoff war bei Ausbruch des Deutsch-Dänischen Krieges mit seinem Flaggschiff "Schwarzenberg" sowie der "Radetzky" in die Nordsee gefahren, wo er im Seegefecht bei Helgoland am 9. 5. 1864 wesentlich zur Niederlage Dänemarks beitrug und bereits am nächsten Tag zum Contre-Admiral befördert wurde. Im Herbst mit Organisationsarbeiten in Wien beschäftigt, kreuzte er in der ersten Hälfte des Jahres 1865 in der Adria und im Mittelmeer. Vor dem Umbau der "Schwarzenberg" (1866) stieg er auf sein neues Flaggschiff, die Panzerfregatte "Erzherzog Ferdinand Max" um, als deren Kommandant er dann am 20. 7. 1866 den Seesieg von Lissa im Krieg gegen Italien erfocht - und dem Empfänger des Briefes damit den in Aussicht gestellten "Stoff für ein neues Seeschlachtengemälde" lieferte. Der aus Böhmen stammende Josef Carl Berthold Püttner (1821-1881) wurde zunächst als Porzellanmaler ausgebildet, profilierte sich dann aber bald als erfolgreicher Marinemaler und hatte auf allen Schiffen der Hamburger Reederei Godeffroy freie Passage. Seit 1855 vor allem in Österreich lebend, reiste er 1864 in kaiserlichem Auftrag nach Helgoland, um dort Studien für ein großes Seestück zu machen (wohl das von Tegetthoff erwähnte "Kunstwerk"); nach dessen Vollendung wurde er 1865 zum Hof-Marinemaler ernannt. Vom Seegefecht bei Helgoland fertigte Püttner ebenfalls mehrere Bilder an, unter denen vielleicht das von Tegetthoff genannte "werthvolle Andenken" zu suchen ist; und natürlich wurde auch der Sieg von Lissa von Püttner gemalt. Die Frau des Künstlers besaß in Bad Vöslau ein Haus (die "charmante Einsiedelei"), in dem Püttner zunächst sporadisch und ab 1869 dann ständig lebte. Continue reading

Order no. 2005-52
€ 4800,-


Tirol

4%ige Schuldverschreibung des Landes Tirol über 5000 Kronen, farblithographierter Doppelbogen, in-4, Innsbruck, 1. 1. 1920. - Mittelbug, hinterer Bogenteil (Tilgungsplan) mit hinterlegtem Randriss. Inliegend Zinskupons für die Jahre 1924-1930.

60jährige Obligation, ausgegeben zur Beschaffung des Gründungskapitals für die Tiroler Landesbank. Continue reading

Order no. 1902-87
€ 65,-


Torberg, Friedrich, Schriftsteller (1908-1979)

Maschinbrief mit eigh. Unterschrift ("Torberg"), 1 Seite, kl-4, Wien (gedr. Briefkopf), 2. 7. 1958. - An den Dichter Felix Braun. "... Meine Sekretärin berichtete mir von den beschämend freundlichen Worten, die Sie für meine Gedichte gefunden haben. Leider hat sie vergessen, wozu die 'Ballade auf den Tod eines Fußballspielers' das Pendant ist ... ". Äußert sich über eine Auswahl von Gedichten. "... Sie enthält kein einziges von den fünf oder sechs wirklich guten Gedichten, die ich zustandegebracht habe (oder zustande gebracht zu haben glaube). Hoffentlich werden Sie mir rechtgeben, wenn ich Ihnen dann im September das Buch zuschicke. ... Ich selbst werde übermorgen zu einer schon vor meinem Unfall fixierten Kur nach Bad Goisern geschleppt und scheide für die nächsten Wochen aus dem Kreise der zivilisierten Menschheit aus ...".

1939 verfasste Friedrich Torberg sein berühmt gewordenes Gedicht auf den Fußballer Matthias Sindelar, der damals unter mysteriösen Umständen im Alter von knapp 36 Jahren ums Leben gekommen war. Seine Lyrikband "Lebenslied : Gedichte aus 25 Jahren" erschien 1958 bei Langen/Müller in München. Continue reading

Order no. 1802-90
€ 160,-


Trebitsch, Siegfried, Schriftsteller (1868-1956)

Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Wien, 26. 5. 1916. - An einen Redakteur über seine Wertschätzung für ungarische bzw. aus Ungarn stammende Schriftsteller und Schauspieler. "... Nikolaus v. Lenau ... hat sein Licht von Ungarn empfangen ... auch Petöfi ist den Literaturfreunden Europas kein Fremder, und die Romane Jokais werden mit Recht von Kennern geschmackvoller Unterhaltungslektüre den Büchern Karl Mays vorgezogen. In unseren Tagen scheint es die Sendung der ungarischen Schauspielkunst und der ungarischen Dramatiker zu sein, die Franzosen erfolgreich aus unserem Bühnenleben zu verdrängen ...". - Minimal fingerfleckig, am unteren Rand leichter Abklatsch des gedruckten Briefkopfs.

Der aus einer areligiösen jüdischen Wiener Familie stammende vielseitige Schriftsteller gehörte unter anderem zum Kreis um Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel und charakterisierte in seinen Romanen und Erzählungen die zeitgenössische österreichische Gesellschaft. Bekannt wurde er aber vor allem als Übersetzer von George Bernhard Shaw bekannt, für dessen dramatisches Werk er sich im deutschen Sprachraum einsetzte und mit dem er in engem freundschaftlichem Kontakt stand. 1938 floh Trebitsch vor den Nationalsozialisten zunächst nach Frankreich, ab 1940 lebte er in Zürich. Continue reading

Order no. 2209-90
€ 100,-


Ungarischer Volksaufstand

Je ein Einblattdruck der Nationalen Widerstandsbewegung (Nemzeti Ellenálasi Mozgalom) und des Oberbefehlshabers der sowjetischen Militäreinheit von Budapest in ungarischer Sprache, 24 x 12 (zweiseitig) und 21 x 15 cm (einseitig), undatiert (Herbst 1956). Der antikommunistische Aufruf der Aufständischen ist überschrieben mit "12 Forderungen" und verlangt unter anderem: Einhaltung der Menschenrechte, freie Wahl des politischen Systems, regionale Selbstverwaltung, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, eine unabhängige Justiz, freie Gewerkschaften, Selbständigkeit für Bauern, Handel und Kleingewerbe, familiengerechte Wohnungen, gleiches Recht auf kulturelle Bildung, Religions- und Gewissensfreiheit. Der Aufruf des sowjetischen Oberbefehlshabers bezeichnet den Aufstand der "konterrevolutionären Kräfte" als zurückgeschlagen und fordert die Budapester Bevölkerung auf, den noch in den Außenbezirken der Stadt befindlichen Resten der "faschistischen Banden" keinen Unterschlupf zu gewähren, sie zur Niederlegung ihrer Waffen aufzufordern, den sowjetischen Militärs ihre Waffen- und Munitionsdepots bekanntzugeben und damit zur raschen Wiederherstellung der Ordnung beizutragen. - Beide Drucke mit leichten Alters- und Gebrauchsspuren, der zweite Aufruf fleckig.

Seltene zeitgeschichtliche Dokumente. Die Revolution begann am 23. Oktober 1956 mit einer friedlichen Großdemonstration der Studenten und führte nach ersten Kampfhandlungen rasch zur Etablierung einer Mehrparteienregierung und zum Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt. Die Sowjetarmee intervenierte, errichtete am 4. November 1956 eine pro-sowjetische Regierung unter János Kádár und beendete die Revolution innerhalb weniger Wochen. Hunderte Aufständische - darunter der Reformpolitiker Imre Nagy - wurden hingerichtet, zehntausende interniert; hunderttausende Ungarn flohen in den Westen. Continue reading

Order no. 2209-91
€ 160,-


Unruh, Hans Victor von, Politiker (1806-1886)

Eigh. Schreiben mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Berlin, 9. 1. 1849. - In Erwartung seiner baldigen Verhaftung an einen Redakteur. "Einliegend übersende ich Ihnen ganz ergebenst meinem gestrigen Versprechen gemäß einen anderen Schluß für meine Schrift, den Sie statt der im Manuscript schließenden Schlußbemerkung drucken lassen wollen, und zwar recht schnell: denn die Nachricht von unserer Verhaftung bestätigt sich. Wahrscheinlich erfolgt diese morgen oder übermorgen, wenn der Criminalsenat in seiner morgenden Sitzung nicht eben sich anders besinnt. Werde ich nicht verhaftet so treffe ich morgen Mittag in Magdeburg ein und besuche Sie. Ergebenst v.Unruh / P.S. Wenn Sie wollen lassen Sie den einliegenden Schluß als Probe in der Faberschen Zeitung abdrucken; ich rate dringend dazu. Die Zeitung nimmt den Artikel unentgeltlich auf." - Bleistiftnotizen von fremder Hand. Mit altem Sammlerumschlag.

Der preußische Bauingenieur und Unternehmer Hans Victor von Unruh wurde nach der Revolution vom März 1848 in die Preußische Verfassunggebende Versammlung als liberaler Abgeordneter gewählt und stand ihr ab Oktober 1848 als Präsident vor. Den bewaffneten Kampf lehnte er ab, auf ihn geht die Wortschöpfung "passiver Widerstand" zurück. Nach der Auflösung der Versammlung wurde er im Januar 1849 in die zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt und veröffentlichte im selben Jahr sein Werk "Skizzen aus Preußens neuester Geschichte". Auch nach der Revolution blieb er politisch tätig; seine Erinnerungen erschienen posthum 1895. Die vom Verlag der Faberschen Buchdruckerei in Magdeburg seit 1664 herausgegebene "Magdeburgische Zeitung" war die älteste deutschsprachige Zeitung und bestand bis 1944. - Selten. Continue reading

Order no. 1703-92
€ 220,-


Velde, Henry van de, Architekt und Designer (1863-1957)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 1/4 Seiten, kl-8 (Doppelblatt mit Trauerrand), "dimanche matin" (Poststempel Berlin 1902), mit eigh. Kuvert. - An Dr. Bondi in Berlin (vermutlich der Rechtsanwalt, Notar und Kunstsammler Felix Bondi, 1860-1934). Übersendet ihm Entwürfe und lädt ihn zur Besichtigung seiner letzten Arbeiten für den Bankier Julius Stern ein. "Cher Monsieur / Je me réjouis de l'annonce de votre présence et de celle de Madame Bondi à Berlin. Les évenements que vous savez m´ont éloigné de tout espèce de travail pendant une quinzaine de jours et aujourd'hui encore tout m'apparait bien trouble. Je pourrai pourtant vous soumettre des esquisses assez avancées pourque vous pussiez faire une idée de mes intentions. Mes explications suppléeront pour le moment à ce qui qui n'est pas encore défini dans mes dessins. Voulez-vous venir ici Mardi prochain vers 3h? après avoir conféré ici nous nous rendrions chez Mr. le Dir. Stern où je souhaite de pouvoir vous montrer mes dernières créations. Veuillez croire, cher Monsieur à mes meilleurs sentiments et présenter mes hommages à Madame Bondi. Cordialement Henry v. d. Velde". - Das Kuvert mit Gebrauchsspuren und Empfängervermerken.

Der in Antwerpen geborene Belgier Henry van de Velde, der sich auch als Maler und Kunstschriftsteller betätigte, gilt als einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils und als Erneuerer der angewandten Kunst. Sein Mäzen Harry Graf Kessler ließ sich seine Berliner Wohnung von ihm ausstatten und überredete ihn 1901 zur Übersiedlung nach Berlin, wo er unter anderem zahlreiche Aufträge für die Innenausstattung der Villa Stern erhielt. Bereits im folgenden Jahr holte man ihn nach Weimar; dort gründete er das Kunstgewerbliche Institut und leitete ab 1908 die neue Grossherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar, die nach dem Krieg zur Keimzelle der Bauhaus-Schule werden sollte. Continue reading

Order no. 2102-91
€ 1400,-


Verdi, Giuseppe, Komponist (1813-1901)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, Sant'Agata, 12. 11. 1890. - An den Schuhmacher Giovanni Zaffignani in Piacenza, dem er eine Anweisung von 94 Lire als Bezahlung von Schuhen für seine Gattin und sich übersendet und dafür um eine Empfangsbestätigung bittet. "Eg[regio] Sig[nor] Raffignani / Le spedisco un vaglia di L[ire] 94,- a saldo dell'ultima sua nota per la calzatura di mia moglie e mia. - Pregandola di un rigo di ricevuto mi dico il suo G. Verdi". - Mit eigenhändigem Briefkuvert; leicht stockfleckig, das Kuvert mit Gebrauchsspuren.

Die Villa Verdi mit dem zugehörigen Landgut im Dorf Sant'Agata bildete von 1851 an den Lebensmittelpunkt des Komponisten; in der nahe gelegenen Stadt Piacenza hatte Verdi mehrere Freunde. Zu ihnen zählte auch Giovanni Zaffignani, der Leiter der ersten Schuhwerkstatt Piacenzas. Er begleitete Verdi oft durch die Stadt und zeigte ihm ihre Kunstschätze. Continue reading

Order no. 2202-93
€ 3600,-


Virchow, Rudolf, Mediziner, Anthropologe und Politiker (1821-1902)

Eintrittskarte zu seinen Vorlesungen über spezielle pathologische Anatomie und Knochenkrankheiten im Sommersemester 1887 an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität. Von fremder Hand ausgefüllter Vordruck auf gelblichem Karton (7 x 9 cm) mit eigenhändiger Unterschrift "Virchow". - Etwas knittrig, Eck- und Randmängel, leichte Wischspur beim Namenszug, Rückseite mit Bleistift bekritzelt.

Der vielseitige deutsche Gelehrte gilt als Begründer der modernen Pathologie und wurde 1856 nach Berlin berufen. Er unterschrieb Briefe und Dokumente in zwei verschiedenen Schriftvarianten, die beide als authentisch anzusehen sind; die vorliegende Form der Signatur findet sich etwa auch auf einer zu seinem Gedenken ausgegebenen Briefmarke der DDR. Continue reading

Order no. 2109-90
€ 300,-


Voronoff, Serge, Chirurg (1866-1951)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 1/2 Seiten, in-8, Nizza, 11. 5. 1913. - Über einen missglückten Tierversuch mit Schafen. "Cher ami, Oui, j'ai mon agneau et je l'ai depuis le 9 Janvier, mais je n'en parle pas. Je Vous le montrerai le mois prochain à Paris. Il est, malheureusement, dans un bocal d'alcool - la brebis a avorté à 3 mois et demi, ou plus tôt près de 4 mois. Il ne faut pas en être trop surpris. Les brebis avortent très facilement. Mais, craignant le mauvais effet d'une pareille nouvelle sur le public ... qui pourrait incriminer la greffe même, je prefère ne pas faire connaître ma petite mesaventure et attendre la naissance d'autres agneaux. C'est en quoi je crois à présent plus que jamais. Et j'en aurai. C'est une question de temps et je crois, qu'il vaut mieux, pour la cause que je deffend[!], de m'armer de patience. N'est ce pas votre avis? A bientôt. Cordialement à Vous S. Voronoff". - Mit gedrucktem Briefkopf "Laboratoire de Chirurgie". Tintenschrift teilweise etwas verfließend und stärker durchschlagend, jedoch gut lesbar.

Der französische Mediziner russischer Herkunft war ein Pionier auf dem Gebiet der Xenotransplantation und spezialisierte sich auf den Versuch der Verjüngung von Männern durch Einsetzung von Affenhoden. Einige Zeit bei einer wohlhabenden Klientel in Mode, erwies sich das Verfahren aber - von Placebo-Effekten abgesehen - als wirkungslos. Continue reading

Order no. 2202-95
€ 275,-


Wagner, Richard, Komponist (1813-1883)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, in-8, ohne Ort und Datum (nach Bleistiftvermerk eines Vorbesitzers Paris, 26. 6. 1860). An seinen Pariser Musikverleger und Freund Gustave-Alexandre Flaxland (1821-1895). "Ach, mein verehrtester Herr Flaxland! Da komme ich wieder mit einer Plage. Ich bin heute übermässig beschäftigt, mein Diener ist sehr dumm und weiss nicht Französisch. Andrerseits weiss ich, dass der Empfang von Musikalien, wie die beiliegend angezeigten, mit Chicanen verknüpft ist; jedenfalls aber haben Sie Jemand, der so etwas gut besorgt. Also -: haben Sie doch die grosse Güte, mir schnell die angekommene Musik (ich hoffe, die sehnlichst erwartete Partitur von Tannh.) auslösen zu lassen, damit ich sie heute vor Abend noch bekomme. Seien Sie mir nicht böse! - Ich hoffe Sie noch zu sehen, und bleibe jedenfalls Ihr sehr ergebener Richard Wagner." Geschrieben auf dünnem rosafarbenem Papier; hinten am Falz des Bogens ist eine handschriftliche Übersetzung des Briefs ins Englische angeheftet.

Richard Wagner, Sämtliche Briefe Bd. 12, Nr. 169 (dort etwas gekürzt und datiert "Juni 1860"). - 1859 musste Wagner aus politischen Gründen Venedig verlassen. Nach einem Zwischenaufenthalt in Luzern begab er sich zusammen mit seiner ersten Frau Minna nach Paris, wo er bereits in den Jahren 1840-1842 unter ärmlichen Bedingungen gelebt hatte. Hier schloss er im Jänner 1860 mit Flaxland einen Vertrag über die Publikation seiner älteren Opern. Flaxland brachte im folgenden Jahr die französische Fassung des "Tannhäuser" als Klavierauszug und in Einzelstücken heraus; ihre Einstudierung durch Wagner an der Opéra Garnier in Paris wurde allerdings ein Misserfolg und der Komponist zog sein Werk zurück. Continue reading

Order no. 2205-76
€ 6800,-


Wagner, Wolfgang, Regisseur (1919-2010)

Porträtfoto 18 x 12,5 cm (Aufnahme Lauterwasser, Bildarchiv Bayreuther Festspiele) mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift, Bayreuth 1984. - Beiliegend maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 1/2 Seite, kl-4, Bayreuth (Briefkopf der Festspiele), 24. 5. 1967. - Dankt einem Intendanten für die Freigabe einer Tänzerin. "... Ich hoffe sehr, Sie in diesem Jahr einmal in Bayreuth zu sehen ...".

Der Opernregisseur und Bühnenbildner Wolfgang Wagner war das dritte Kind von Siegfried und Winifred Wagner und ein Enkel von Richard Wagner. Er leitete die Bayreuther Festspiele von 1951 bis 1967 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland und von 1967 bis 2008 allein, wobei er sie auf eine neue künstlerische und organisatorische Grundlage stellen konnte. Continue reading

Order no. 2009-74
€ 175,-


Wassermann, Jakob, Schriftsteller (1873-1934)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite auf Doppelblatt, kl-8, Wien (Briefkopf), 3. 3. 1910. - An Franz Servaes. "Lieber Doktor Servaes, es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mir eine Zeile schrieben, wie es Ihnen geht, ich erhalte die widersprechendsten Nachrichten. Momentan sind Fischers für ein paar Tage hier, und ich bin sehr in Anspruch genommen, habe auch die letzten Wochen zum Teil auf dem Semmering verbracht. Nächste Woche will ich Sie besuchen, und hoffe, daß Ihnen der Mittwoch oder Donnerstag paßt. Mit vielen Grüßen Ihr Jakob Wassermann." - Ecken etwas knittrig, Tintenflecke.

Der aus Bayern stammende Schriftsteller übersiedelte als Korrespondent der Frankfurter Zeitung nach Wien, wo er sich Arthur Schnitzler und anderen Dichtern des Kreises "Jung-Wien" anschloss. Er wurde Autor der Verlage Albert Langen und Samuel Fischer und konnte nach dem 1. Weltkrieg weltweit Erfolge als Romanschriftsteller feiern. Der Kunstjournalist, Kritiker, Erzähler und Dramatiker Franz Servaes (1862-1947) war von 1899 bis 1919 Feuilletonredakteur der "Neuen Freien Presse" in Wien. 1910 erwarb er mit seiner Frau ein Haus mit Garten in Weidlingau. Continue reading

Order no. 2202-98
€ 200,-


Werfel, Franz, Schriftsteller (1890-1945)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 1 Seite, gr-8, Wien, ohne Datum (wohl Frühjahr 1918). - An Max Krell. "Sehr geehrter Herr Krell, ich gebe Ihnen gern die Erlaubnis zum Abdruck des Dschin in Ihrer Anthologie. - Es tut mir leid, daß gerade dieses Stück nicht sehr gut ist. - Wenn ich ein besseres kurzes Prosastück in meinen Papieren finde, will ich es Ihnen schicken. Mit sehr ergebenen Grüßen Ihr Franz Werfel / Wien dzt. Hotel Bristol Alt." - Falt- und Wischspuren.

Das 1892 gegründete Wiener Hotel "Bristol" wurde mehrfach umgebaut und bestand eine Zeitlang aus einem alten und einem neuen Teil, die miteinander durch Gänge verbunden waren. Werfel war aus dem Graben-Hotel, wo er nicht besonders gut untergebracht war, dorthin gezogen. Hier blieb er bis zum Juli 1918, als ihm eine Bekannte seine erste eigene Wohnung in der Boltzmanngasse im 9. Wiener Gemeindebezirk verschaffte. Im Hotel Bristol traf er sich auch mit seiner Geliebten Alma Mahler, die damals noch mit dem Architekten Walter Gropius verheiratet war; im Sommer 1918 kam als Frucht dieser Beziehung Werfels Sohn Martin Carl Johannes zur Welt, der nur zehn Monate alt wurde. Die Entstehungszeit des Märchens "Der Dschin", das zeitlich etwa am Übergang von Werfels lyrischer zu seiner dramatischen Schaffensphase steht und als sprachlich noch nicht ganz ausgereift gilt, wird gewöhnlich mit 1919 angegeben; das handschriftliche Manuskript im Franz Werfel Archiv an der University of California in Los Angeles ist allerdings mit 1918 datiert, wozu auch das aus der Adresse erschließbare Datum des vorliegenden Briefs passt. Werfel fand für die geplante Anthologie offensichtlich keinen passenden Ersatz für den "Dschin", und die Erzählung erschien somit 1921 in dem vom Briefempfänger herausgegebenen Sammelband "Die Entfaltung. Novellen an die Zeit" bei Rowohlt in Berlin. Diese Erstveröffentlichung scheint der Forschung bis heute weniger bekannt zu sein als die erste posthume Veröffentlichung im Sammelwerk "Erzählungen aus zwei Welten". - Max Krell (1887-1962) war als Erzähler, Übersetzer, Herausgeber und Theaterkritiker tätig und bekleidete einige Zeit die einflussreiche Position eines Lektors beim Ullstein Verlag. Continue reading

Order no. 2005-58
€ 750,-


Wien um 1900

"Zum Andenken. Ein Autographen Album mit Sinnsprüchen deutscher Dichtung". Kleines Album (8,5 x 12 cm, verlegt bei Theo Stroepher in Nürnberg) mit Wiener Firmenstempel. Illustrierter Halbleinenband mit Illustrationen in Chromolithographie, gedruckten Sprüchen ohne Autorenangabe und Leerfeldern zur Eintragung von Autogrammen; insgesamt ca. 25 Blätter, darin 7 Signaturen meist von Schauspielern und Sängern, fallweise mit eigenhändigen Zusätzen, teilweise datiert 1897/1901, zweimal mit Ortsangabe Wien; die übrigen Leerfelder unbeschrieben.

Gut erhaltenes zeittypisches Wiener Album. Enthalten sind die Eintragungen der Schauspieler Ferdinand Bonn (1861-1933), Georg Reimers (1860-1936) und Joseph Lewinsky (1835-1907), der Sänger Theodor Reichmann (1849-1903), Fritz Schrödter (1855-1924) und Hermann Winkelmann (1847-1912) sowie des Schriftstellers und Bühnenautors Rudolf Hawel (1860-1923). Continue reading

Order no. 2105-92
€ 160,-


Wiener Medizinische Schule, Zweite

Gedruckte und geschriebene Urkunde auf Papier mit eigenhändiger Unterschrift von Joseph Skoda ("Prof. Jos. Skoda, Oberaufseher") sowie drei Gegenzeichnungen, quer-gr-folio (49 x 60 cm), Wien, 19. 2. 1859. - Ehrenmitgliedschaft des "medicinischen Unterstützungs-Vereines für hülfsbedürftige Collegen" für Dr. Wilhelm Fleischmann, Ritter des Franz Josef Ordens. Mit teilweise goldgedruckter allegorischer Darstellung (Lithographie bei J. Rauh). - Dekoratives großformatiges Dokument mit nur unbedeutenden Gebrauchs- und Alterspuren.

Joseph (von) Skoda (1805-1881) entwickelte die Untersuchungsmethoden der Perkussion und Auskultation weiter und leitete gemeinsam mit Karl von Rokitansky und Ferdinand von Hebra einen Richtungswechsel von der naturphilosophisch geprägten zur naturwissenschaftlich orientierten Medizin ein. Der angesehene Wiener Arzt Wilhelm Fleischmann war Mitherausgeber der 1844 begründeten "Oesterreichischen Zeitschrift für Homoeopathie". Der 1847 von dem Wiener Venerologen Hermann Zeissl ins Leben gerufene "Medicinische Unterstützungs-Verein" half unbemittelten Medizinstudenten. Continue reading

Order no. 2105-93
€ 300,-


Wigner, Eugene Paul, Physiker und Nobelpreisträger (1902-1995)

"The Use and Ultimate Validity of Invariance Principles." Vollständiges eigenhändiges Manuskript eines Kongressbeitrags, 4 1/2 Seiten (liniertes Papier) mit Klammerheftung, kl-4, Triest, 7. 9. 1983. "... Let me first mention the three fundamental concepts of physics of which the invariance principle is one: Critical conditions, laws of nature, invariance principles or symmetries ... Heisenberg said that that the ultimate meaning of quantum mechanics is the provision of the collision matrix. Is this really observable? ... phenomena may be discovered which violate some of the invariances wildly - as did the [beta]-decay the reflection invariance. That was a shock to me ... let me remind you how useful the invariance principles were in the past, and are now. Without their existence we could not have recognized laws of nature and all our physics, in fact our existence, would be different ...". Mit etlichen Korrekturen und Zusätzen, jedoch ohne Signatur. Zugehöriges Briefkuvert mit Stempel der Princeton University beiliegend.

Gedruckt in: Group Theoretical Methods in Physics. Proceedings of the XIIth International Colloquium Held at the International Centre for Theoretical Physics, Trieste, Italy, September 5-11, 1983. - Geboren in Budapest als Wigner Jenö Pál, trug Wigner zunächst in Deutschland und später in den USA mit zahlreichen fundamentalen Beiträgen wesentlich zu den Fortschritten der Kernphysik bei, besonders auf dem Feld der Quantenmechanik. Zahlreiche Begriffe tragen seinen Namen, darunter das bekannte Gedankenexperiment "Wigners Freund", eine Erweiterung von "Schrödingers Katze". Continue reading

Order no. 2202-99
€ 580,-


Wilder, Thornton, Schriftsteller (1897-1975)

Eigh. Brief mit Unterschrift "Thornton", 2/3 Seite, kl-4, Washington DC, 11. 4. 1943. - "Dear Mrs. Wilkins: ... and with a schoolmasters's professional promptness at seven ...". - Falt- und leichte Knitterspuren, Sammlervermerke in Bleistift.

Thornton Wilder unterrichtete von 1930 bis 1937 an der Universität von Chicago. Er erhielt 1928, 1938 und 1943 den Pulitzer-Preis für seinen Roman "The Bridge of San Luis Rey" und seine Stücke "Our Town" und "The Skin of Our Teeth". Während des Krieges meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, war in Afrika und Italien im Einsatz und erreichte er in der U.S. Army Air Force Intelligence den Rang eines Oberstleutnants; 1945 kehrte er wieder in seinen akademischen Beruf zurück. Continue reading

Order no. 2005-59
€ 160,-


Wildgans, Anton, Schriftsteller (1881-1932)

Eigh. Albumblatt mit Unterschrift, kl-8, Graz, 19. 3. 1923. - Acht Zeilen aus dem Trauerspiel "Armut": "Hänge hat er schon angehaucht / Südlicher Odem die Schwingen schwer / Flügelt der Wind vom Gebirge her / Und die Gärten erschauern, / Und die Gärten ahnen das Meer, / Bruderpalmen im Sonnenschein, / Blühende Winden und blühenden Wein / Auf göttlich verwitterten Mauern ...". - Mit dreiseitigem Goldschnitt.

Wildgans vollendete sein Drama "Armut" unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es wurde im Jänner 1915 mit großem Erfolg im Deutschen Volkstheater in Wien uraufgeführt und eroberte rasch die Bühnen des deutschen Sprachraums. Continue reading

Order no. 2005-60
€ 240,-


Wildgans, Anton, Schriftsteller (1881-1932)

Montierte brauntonige Originalfotographie (Bromsilberabzug) um 1930, vom Fotographen Hermann Brühlmeyer (1892-1966) auf dem Trägerkarton signiert, Bildformat 22 x 17 cm, Gesamtgröße 39,5 x 29,5 cm.

Rückseitig Firmenetikett des von etwa 1925 bis 1957 in Baden bei Wien tätigen Atelierfotographen. Dieses Porträt des für den Nobelpreis nominierten Dichters diente auch als Vorlage für eine zum 25. Todestag erschienene Briefmarke. Continue reading

Order no. 1603-93
€ 110,-


Wilhelm I., deutscher Kaiser, König von Preußen (1797-1888)

Eigenhändiges Schriftstück mit Unterschrift "Wilhelm", 1 Seite, in-8, ohne Ort (wohl Berlin), 5. 9. 1872. - Erlass zum Dreikaisertreffen. "Es sollen nicht nur die Pfeiffer zu den Trommeln, sondern auch die Musiker des Infanterie u. Cavaleriez[u)gs in diesen Tagen, weder die russische noch österreichische Volks-Hymne als Märsche blasen." - Rechts oben rot nummeriert, rückseitig Bleistiftvermerk von 1873 und leichter rezenter Schriftabklatsch.

Das Treffen zwischen Wilhelm I., Kaiser Franz Joseph von Österreich und dem russischen Zaren Alexander II. fand vom 6. bis 11. September 1872 in Berlin statt und bereitete das im Schloss Schönbrunn unterzeichnete Dreikaiserabkommen vom 22. Oktober 1873 vor, das als Konsultativpakt den Friedenszustand in Europa sichern sollte. - Eigenhändige Schreiben des Kaisers sind selten. Continue reading

Order no. 1909-98
€ 750,-


Wolf, Hugo, Komponist (1860-1903)

Eigh. Brief mit Unterschrift, 4 Seiten, kl-8, Wien, 18. 1. 1895, mit eigh. Kuvert. - Ausführliches Schreiben an seinen Freund und Förderer, den Richter und Komponisten Oskar Grohe in Mannheim. "Mein lieber Freund! Ein Wunder, ein Wunder, ein unerhörtes Wunder ist geschehen. Der lang ersehnte Operntext hat sich endlich gefunden; Fix und fertig liegt derselbe vor mir u. ich brenne nur so vor Begierde mich an die musikalische Ausführung zu machen. Sie kennen doch die Novelle "der Dreispitz" von Pedro de Alarcon. Dieselbe ist bei Reclam erschienen. Frau Rosa Mayreder, eine, mir seit Jahren bekannte, geniale Frau, hat das Kunststück fertig gebracht die Novelle in ein äußerst wirkungsvolles Opernbuch umzuwandeln u. sich künstlerisch auf der Höhe des Dichters zu halten. Freund Schalk, dem ich das Buch vorgelesen äußerte sein überschwengliches Entzücken über die außerordentliche Kraft u. Geschicklichkeit der Verfasserin u. meinte, es sei die komische Oper par excellence. ..." Weiters über eine erhoffte finanzielle Unterstützung durch den Freiherrn Franz von Lipperheide. "... In zwei Jahren längstens hoffe ich das Werk vollenden zu können. Mit aller Macht drängt es mich den Wirrsalen meiner jetzigen Verhältnisse zu entfliehen, der mich umgebenden Stickluft zu entweichen, um neue Eindrücke auf mich einwirken zu lassen. Mit Recht schreibt einmal der unglückliche Stauffer-Bern an Peter Halm: 'Lokalwechsel ist sehr gut, merke Dir das. Ist man zu lange an einem Ort, so lullt man sich sachte in eine gewisse Selbstgenügsamkeit ein, zu welcher gute Freunde u. die liebe Faulheit (Geistesfaulheit) das ihrige beitragen.' Wie wahr! ... Partitur u. Klavierauszug des so lange zaudernden Feuerreiters haben Sie wohl schon erhalten? Den Hymnus habe ich nicht verkauft. Schott druckt ihn zwar auf seine Kosten, aber das Eigenthumsrecht hat er nicht erworben. Dieser Tage geht mein Gesuch an den deutschen Kaiser ab, dem das Stück gewidmet werden soll. Ich bin höchst begierig zu erfahren, ob mein Gesuch in Gnaden erledigt wird. Zwei bis drei Wochen werde ich auf den Bescheid wohl warten müssen. Prof. Schmidt in Berlin wird den Hymnus auf Ochsen's Veranlassung aufführen. Und somit: 'Gnade Gott der Sache dein.' Das hätte ich schon in die Partitur des Feuerreiters hinein schreiben sollen. Aber gute Gedanken kommen leider oft zu spät. Herzliche Grüße von Ihrem still getreuen Hugo Wolf." - Vollständige Transkription beiliegend.

"Der Corregidor" erlebte am 7. Juni 1896 in Mannheim seine Uraufführung und wurde mit großem Beifall aufgenommen, konnte sich jedoch nicht dauerhaft auf den Spielplänen behaupten. Die Librettistin Rosa Mayreder (1858-1938) war eine energische Vorkämpferin der Frauenemanzipation in Österreich; Franz Schalk (1863-1931) war Dirigent und langjähriger Direktor der Wiener Staatsoper. Die 1888 als Lied mit Klavierbegleitung veröffentliche Ballade "Der Feuerreiter" (nach Mörike) wurde von Wolf 1892 auch für Chor und Orchester bearbeitet. Franz Freiherr von Lipperheide (1838-1906) war ein deutscher Verleger, der Tirol zu seiner zweiten Heimat machte; in dem von ihm errichteten Schloss Neu-Matzen vollendete Wolf den "Corregidor". Karl Stauffer, genannt Karl Stauffer-Bern (1857-1891) war ein Schweizer Maler, Radierer und Bildhauer, der durch Suizid endete; Peter Halm (1854-1923) war Professor für Radierkunst in München. Seinen patriotischen Hymnus "Dem Vaterland" (nach Text von Robert Reinick) versuchte Wolf mehrfach Kaiser Wilhelm II. zu widmen, was dieser jedoch aus inhaltlichen Gründen ablehnte. Continue reading

Order no. 2001-98
€ 4800,-


Wolf-Ferrari, Ermanno, Komponist (1876-1948)

Billet mit eigh. Notenzeile, Grußformel und Unterschrift, 7 x 11,5 cm, Venedig, 29. 10. 1909. - 3 Takte aus der 1901 entstandenen Kantate für Sopran, Bariton, Chor und Orchester op. 9 "La vita nuova" mit unterlegtem Text "Tanto gentile tanto onesta pare la donna mia ..."

Der deutsch-italienische Komponist lehrte am Salzburger Mozarteum und ist vor allem als Erneuerer der Opera buffa bekannt. In seinem Jugendwerk "La vita nuova" besang Dante Alighieri in der Tradition der mittelalterlichen Minnedichtung seine Liebe zu Beatrice, die sein Leben erneuert habe. Continue reading

Order no. 1806-100
€ 450,-


Wolf-Ferrari, Ermanno, Komponist (1876-1948)

Eigenhändiges Albumblatt mit Unterschrift (aus dem Gästebuch des Ehepaares Baron von Stranz), Altaussee, 24. 12. 1943. "Ricorderò sempre il bel Natale in casa della Baronessa e del Barone v. Strantz al Alt Aussee, dove non ci sono bonbons nè anglesi nè americani ...".

Der deutsch-italienische Komponist, der als Erneuerer der Opera buffa gilt ("Die vier Grobiane"), erhielt 1939 eine Professur für Komposition am Salzburger Mozarteum und ließ sich in der Folge in Altaussee nieder. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Zürich, sein letztes Lebensjahr verbrachte er in Venedig. Continue reading

Order no. 1902-97
€ 275,-


Wolff, Pius Alexander, Schauspieler (1782-1828)

Eigh. Brief an die Hoftheater-Direktion (in Weimar), 1 Seite, gr-8, Weimar, 8. 10. 1812. - "Einer Herzoglichen Hoftheater Directions Commission gnädigst erlassenen Schreiben vom 6.ten zu Folge ist alles berichtigt, was die Contracts Verlängerung zwischen uns bisher verzögern konnte, ich danke hiermit auch für das Letztbewilligte, und bitte mir den neuen Contract zur Unterschrift zu übersenden. Mit der grösten Hochachtung verharrend Einer Herzogl. Hoftheater Directions Commission gehorsamster Diener Wolff." - Etwas gebräunt, kleine Randmängel.

Wolff, der auch als Dramatiker tätig war, stellte sich 1803 bei Goethe vor, wurde von ihm in väterlicher Weise in die Schauspielerei eingewiesen und gefördert und erhielt ein mehrjähriges Engagement. Goethe äußerte sich später zu Eckermann über Wolff folgendermaßen: "So viel ich auch ins Ganze gewirkt habe und so manches durch mich angeregt worden ist, so kann ich doch nur einen Menschen, der sich ganz nach meinem Sinne von Grund auf gebildet hat, nennen: das war der Schauspieler Wolff!" Gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Amelie Wolff-Malcomi, spielte Wolff 1811 für kurze Zeit in Leipzig und Berlin, kehrte dann aber wieder nach Weimar zurück. Hier blieb das Ehepaar noch bis 1815 und ging dann gegen den Willen Goethes nach Berlin. Continue reading

Order no. 1603-26
€ 480,-


Wussow, Klausjürgen, Schauspieler (1929-2007)

Kopie eines Typoskripts (A4, 13+1 pp) mit polemischen Gedanken zum zeitgenössischen Theater und insbesondere zur Situation des Wiener Burgtheaters in der Ära Klingenberg, Wien, August 1974 bzw. 9. 9. 1974; dazu angehefteter Maschinbrief mit eigh. Anmerkung und Unterschrift an den Autor, Musiker und Kabarettisten Gerhard Bronner, ohne Ort, 8. 6. 1981. - Eine Ecke des Typoskripts auf zwei Seiten fleckig.

Wussow gehört von 1964 bis 1986 zum Ensemble des Burgtheaters, verdankte seinen hohen Bekanntheitsgrad aber vor allem seiner Rolle als Professor Brinkmann in der TV-Serie "Die Schwarzwaldklinik". Die im Begleitbrief erwähnte "Entlassung von Ida" bezieht sich auf die Schauspielerin Ida Krottendorf (1927-1998), mit der Wussow von 1960 bis 1991 verheiratet war. - Aufschlussreiches Dokument zur österreichischen Theatergeschichte. Continue reading

Order no. 1906-50
€ 300,-


Ysaÿe, Eugène, Komponist und Geiger (1858-1931)

Porträtpostkarte mit bildseitiger Signatur "E. Ysaÿe", 1909. - Unten geringfügig beschnitten, Rückseite leicht gebräunt. - Beiliegend eine unsignierte Bromsilber-Porträtpostkarte um 1910 (Aufnahme Oscar Brettschneider, Verlag Louis Blumenthal, Berlin; rückseitig Montagespuren).

Ausdrucksstarke Porträts mit Geige. Der belgische Musiker hatte zunächst als Violinist in der Tradition der französisch-belgischen Schule großen internationalen Erfolg; später wirkte er vor allem als Dirigent und Komponist. Continue reading

Order no. 2205-80
€ 370,-


Zeno, Apostolo, Dichter und Gelehrter (1668-1750)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "A. Z.", 1/2 Seite auf Doppelblatt, gr-8, Venedig, 25. 8. 1733. - Nach Angabe eines Vorbesitzers auf der Rückseite des Bogens an den Architekten Marchese Polini. Schreibt über seinen verstorbenen gelehrten Freund, den Abate Antonio Viotti aus Parma, der sich längere Zeit in Venedig aufhielt und dort in enger Verbindung mit den Dichtern Giuseppe und Pietro Durli stand. "... Ho ricevuto con una vostra il libro … che mi avete rimandato; e ve ne ringrazio. L’Abate Antonio Viotti, Parmigiano, è stato molti anni in Venezia, e ha conversato con quanti uomini di lettura allor vi fiorivano, e in particolare coi Sigg. fratelli Durli, Giuseppe e Pietro, il secondo de' quali ancor vive. Ogni sera capitava alla botega del Purini, librajo … speciale nel campo della Guerra. Era uomo assai versato ne' buoni studj, e in particolare nella filosofia, e aveva sapere anche nella mattematica … Egli è stato mio familiariss[im]o amico, ed un meritevole … State sano, e amatemi come io vi amo …". - Geringfügig gebräunt und am Unterrand etwas knittrig, eine Unterstreichung von fremder Hand.

Apostolo Zeno stammte aus einer venezianischen Adelsfamilie und kam 1718 als Hofdichter und Historiker nach Wien. Er betreute hier die kaiserliche Münzsammlung, erwarb für den Hof eine Reihe griechischer Manuskripte und ließ an den Wänden der Hofbibliothek römische Inschriften aus Siebenbürgen anbringen. 1729 kehrte er nach Venedig zurück und widmete sich fortan nur noch der Numismatik. Sein umfangreiches schriftstellerisches Werk umfasst unter anderem 60 dramatische Werke, darunter zahlreiche Librettis für Opern und Oratorien. Autographen Zenos sind von größter Seltenheit. Continue reading

Order no. 2109-99
€ 1200,-


Zionismus - Wolffsohn, David (1855-1914)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4 (liniertes Papier), Eastbourne, 29. 4. 1910. - An Heinrich Steiner. "Sehr geehrter Herr Steiner / Ihre verschiedenen Briefe habe ich sämtliche zeitig erhalten. Ich danke Ihnen für alle Ihre intressanten Mitteilungen und bitte Sie, mich güt[igst] entschuldigen zu wollen, dass ich Ihnen erst heute antworte. Seit mehr als 2 Monaten bin ich fast immer auf Reisen und die wenigen Tage in Köln, reichten kaum, um nur die allerdringendsten Sachen zu erledigen; zum Schreiben kam ich fast nie. Es hat mir ausserordentlich leid getan, dass Sie soviel Ärger mit den Wiener Herren hatten. Sie sollten sich wirklich weniger daraus machen und sie einfach laufen lassen. Ich hatte schon eine langwierige Correspondenz mit der Gesellschaft, weil ich die Aufnahme des Beschlusses in der Welt verweigerte. Erst als sie die beleidigenden Stellen ausschalteten, nahm die Welt sie auf. Die einzige Möglichkeit wäre, dass Sie die Sache vor der Jahresconferenz, die Ende Juni in Berlin stattfindet, brächten. Diese könnte ein Schiedsgericht einsetzen. Ihren letzten Brief vom 23 aus Wien schicke ich an Herrn Kann der sich jetzt mit allen unseren finanziellen Angelegenheiten beschäftigt. Herrn Cowen habe ich Ihren Brief persönlich in London übergeben. Er entsinnt sich nicht mehr welche Vorschläge Sie ihm gemacht haben und will Ihnen direct schreiben. Ich bleibe in England bis zum 8tn Mai. Vielleicht werde ich anfangs Mai in Wien sein, dann könnten wir alles mündlich besprechen. Ich möchte auch gerne Ihre Eindrücke über Palästina hören -. Viele Grüsse von Ihrem ergebenen D. Woffsohn". - Fleckig und etwas knittrig, minimale Randmängel.

Der aus Russland stammende David Wolffsohn schloss sich in Köln der 1881 als Chowewe-Zion-Bewegung gegründeten ersten zionistischen Organisation an. 1896 lernte er Theodor Herzl persönlich kennen, wurde rasch sein Freund und wichtiger Mitarbeiter und begleitete ihn auf seinen Reisen; später wurde er Herzls Nachlassverwalter und folgte ihm 1907 als Präsident der Zionistischen Weltorganisation nach. Der Schriftsteller Heinrich Elchanan Steiner (Pseud. H. York und York-Steiner, 1859-1934) gehörte zum engeren Wiener Kreis um Herzl und spielte bereits beim 1. Zionistischen Weltkongress in Basel (1897) eine wichtige Rolle. Er bereitete damals auch die Herausgabe des im Brief mehrfach erwähnten zionistischen Zentralorgans "Die Welt" vor und entwarf auf Anregung Herzls den Davidstern als Logo dafür. Nach Differenzen mit der späteren Führung trat er 1911 aus der Zionistischen Weltorganisation aus, 1933 emigrierte er nach Palästina. Wolffsohns Freund Jacobus H. Kann war ein bedeutender Bankier und einer der ersten Anhänger Herzls in Holland; er war führend beteiligt an der schwierigen Gründung der Jüdischen Kolonialbank, über deren Leitung er später in eine heftige Auseinandersetzung mit Herzl geriet. Der Londoner Kaufmann Joseph Cowen (1868-1932) war ebenfalls ein Freund und Mitarbeiter von Theodor Herzl. - Briefe Wolffsohns sind von großer Seltenheit. Continue reading

Order no. 2105-99
€ 1600,-


Zita, Kaiserin von Österreich (1892-1989)

Eigenhändiger Telegrammentwurf (Bleistift) mit Unterschrift, 1 Seite, quer-8, ohne Ort und Datum (vermutlich 1919). - An Baronin Malsen in Staad. "... Innigen Dank [für] Telegramm / habe Mama nachtelegrafiert / Brief noch nicht da[.] Herzlichste / Grüsse / Zita." - Oben und unten unregelmäßig beschnitten, Faltspuren.

Staad: heute Ortsteil von Konstanz am Bodensee. Auf ihrer Fahrt ins Schweizer Exil trafen der letzte österreichische Kaiser und seine Frau am 24. März 1919 hier in einem Sonderzug ein und wurden von Zitas Mutter ("Mama") Herzogin Maria Antonia von Bourbon-Parma empfangen. Karl und Zita nahmen in Schloss Wartegg auf dem Rorschacherberg Quartier, ein Teil ihres Gefolges wurde in Staad untergebracht. Im Mai übersiedelte das Kaiserpaar an den Genfersee, von wo aus Karl mit Unterstützung Zitas seinen ersten Restaurationsversuch unternahm. Continue reading

Order no. 2105-100
€ 560,-